Die Shopping-WM endete unentschieden

2. Jänner 2008, 14:57
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Nicht alle Läden in Deutschland profitierten von der langen Öffnung während der Fußball-Weltmeisterschaft

Deutschland - ein Land nicht nur im Fußballfieber, sondern auch im Kaufrausch. Diese große Hoffnung hatte der deutsche Einzelhandel vor der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2006 gehegt. Doch die Erwartungen wurden enttäuscht, die Bilanz nach den Spielen fiel gemischt aus.

Für konsumfreudige Einheimische und Touristen waren die langen Öffnungszeiten zwischen dem 9. Juni und 9. Juli des Vorjahres eine wahre Freude. Zwar variierten die Zeiten in den Bundesländern, doch die meisten Läden konnten von Montag bis Samstag bis Mitternacht öffnen, am Sonntag von 14 bis 20 Uhr.

Frust

Doch kaum war WM-Sieger Italien mit dem Pokal wieder nach Hause gereist, zog der Einzelhandel ein wenig frustriert Bilanz. "Die Anzahl der Kunden, die spät einkaufen gingen, war überschaubar. Nicht der ganze Einzelhandel hat von der WM profitiert, weite Teile waren unberührt oder negativ betroffen", räumte Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), ein. Einen Strich durch die Rechnung machte den Geschäftsinhabern damals die Hitze. Während der Spiele saßen die Nation und ihre Gäste ohnehin vor dem Fernseher, danach ging man lieber in den Gastgarten als ins nächste Shoppingcenter.

Immerhin schaffte der Einzelhandel das im Vorfeld der WM gesetzte Ziel von zwei Milliarden Euro Umsatzplus. Gute Geschäfte waren mit Unterhaltungselektronik, Fanartikeln und auch Lebensmitteln zu erzielen, Kleidung hingegen blieb im Laden hängen. Doch die zwei Milliarden Euro waren nicht das Sahnehäubchen auf den Kassen der Einzelhändler, sondern verhinderten lediglich eine völlig verhagelte Bilanz. Denn laut Statistischem Bundesamt legten die Erlöse der deutschen Einzelhändler im Gesamtjahr 2006 inflationsbereinigt nur um 0,1 Prozent zu.

Imagegewinn

Wichtig seien die längeren Öffnungszeiten während der WM auch für den Imagegewinn der Händler gewesen, sagt Pellengahr. Schließlich waren diese vier Wochen der Vorgeschmack auf jene verlängerten Ladenöffnungszeiten, die seit Dezember 2006 generell in Deutschland gelten. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.10.2007)

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