Wohn-Szenario auf Knopfdruck

9. Oktober 2007, 21:55
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Abendessen, Dämmerlicht, Musik - und all das mit nur einem Knopfdruck: Eine neu entwickelte Fernbedienung soll's möglich machen

Linzer Computerwissenschafter machen es möglich. Sie entwickelten eine Fernbedienung, mit der man mehrere Geräte gleichzeitig steuern und Szenarien im Wohnalltag inszenieren kann.

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Zehn Fernbedienungen hat Alois Ferscha in seiner Wohnung verteilt. "Im besten Fall finde ich alle auf dem Wohnzimmertisch, wenn ich spätabends nach Hause komme, in der Regel aber muss ich suchen - aber selbst, wenn ich dann die Bedienung meiner Stereoanlage auf Anhieb finde, muss ich erst die Anlage einschalten, dann den Lieblingstitel auf meiner Lieblings-CD anwählen und das Licht dimmen", sagt Ferscha, Leiter des Instituts für Pervasive Computing der Kepler-Uni Linz und des Research Studios Pervasive Computing Applications. Spätestens dann sei er leicht genervt. Es müsste eine Bedienung für alle Geräte geben, dachte sich Ferscha. Eine, die intuitiv und nicht zu kompliziert ist.

Erste Ergebnisse in Richtung der Vereinfachung von Bedienungen präsentierten Ferscha und seine Kollegen bereits Ende Jänner dieses Jahres: Mit ihrem für Telekom Austria entwickelten Cube (der Standard berichtete) kann man auf der TV-Plattform aon digital TV durch Drehen, Wenden, Drücken und Schütteln zwischen den Kanälen springen wie mit einer normalen Fernbedienung und das Gerät lauter und leiser stellen. "Das war ein wichtiger Schritt, ist aber erst der Anfang - unsere Entwicklungsarbeiten zielen auf einen allgemeineren Ansatz ab, den wir Space Switch nennen", sagt Ferscha heute.

Der Wissenschafter spricht von einem 50 mal 50 Zentimeter großen roten Bilderrahmen, mit einigen roten Magnetknöpfen auf schwarzem Grund, der im Versuchraum seines Instituts an der Wand hängt. Er sieht auf den ersten Blick allerdings nicht aus wie die Zukunft der Fernbedienung. Das täusche aber, so Ferscha: "Mit dem Space Switch bringen wir eine zweite Dimension mit in den Schaltvorgang, die gleich mehrere interessante Möglichkeiten eröffnet."

Zunächst, so Vordenker Ferscha weiter, können durch die relative Position von einem der Magnetknöpfe, auf der Koordinatenebene im Rahmen gleich zwei Schaltvorgänge auf einmal erledigt werden. Die x- und die y-Achse könnten zum Beispiel für Lautstärke und Tonhöhe stehen.

Ein Knopf in der linken oberen Ecke bedeutete dann: Sehr laut und sehr hoch. Die Definition der Achsen kann aber für jede Anwendung - repräsentiert durch jeweils einen Magnetknopf - unterschiedlich definiert werden. Mit dem Space Switch werden zudem gleich mehrere Schaltvorgänge auf einmal möglich: Zieht man etwa alle Knöpfe in die linke untere Ecke, kann das zum Beispiel heißen: Schalte alle Lampen und Beleuchtungen im und ums Haus aus.

Machbarkeitsstudie

Ferschas Machbarkeitsstudie ist aber nicht nur auf einige wenige Funktionen, wie Licht ein- und ausschalten oder die Lautstärkeregelung beschränkt, sondern koordiniert auch elegant die meisten gegenständlichen Objekte in Wohnzimmer, Büro oder Garage. Denn, fast alle Haushaltsgeräte sind über den ISO-Standard Universal Plug and Play, kurz UPnP, neben dem konventionellen Schalter auch softwaretechnisch über eine standardisierte Schnittstelle zu beherrschen. Dabei wird der aktuelle Zustand eines Gerätes in einem definierten Datenformat, etwa XML, beschrieben. "Das kann im einfachsten Fall sein, ob eine Schreibtischlampe an oder aus ist - oder welcher Dimmzustand gerade eingestellt ist", erklärt Ferscha.

In Geräten mit dem beschriebenen Software-Standard sitzt ein kleiner Prozessor, der die Einstellung per Software-Befehl möglich macht. So muss man nicht mehr selbst zur Lampe gehen und sie direkt per Hand bedienen. "Das gilt für fast alle bekannten Geräte und Anwendungen rund um das Thema Wohnen - Garagentür, Stereoanlage, Heizung und Lüftung, Klimaanlage, Jalousien - die gesamte Gebäudetechnik ist so in einem Handstreich steuerbar", sagt Ferscha.

Mithilfe des Space Switches könnten viele so genannter "Short Cuts" gelegt werden, die die Bedienung von Geräten deutlich erleichtern würde. Damit ist gemeint, dass die Schaltzustände verschiedener Geräte für ein bestimmtes Szenario automatisch aufgerufen werden.

Beim Abendessen könnte so eine bestimmte Beleuchtung, mit Hintergrundmusik kombiniert werden. Gleichzeitig würden etwa alle anderen Zimmer abgedunkelt - und die Alarmanlage in der Garage scharf geschaltet werden. Entsprechendes wäre für Situationen wie "Frühstück" oder "Gäste im Wohnzimmer" möglich. Das drücken einer Vielzahl von Knöpfen werde künftig kaum mehr nötig sein. "Die Zukunft des Schaltens ist gleich ganze Schaltensembles simultan herzustellen", so Ferscha. Man müsse diese Szenarien zwar vorher festlegen, aber die Mühe zahle sich aus: "Ich wäre jedenfalls dankbar, wenn mir die Arbeit, zwölf Schalter zu bedienen, abgenommen würde, meint der Wissenschafter. (Denis Dilba/DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2008)

  •  Eine Fernbedienung für den Wohnalltag hätte vermutlich doch ein anderes Design als das vom TV-Konsum gewohnte.
    foto: der standard/philips/friesenbichler

    Eine Fernbedienung für den Wohnalltag hätte vermutlich doch ein anderes Design als das vom TV-Konsum gewohnte.

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