Service Pack 1 bessert Windows Vista nach

7. Jänner 2008, 14:23
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Erste Eindrücke der Beta-Version - System­start beschleunigt - Neues Dateisystem exFAT - Suchprogramm kann ersetzt werden

Selten ist eine neue Windows-Version so zurückhaltend aufgenommen worden wie Windows Vista. Jetzt ist Microsoft dabei, das Betriebssystem nachzubessern und entwickelt ein erstes "Service Pack". Eine "Betaversion" für dieses umfassende Update von Windows Vista wird zurzeit von einem begrenzten Kreis von Entwicklern getestet. Die Fertigstellung ist für die erste Jahreshälfte 2008 geplant.

Drei Bereiche

Microsoft nennt drei Bereiche, die das Service Pack 1 (SP1) ansprechen soll: Erstens sollen Aufgaben zur Verwaltung des Computers vereinfacht werden. Dann soll es Verbesserungen bei Sicherheit, Zuverlässigkeit und Leistung geben. Und schließlich werden neue Technologien und Standards unterstützt. Neue Funktionen gibt es nicht. "Jedoch erhalten einige bestehende Komponenten eine leicht verbesserte Funktionalität", heißt es in der Beschreibung für die Beta-Tester.

Das SP1 enthält auch alle seit der allgemeinen Einführung des Systems im Jänner hinzugefügten Verbesserungen und "Patches", also Fehlerbereinigungen. Die Datei zur Installation der Betaversion des SP1 ist mit 687 MB daher ziemlich groß. Zu Beginn wird geprüft, ob die Voraussetzungen dafür erfüllt sind. So müssen auf der Festplatte mindestens fünf Gigabyte frei sein. Die Installation dauerte auf dem Testrechner 74 Minuten, dabei musste der PC dreimal neu gestartet werden. Die Installation des Service-Packs ist also eine ziemlich aufwendige Sache.

Leistung

Und wie steht es mit der versprochenen Verbesserung bei der Leistung? Immerhin konnte bei der Bootzeit im Test eine Beschleunigung um 40 Prozent festgestellt werden: Ohne SP1 dauert es eine Minute und 55 Sekunden, bis das System gestartet ist. Mit SP1 waren es auf einer identischen Maschine mit einem aktuellen Doppelkern-Prozessor von Intel eine Minute und neun Sekunden.

Mehr Leistung verspricht das SP1 auch beim Kopieren und Extrahieren großer Datenmengen. Hier müssen die Entwickler aber wohl noch etwas arbeiten. So dauerte das Kopieren einer 800 MB großen Datei von einem anderen Computer im Netzwerk mit SP1 eine halbe Minute länger als mit Vista ohne SP1. Und beim Extrahieren eines Zip-Archivs verweigerte Vista SP1 die Arbeit mit einer Fehlermeldung.

"Next Generation FAT File System"

Eine sinnvolle Neuerung von SP1 ist das "Next Generation FAT File System", kurz exFAT genannt. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung des klassischen Dateisystems FAT, deren Größenbeschränkungen nunmehr überwunden werden. So können auch Datenträger mit exFAT formatiert werden, die größer sind als 32 GB. Und die auf exFAT-Platte gespeicherten Dateien dürfen jetzt auch größer als vier GB sein. Der Vorteil von FAT und exFAT gegenüber NTFS, dem neueren Standard-Dateisystem seit Windows 2000, liegt vor allem in der besseren Zusammenarbeit mit anderen Betriebssystemen wie Mac und Linux.

PIN

Nachgebessert hat Microsoft bei der integrierten Backup-Lösung von Windows Vista. Diese sichert jetzt auch Dateien, die mit der Vista-Verschlüsselung EFS vor fremden Einblicken gesichert wurden. Die für ganze Laufwerke gedachte Verschlüsselungstechnik BitLocker kann mit SP1 auch andere Datenträger als das Boot-Laufwerk verschlüsseln – vorausgesetzt der Computer unterstützt TPM (Trusted Platform Module), ist also mit einem Chip für das Speichern dieses speziellen Schlüssels ausgestattet. Zusätzlich kann man unter Vista SP1 den Schüssel auch auf einem USB-Stick speichern und dessen Einsatz mit einer PIN-Abfrage sichern.

IEEE 802.11n

Wer Windows Vista auf dem Notebook nutzt, kann sich damit jetzt auch in drahtlose Netze einklinken, die den neuen Hochgeschwindigkeitsstandard IEEE 802.11n unterstützen. Dieser Standard, der voraussichtlich im Sommer 2008 offiziell eingeführt wird, ermöglicht eine Datenübertragung von 540 Megabit pro Sekunde. Außerdem soll Vista SP1 schonender mit dem Akku des Notebooks umgehen.

Das Service Pack spricht auch kartellrechtliche Bedenken an. So ist Google im Juni beim US-Justizministerium vorstellig geworden und hat sich beschwert, dass die eigene Software für die Suche nach Dateien auf der Festplatte nicht im Betriebssystem integriert werden kann. Nach der Installation von SP1 kann man nun die Windows-Bordmittel mit der "Desktop-Suche" von Google oder dem Programm eines anderen Anbieters ersetzen. Dazu wird über die Menüfolge "Start, Standardprogramme, Dateityp oder Protokoll einem anderen Programm zufügen, Search" die gewünschte Suchsoftware ausgewählt.

Gelegenheit

Bei dieser Änderung hat Microsoft auch gleich die Gelegenheit genutzt, den eigentlich überflüssigen Eintrag "Suche" aus dem Startmenü zu entfernen. Übrig geblieben ist allein das Eingabefeld direkt über dem runden Start-Button mit der Aufforderung "Suche starten". Anhand des zusätzlichen "Suchen"-Eintrags kann man somit schnell überprüfen, ob ein Vista-PC bereits das SP1 installiert hat.

Ansonsten führt das SP1 einige Neuerungen ein, die einem Systemverwalter die Arbeit erleichtern sollen. Repariert wurden Probleme einiger Vista-PCs beim Aufwecken aus dem Ruhemodus. Auch soll Vista künftig besser mit den neuesten Grafikkarten zurechtkommen als bisher.

Service Pack 3

Das Service Pack 1 enthält die Summe aller Nachbesserungen des ersten Jahres mit Windows Vista. Ob dies ausreichen wird, mehr Anwender von diesem Betriebssystem zu überzeugen, bleibt abzuwarten. Das vertraute Windows XP wird von Microsoft weiter gepflegt: Hier ist ebenfalls für die erste Jahreshälfte ein Service Pack 3 angekündigt.(APA/AP)

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