Weltweit noch immer Tausende Exekutionen

11. Oktober 2007, 18:03
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10. Oktober ist Welttag gegen Todesstrafe - Amnesty: Alleine 2006 gab es 1591 Hinrichtungen

In 25 Ländern weltweit wird nach wie vor die Todesstrafe vollstreckt. Dieses Faktum und die Zahl von 1.591 Hinrichtungen sind für das Jahr 2006 zumindest offiziell dokumentiert, wie aus den Informationen der Gefangenen-Hilfsorganisation amnesty international (ai) anlässlich des Welttags gegen die Todesstrafe am 10. Oktober hervorgeht. Die tatsächliche Zahl der Exekutionen dürfte aber bedeutend höher liegen: Allein in China ist es im Vorjahr nach Schätzungen von amnesty tatsächlich zu rund 7.500 bis 8.000 Hinrichtungen gekommen.

91 Prozent der weltweit dokumentierten Exekutionen fanden amnesty zufolge in nur sechs Ländern statt: In China, Iran, Irak, Pakistan, Sudan und den USA. Insgesamt 64 Staaten halten nach wie vor in vollem Umfang an der Todesstrafe fest. Menschenrechtsorganisationen aus der ganzen Welt fordern ein Ende aller Hinrichtungen.

"Spitze des Eisbergs"

Kein europäisches Land mit Ausnahme von Weißrussland wendet die Todesstrafe heute noch an, auf dem amerikanischen Kontinent sind die USA sind laut ai das einzige Land, das seit dem Jahr 2003 Hinrichtungen durchgeführt hat. Obwohl die Hinrichtungszahlen im vergangenen Jahr laut ai um ein Viertel zurück gegangen sind, wurden 2006 mindestens 3.861 Personen in 55 Ländern zum Tode verurteilt. Für China kann die Organisation im vergangenen Jahr 1.010 Exekutionen belegen, was aber in dem ai-Bericht als ledigliche "Spitze des Eisbergs" qualifiziert wird, da die chinesische Führung die diesbezüglichen Statistiken als Staatsgeheimnis hüte.

Der Welttag gegen die Todesstrafe wird in mehr als 70 Ländern begangen. Gegen den Plan zur Einführung eines europaweiten Tages gegen die Todesstrafe, bei dem der seit 2002 bestehende Welttag auch in der EU offiziell begangen werden soll, stellt sich aber Polen: Polens Präsident Lech Kaczynski fordert eine EU-weite Diskussion über die Todesstrafe. Ihre Abschaffung sei "unmoralisch" und sie könne wieder eingeführt werden, hatte Jacek Kurski, Stratege der Kaczynski-Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), unlängst erklärt.

Petition gegen die Topdesstrafe

Mehr als fünf Millionen Menschen haben laut "World Coalition against Death Penalty" (WCADP) eine Petition unterzeichnet, die sich für eine Aussetzung von Hinrichtungen ausspricht. Die UNO-Vollversammlung soll Ende Oktober über ein solches Moratorium befinden und im Dezember über einen weltweiten Hinrichtungsstopp abstimmen. Das ist nach Ansicht von amnesty eine historische Chance für die Menschenrechte. Die Staaten, die die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft haben, hätten die Stimmen für die nötige Mehrheit. Dennoch fürchtet ai, dass eine solche Mehrheit wegen politischer Absprachen nicht zustande kommt. (APA)

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