Hintergrund: Der GMR-Effekt

Redaktion, 09. Oktober 2007 15:03

Derzeit gibt es zum Riesen-Magnetowiderstand beim Lesen von Daten auf engstem Raum bei Raumtemperatur keine Alternative

Wien - Bei der heutigen Festplattentechnologie ist der Riesen-Magnetowiderstand (GMR-Effekt), der von den diesjährigen Physik-Nobelpreisträgern Albert Fert und Peter Grünberg parallel entdeckt worden ist, nach wie vor das "Nonplusultra", sagte der Physiker Heinz Krenn von der Universität Graz. Noch gebe es keine wirkliche Alternative dazu beim Lesen von Daten auf engstem Raum bei Raumtemperatur.

Man arbeite Krenn zufolge zwar bereits an ferromagnetischen Halbleitertechnologien, die einmal eine Alternative zur der GMR-Technik darstellen könnten. Bisher sind die Systeme aber noch nicht bei Raumtemperatur einsetzbar. Möglich seien künftig auch verschiedene Varianten von GMR-Sensoren zum Lesen der Daten.

Technologische Revolution

Für den Physiker stellt jedenfalls der GMR-Effekt eine "technologische Revolution" dar: Damit hätten sich etwa Datenspeichertechnik und -transportsysteme grundlegend gewandelt. "Das wirklich nobelpreis-würdige ist dabei, dass hier eine lebenswichtige Anwendung sehr schnell auf den Markt kam, bevor sie wirklich grundlagenphysikalisch vollständig verstanden worden ist", so Krenn - ein bisher selten beobachteter Prozess.

Der GMR-Effekt gilt aber laut Karl Unterrainer vom Institut für Photonik der Technischen Universität Wien auch im Zusammenhang mit einer anderen künftigen Hochtechnologie als Wegbereiter: der "Spintronik". Hier benutze man den Spin des Elektrons als Schaltgröße und nicht wie bei der herkömmlichen Elektronik nur seine elektrische Ladung, wie der Forscher gegenüber der APA berichtete.

Beim GMR-Effekt stand diesmal nicht die Natur Modell: Erst die Herstellung der künstlichen Strukturen, nämlich eines Schichtensystems, ermöglichte den Effekt und damit den technologischen Fortschritt, so Krenn. Dabei werden mindestens zwei magnetische, parallel zueinander angebrachte Schichten von einer nichtmagnetische Zwischenschicht durchzogen. In einer solchen "Sandwich-Struktur" lösen kleinste Änderungen eines Magnetfelds, wie sie etwa von einem gespeicherten Bit auf der Festplatte ausgelöst werden, "sehr beeindruckende" (Unterrainer) Veränderungen des Widerstands aus, die dann leicht abgelesen werden können.

Laut Krenn beträgt heute die magnetische Strukturgröße auf Festplatten 60 Nanometer (ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters). Diese können nur über Leseköpfe ausgelesen werden, die entsprechend geringe Magnetfelder registrieren können.

Nächste Lesekopf-Generation

Aus der Kombination von spintronischen Erkenntnissen und der GMR-Technik ergaben sich bereits Systeme, bei denen die Elektronen mit Hilfe des Tunneleffekts auch nichtleitende Schichten durchdringen. Beim TMR (Magnetischer Tunnelwiderstand) werden von sehr schwachen magnetischen Feldern noch größerer Veränderungen beim Widerstand gebildet und die nächste Generation von Leseköpfen bedient sich bereits dieser Technik.

Unterrainer zeigte sich über die Physik-Nobelpreisträger 2007 nicht überrascht: "Es gibt viele Hoffnungsgebiete, dieses war eines davon", somit sei die Entscheidung zu erwarten gewesen. Max E. Lippitsch vom Institut für Experimentalphysik der Universität Graz und Geschäftsführer der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft (ÖPG) hielt die diesjährige Entscheidung des Physik-Nobelpreise-Komitees für "sehr wichtig".

Der GMR-Effekt habe zum einen eine "immense praktische Anwendung", ermögliche aber zum anderen auch Einblicke in den Aufbau von Materie und damit in die Natur. Er habe damit Relevanz für die Grundlagenforschung wie auch für die angewandte Forschung. (APA)

Finn McCool
10.10.2007 17:11
Kann jemand den GMR einem komplett Ahnungslosen erklären?

"In einer solchen "Sandwich-Struktur" lösen kleinste Änderungen eines Magnetfelds "sehr beeindruckende" Veränderungen des Widerstands aus."

Welcher Widerstand wird hier verändert? Ein "normaler" elektrischer Widerstand, also die Leitfähigkeit für Strom? Oder ein magnetischer Widerstand, falls es so etwas gibt? Und wo wird der Widerstand geändert, in der nicht-magnetischen Zwischenschicht? Woraus besteht die?

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