Diskreter Konditor

9. Oktober 2007, 19:21
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Begonnen hat es mit Schaumrollen, heute rollt Wewalka mit Frischteigen europaweit neue Märkte auf

Wien - Anton Gsellmann gibt wenig auf Marketing. Ins Rampenlicht kommt er nur selten. Seine Kunden seien diskret, auch er selbst arbeite ganz gern im Hintergrund, sagt er beinahe entschuldigend. Je weniger er in der Öffentlichkeit stehe, desto besser. Zu den größten Anbietern in seiner Branche aufgearbeitet hat sich der Steirer ohnehin auch so. Gsellmann ist Chef und Eigentümer von Wewalka. Sein Betrieb bäckt in Sollenau für Diskonter und Lebensmittelketten Frischteige und Süßes, etwa Kuchen, Strudel und Topfengolatschen. Der Name Wewalka scheint dabei nur selten auf.

Gewicht habe nur die Produktion, alles weitere überlasse er seinen Kunden, sagt Gsellmann. Mit Teigen hat sich Wewalka damit einen breiten Exportmarkt aufgerollt: Gut 70 Prozent gehen über internationale Handelsketten ins Ausland. Wer in Italien, Island, Malta, Dänemark oder Schweden Teige aus den Kühlregalen holt, hat meist die Wahl zwischen Nestlé und Wewalka. Der Absatz entwickle sich auch in Österreich gut, sagt Gsellmann. "Aber unser Wachstum kommt vor allem aus dem Export."

Mit Schaumrollen fing es an

Begonnen hat alles 1987 mit Schaumrollen. 1990 übernahm Gsellmann den Betrieb mit 25 Mitarbeitern. Er wollte schon immer selbstständig werden, dass er es in der Lebensmittelbranche wurde, sei eher Zufall gewesen, meint er. Die Schaumrollen gab er bald auf, auch von der Tiefkühlsparte trennte er sich. Stattdessen spezialisierte er sich auf Teige und Frischbackwaren. Das Rezept ging auf: Wewalka beschäftigt heute in Sollenau 330 Mitarbeiter und setzt rund 56 Mio. Euro um.

2005 startete er - um seinen Kunden nach Osteuropa folgen zu können - in Ungarn ein zweites Werk. Mittlerweile zählt er dort 270 Beschäftigte, erzielt gute Gewinne und prüft einen weiteren Ausbau um fünf Mio. Euro. Regionale ungarische Bäcker schafften es oft nicht, auf die nötigen höheren Qualitätsstandards umzurüsten. Es sei ihm daher nicht schwer gefallen, dort rasch Fuß zu fassen, sagt Gesellmann. Sein Ziel ist, mittelfristig über Ungarn auch in Tschechien und Polen zu expandieren.

Die rasant gestiegenen Rohstoffpreise schlagen jedoch auch auf Wewalka durch. Mehl etwa habe sich heuer um 40 bis 45 Prozent verteuert, Margarine um 25 Prozent, von Milch und den gestiegenen Verpackungskosten nicht zu reden. Gsellmann zögert kurz. "Mir fällt nichts ein, was im Gegenzug billiger geworden wäre."

Jammern, das liege ihm nicht, und zum Teil zeige der Handel ja auch Verständnis und bezahle fair. Ausgestanden sei die ganze Sache jedoch noch nicht. Und das Tempo, mit dem die Preise nach oben schießen, verunsichere die Konsumenten, sagt Gsellmann. Andererseits habe die ganze Entwicklung auch etwas Gutes. "Vielleicht überdenkt unsere Wegwerfgesellschaft ja einmal ihren Umgang mit Lebensmitteln." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.10.2007)

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Wewalka
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    foto: standard/cremer
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