Absage an lange, öde Gänge

10. Oktober 2007, 16:14
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"Auf verschlungenen Wegen" mag ein gutes Lebensmotto sein, doch für die Wohnung ist das nichts - Von Christine Diethör

Ein buddhistisches Sprichwort besagt: "Der Weg ist das Ziel." Leider hat man auch in Wohnungen und Häusern immer wieder den Eindruck, dass die Planung unter dem Motto der ewigen Reise gestanden haben muss. Verschlungene Erschließungswege und mehr als großzügig bemessene Gangflächen sind nicht nur umständlich, sondern nehmen der Wohnung auch wertvollen Raum weg.

Der Erschließung von Räumen kommt bei der Planung eine große Bedeutung zu, ja oft steht und fällt eine gute Planung mit den richtigen Gängen, Vorzimmern und Fluren. Kurze Wege mit zusätzlicher Nutzungsmöglichkeit für Schrankeinbauten und Abstellnischen sparen Raum und sind effizient. Lange, schmale Schlurfe hingegen wirken öde und sind oft das Ergebnis einer Planung, die das Thema der Wegführung nicht mitberücksichtigt. Damit vergeudet man nicht nur Quadratmeter, sondern letztlich auch wertvolle Wohnstunden.

Orte der Begegnung

Nötige Verbindungswege sollten abwechslungsreich gestaltet und mit Durchblicken aufgelockert werden. Die Gänge sollten dabei nicht zu schmal ausfallen, sodass unter Umständen auch einmal eine Sitzgelegenheit oder eine Ausweitung als Spielfläche für Kinder eingeplant werden können. Dies gilt besonders für Baulichkeiten wie etwa wie Heime oder Seniorenresidenzen, die eine größere Anzahl von Menschen beherbergen. In diesem Fall sind Gänge auch Orte der Begegnung und Kommunikation.

Manchmal stellt sich die Frage, ob es denn überhaupt eines Ganges oder eines eigenen Vorraums bedarf. Gerade bei knappen räumlichen Verhältnissen muss man diverse Sanitär- und Nebenräume nicht unbedingt über einen engen, abgetrennten Gang erschließen. Eine räumliche Trennung durch raumteilende Möblierung etwa kann Wunder wirken.

Ein wichtiges Thema bei Erschließungswegen ist zudem, dass man "Sackgassen" vermeiden sollte. Ein enger, langer Gang in die Küche, auf dem man wieder kehrt machen und dabei womöglich noch einem Familienmitglied ausweichen muss, das gerade den Tisch deckt, ist das Gegenteil von Wohnkomfort. Bei den Grundrissen der Gründerzeitbauten hat man auf solche Themen Rücksicht genommen und gerne ein "Rundum" geschaffen. Das macht einen großen Teil der Flexibilität aus und vergrößert die Wohnung optisch ungemein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.10.2007)

  • Arch. Christine Diethör, Innenraum-Expertin
    foto: standard/fischer

    Arch. Christine Diethör, Innenraum-Expertin

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