Sarkozy spricht sich bei Staatsbesuch in Russland für multipolare Weltordnung aus - Annäherung in der Iran-Politik
Moskau - Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat
sich bei seinem Besuch in Russland für eine multipolare Weltordnung
ausgesprochen. Die heutige Welt lasse sich nicht nur von einem Land
führen, sagte Sarkozy am Mittwoch vor Studenten der Technischen
Bauman-Hochschule in Moskau. "Ich bin ein Freund der USA, aber kein
Vasall", zitierte die Agentur Interfax Sarkozy, der im Tagesverlauf
mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin im Kreml
zusammentreffen wollte.
Am Vorabend hatten sich beide Staatschefs in Putins Residenz bei
Moskau zu einem informellen Essen getroffen. Sarkozy sagte danach, er
habe das Gefühl, dass sich die Positionen beider Länder zum
iranischen Atomprogramm angenähert hätten. Das berichtete die Pariser
Zeitung "Figaro". Demnach bezeichnete der
französische Präsident Putins Teheran-Reise in der kommenden Woche
als "sehr nützlich".
"Zahlreiche Annäherungen"
"Unsere Positionen haben sich
sehr aufeinander zu bewegt", sagte er am Dienstagabend nach einem
Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau. Es
gebe "zahlreiche Annäherungen", sagte Sarkozy. Nähere Einzelheiten
wollte er nicht nennen.
Zugleich gebe es aber auch unterschiedliche Auffassungen zu den
Absichten des Iran, sagte Sarkozy. "Wir stimmen darin überein, was
sie (der Iran) können. Wir haben Differenzen in der Frage, was sie
wollen."
Sanktionen
Vor seinem ersten Staatsbesuch in Russland hatte Sarkozy abermals
für schärfere Sanktionen gegen Teheran geworben, "um die iranische
Regierung zur Vernunft zu bringen". Moskau lehnt eine härtere Gangart
im Atomkonflikt bisher ab und hat sich gegen weitere Sanktionen
ausgesprochen. Putin reist in wenigen Tagen nach Teheran. Die Reise
werde "sehr nützlich", sagte Sarkozy.
Bei dem dreistündigen Treffen am Dienstagabend auf Putins Datscha
in Nowo-Ogariewo nahe der Hauptstadt ging es laut Sarkozy auch um
Nordkorea, die Zukunft des Kosovo und Putins eigene politische
Zukunft. Sarkozy ist der erste führende Politiker aus dem Westen in
Moskau, seitdem Putin seine Kandidatur für die Parlamentswahl im
Dezember bekanntgegeben hat. Putin wisse, wen er als Nachfolger im
Präsidentenamt wünsche, erklärte Sarkozy. Er wolle den Namen seines
Kandidaten aber noch nicht nennen.
Handelsbeziehungen
Er habe Putin auch seine Sorge wegen der Ermordung der
regierungskritischen Reporterin Anna Politkowskaja vor einem Jahr,
wegen der Lage in Tschetschenien und der Rechte von Homosexuellen in
Russland geschildert. Das Gespräch war laut Sarkozy "lang, entspannt,
tief, offen und leidenschaftlich".
Putin äußerte nach dem Treffen die Hoffnung auf einen Ausbau der
Handelsbeziehungen mit Frankreich. (Reuters/dpa/APA)