SAP-Milliardenkauf signalisiert Bruch mit Strategie

18. Oktober 2007, 12:41
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Mit der Übernahme von Business Objects eifert SAP dem Erzrivalen Oracle nach

Die Softwarefirma SAP wagt sich erstmals an eine Milliardenübernahme. Damit bricht sie radikal mit ihrer auf organisches Wachstum angelegten Strategie. Der geplante Kauf der Softwarefirma Business Objects für fünf Milliarden Euro stieß bei Investoren am Montag aber auf negatives Echo. Sie empfinden den Preis für das französisch-amerikanische Unternehmen, das am Sonntagabend schwache Quartalszahlen angekündigt hatte, als zu hoch. Die SAP-Aktie brach bei hohen Handelsumsätzen zeitweise bis zu sechs Prozent ein.

"Das ist ein wichtiger Meilenstein unserer Strategie, den adressierbaren Markt zu verdoppeln"

SAP erhofft sich von der Übernahme zusätzliches Geschäft. "Das ist ein wichtiger Meilenstein unserer Strategie, den adressierbaren Markt zu verdoppeln", sagte SAP-Chef Henning Kagermann. Vor kurzem hatte der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware angekündigt, bis 2010 mit Hilfe neuer Mittelstandsprogramme den Kundenstamm von heute 42.000 auf rund 100.000 steigern zu wollen. Business Objects zählt 44.000 Kunden, von denen erst zwei Fünftel auch SAP-Programme nutzen. Die Firma ist auf so genannte Business-Intelligence-Software spezialisiert, mit der sich große Mengen von Daten auf Trends und Muster hin untersuchen lassen. Im laufenden Jahr peilt das Unternehmen einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Dollar an.

Gelegenheit genutzt

"Wir haben die Gelegenheit genutzt, um schneller als ursprünglich geplant in diesem Bereich zu wachsen", sagte Kagermann. Das zehn Milliarden schwere Marktsegment Business-Intelligence-Software sei das dynamischste der Branche. Beide Firmen ergänzten sich auch in Bezug auf ihre Branchenspezialisierung gut, sagte Business-Objects-Chef John Schwarz: "SAP ist stark in der verarbeitenden Industrie und bei Versorgern, wir sind stark im Finanz- und Gesundheitsbereich." Kagermann deutete an, dass der Übernahme weitere folgen könnten: "Es gibt andere Bereiche, wo solche Schritte Sinn machen."

Vorbild Oracle

Manche Branchenexperten reagierten mit Skepsis auf die Entscheidung von SAP. "SAP sollte mehr nach vorne schauen. Stattdessen begnügen sie sich mit den übrig gebliebenen Resten", kritisierte Trip Chowdry von Global Equities Research. "Im Krieg von morgen wird Business Objects wenig helfen." Mit der Übernahme eifert SAP dem Erzrivalen Oracle nach, der für Übernahmen in den vergangenen Jahren rund 20 Milliarden Dollar für Zukäufe ausgegeben hat. Das widerspreche der bisherigen Strategie von SAP, nur kleine technologische Lücken mit Akquisitionen zu füllen, sagte Merck-Finck-Analyst Theo Kitz. Bislang hatte SAP nie mehr als 400 Millionen Dollar für einen Zukauf auf den Tisch gelegt.

Oracle hatte zu Jahresbeginn den kleineren Business-Objects-Konkurrenten Hyperion für rund 3,3 Milliarden Dollar gekauft, was nur noch die kanadische Cognos als unabhängigen Anbieter von Business-Intelligence-Software übrig lässt. SAP habe sich aber nicht in der Defensive gesehen, sagte Kagermann. "Es ist keine Reaktion, da wir nicht erkennen können, dass Oracle Marktanteile gewinnen würde", sagte Kagermann.

Teuer

Die Offerte für Business Objects liegt mit 42 Euro je Aktie 20 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag. Die Hälfte will SAP aus eigenen Barmitteln bezahlen, den Rest über Kredite. Schon Ende 2009 will SAP wieder schuldenfrei sein. Branchenexperten bemängelten allerdings, der Preis liege deutlich über dem, was bei anderen Deals in der Branche zuletzt gezahlt wurde. Während die Übernahme 2008 auf den Gewinn von SAP drückt, soll sie schon 2009 für Gewinnsteigerungen sorgen. Harte Einschnitte werde es in Folge der gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur und der Verbindung der Entwicklungs- und Vertriebeinheiten nicht geben. "Beide Unternehmen wachsen schnell und planen die Schaffung neuer Stellen", sagte Kagermann.

Mit einem konkurrierenden Angebot für Business Objects rechnen Anleger anscheinend nicht. Die Aktie von Business Objects notierte einen Euro unter dem Angebotspreis. Allerdings gab es nach Aussagen von Business Objects in der Vergangenheit mehrere Kaufinteressenten. (Reuters)

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