Wenn Weblins über Webseiten wandern

17. Oktober 2007, 12:44
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Der virtuelle Stellvertreter begleitet Surfer im Internet - Und vielleicht schenkt der Avatar der Avatarin dann Rosen

Das wirkliche Leben ist voller Menschen. Im Internet aber ist man oft allein unterwegs. Die Weblins wollen das ändern. Weblins sind Avatare, virtuelle Stellvertreter, die den Internet-Nutzer auf jede Website begleiten, wohin man sich auch bewegt.

Unabhängig

"Sie sind völlig Website-unabhängig, das kann auch Google nicht verhindern", sagt Christine Stumpf von Weblin.com. Die Avatare sehen aus wie kleine Menschen, mal lässig in Jeans oder geschäftsmäßig im Anzug. Wie der eigene Weblin aussieht, kann der Nutzer selbst entscheiden, nachdem er sich kostenlos bei Weblin angemeldet hat.

Wer das Weblin-Programm installiert und aktiviert hat, sieht beim Besuch einer Website, ob dort schon andere Weblins unterwegs sind. Diese stehen nie ruhig herum, sondern sind immer in Bewegung. Kommuniziert wird mit anderen Weblins über Sprechblasen. Und über die rechte Maustaste kann man bestimmte Aktionen steuern und etwa anderen Weblins zuwinken.

Tool für das Schwätzchen nebenbei

Weblins verstehen sich als zusätzliches Tool für das Schwätzchen nebenbei. Sie sind damit eine Chat-Alternative, "die aber eher den Situationen des Alltags entspricht", erklärt Stumpf. "Realität und natürliches Verhalten werden auf das Web übertragen. "Weblins befriedigen das Bedürfnis nach Gesellschaft, sie sind ein virtuelles Präsenztool", sagt Stumpf.

Die Besucher einer Website haben zumindest das Interesse für deren Thema gemeinsam. Das trifft besonders auf Websites für bestimmte Hobbys oder auf die Seiten des Lieblingsvereins zu. Wer da einen Weblin trifft, hat sofort ein Gesprächsthema. Spaß machten mit den Weblins auch Besuche von Konzerten, die im Web übertragen werden, oder auch gemeinsame das Ansehen von Videos bei YouTube, erklärt Stumpf.

Gemeinsam

Auf den Websites von Suchmaschinen wie Google, Yahoo oder MSN sind gemeinsame Interessen nicht unbedingt gegeben. Deshalb kann man einzelne Adressen für das Auftreten des eigenen Weblins auch ausblenden. Wer mit seinem Weblin eine Website betritt, hat ohnehin stets die Wahl, ob er oder sie dort gesehen werden will oder nicht.

Es ist am Anfang schon ein merkwürdiges Gefühl, dass man auf Websites nicht mehr allein ist, dass da plötzlich andere sind, während man gerade eine Suchanfrage eintippt oder sich auf der Website umschaut. Angst zu haben braucht man aber nicht. Die Informationen, "wo gerade ein Weblins herumläuft", werden verschlüsselt an den Weblin-Server gesendet, erklärt Stumpf. Dieser steuert das Auftreten der Avatare und die Kommunikation.

Derzeit sind die Weblins noch zweidimensional. Später sollen sie einmal dreidimensional werden. Schon jetzt hat jeder Nutzer drei verschiedene Typen zur Auswahl, um auf der Musik-Website anders auftreten zu können als beim Fußballverein. Auch eigene Figuren sind möglich, "Bilder von Haustieren zum Beispiel", sagt Stumpf. Weblin sei bisher allein auf dem Markt, auch in den USA gebe es nichts vergleichbares.

Für die Zukunft geplant ist vor allem eine noch stärkere Personalisierung, mit der die Firma Weblin auch Geld verdienen möchte. So könnten Websites eigene Weblin-Serien mit besonderen Erkennungsmerkmalen bestellen. Auch soll es in Zukunft verschiedene exklusive Gegenstände geben, mit denen man den eigenen Avatar ausstatten kann. Und der netten Avatarin kann der Avatar dann vielleicht einmal virtuelle Rosen schenken.

Windows

Das globale Dorf der Weblins beschränkt sich bislang auf Windows-Nutzer, die mit dem Internet Explorer oder dem Firefox-Browser unterwegs sind. Auf dem Mac oder unter Linux haben die Weblins das Gehen noch nicht gelernt.(APA/AP)

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