Verbrannte Erde in Darfur

29. Februar 2008, 08:19
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Armee attackiert selbst die einzige Rebellengruppe, die einem Waffenstillstand zugestimmt hat - mit Infografik

Im Vorfeld geplanter Friedensgespräche für Darfur attackiert Sudans Armee selbst die einzige Rebellengruppe, die einem Waffenstillstand zugestimmt hat. An den kommenden Friedensverhandlungen in Libyen wollen viele Rebellengruppen erst gar nicht teilnehmen.

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Nairobi/Khartum - Als die sudanesische Armee ihren Angriff auf Haskanita einstellte, standen nur noch die Schule und die Moschee. Die restlichen Häuser waren niedergebrannt, 100 Bewohner sollen ums Leben gekommen sein. "Wir haben Fotos von Panzern der Armee in Haskanita", erklärt ein Sprecher der gegen die Regierung kämpfenden "Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit" (JEM), Harun Abdul Hamid. Und auch die UN, die den Vorfall vom Wochenende untersuchen, bezichtigen Sudans Armee indirekt. Ein Sprecher sagte, die Stadt sei niedergebrannt worden, während sie unter sudanesischer Kontrolle stand. Sudans Regierung selbst schweigt zu den Vorwürfen.

Vor einigen Wochen, als die zersplitterte Rebellenbewegung sich in Arusha endlich zusammengerauft hatte, hofften Optimisten auf ein mögliches Ende des Konflikts im Westen Sudans. Am 27. Oktober sollen Rebellen und Sudans Regierung in Libyen zu neuen Friedensgesprächen zusammenkommen. Doch ob diese Verhandlungen stattfinden werden, ist derzeit ungewisser denn je.

Vergeltungsschlag

Bei der Zerstörung von Haskanita handelt es sich manchen Rebellen zufolge um einen Vergeltungsschlag, nachdem Splittergruppen der Rebellen vor einer Woche einen Stützpunkt von Friedenstruppen der Afrikanischen Union angegriffen hatten. Dabei wurden zehn Soldaten getötet. Von einer Politik der verbrannten Erde spricht hingegen Harun Seifeddine, Sprecher einer Splittergruppe der SLA, die von dem Rebellen Minni Minnawi geführt wird. Minnawis SLA-Fraktion ist die einzige, die im Mai 2006 ein umstrittenes Friedensabkommen mit Khartum unterzeichnet hat - theoretisch also ein Verbündeter.

Doch am Montag griffen Regierungstruppen dennoch Minnawis Truppen in Mohajiriya, 90 Kilometer östlich von Haskanita, an. "Das Dorf wurde aus der Luft bombardiert, und nur die Regierungsarmee hat Flugzeuge", bestätigt der Kommandeur der AU-Friedenstruppen, Martin Luther Agwai. Seifeddine zufolge lagen am Dienstag noch Leichen in den Straßen des zur Hälfte zerstörten Dorfs, unter den mindestens 40 Toten seien viele Zivilisten.

Mehrere Rebellengruppen haben angekündigt, die Friedensgespräche ganz zu boykottieren. Doch auch die Rebellen stehen zunehmend unter Druck. Eine Gruppe von Alt-Politikern, die Darfur vor einer Woche besuchten, warfen dem Westen vor, die Rebellen mit Samthandschuhen anzufassen. "Man muss sich fragen, wie repräsentativ diese Gruppen sind", wetterte der ehemalige UN-Vermittler Lakhdar Brahimi.

Drohen mit Ausschluss

Großbritanniens Afrikaminister Mark Malloch Brown warnte am Dienstag Rebellen davor, den Verhandlungen in Libyen fernzubleiben - ansonsten drohe ihnen der dauerhafte Ausschluss. Im kommenden Jahr soll die gemeinsame Truppe von UN und AU mit 26.000 Soldaten und Polizisten die bisherige AU-Mission ablösen, die als schlecht ausgerüstet und unterfinanziert gilt. Der UN-Vize-Generalsekretär für friedenssichernde Maßnahmen Jean-Marie Guehenno urgierte in den vergangenen Tagen, dass ihm vor allem noch Helikopter für die Sicherung der Truppen am Boden fehlten.

Am Dienstag kündigte er zwar neue Hubschrauber und Fahrzeuge für die Truppe an. Doch im Großen und Ganzen gibt er sich pessimistisch: Er befürchtet, der Konflikt könnte sich im Südosten Darfurs nach Kordofan ausbreiten - ein Frieden wäre dann noch ferner als jetzt schon. (Marc Engelhardt/DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2007)

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    Begräbnis eines in Darfur getöteten AU-Soldaten vergangene Woche in Abuja, Nigeria.

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