16-Jähriger: "Bleibe untergetaucht, auch sehr, sehr lange"

15. Oktober 2007, 19:21
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Denis Zeqaj (16) will Bleibelösung aussitzen - Am Tag nach der Abschiebung des Vaters die elterliche Wohnung verlassen

Die 15-jährige Arigona Zogaj ist dieser Tage nicht die Einzige, die gegen Innenminister und Fremdenbehörden auftritt und ihren Willen betont, in Österreich zu bleiben: "Nein, ich gehe ganz sicher nicht in den Kosovo zurück. Wenn es für meine Mutter, meinen Bruder und mich keine Möglichkeit gibt, legal in Österreich zu leben, dann bleibe ich eben untergetaucht - und zwar, wenn es sein muss, auch sehr, sehr lange", sagt Denis Zeqaj (16) aus Wieselburg am Telefon zum Standard.

Überstürzte Flucht Denis lebt seit nunmehr zwei Wochen im Untergrund: Am Tag nach der Abschiebung seines Vaters - der in Österreich mehrfach vorbestraft wurde - verließ er die elterliche Wohnung. Das war knapp, bevor er, sein Bruder Haxhi (12) und seine Mutter Safete sich bei der Wieselburger Polizei hätten melden sollen, um ebenfalls in den Kosovo ausgeflogen zu werden.

Als die Mutter vom Kofferkaufen zurückkam, fand sie nur eine Notiz Denis' vor: Sie solle ihn nicht suchen, er bleibe hier. Für Safete Zeqaj der Moment, wo auch sie sich fürs Abtauchen entschied: "Ich kann doch den Großen nicht allein in Österreich lassen!" Seither führen die drei - wie der Standard berichtete - ein Leben auf der Flucht, mit vielen Tiefs und wenigen Hochs.

Die häufigen Unterkunft- und Handywechsel, um vor der Fremdenpolizei gegebenenfalls alle Spuren zu verwischen, kosten die Beteiligten Nerven. "Vergangene Woche fragte Haxhi alle zehn Minuten, wann er endlich wieder in die Schule zurückdürfe. Er war besessen von der Furcht, zu lange zu fehlen, um das Schuljahr abschließen zu können", schildert eine Helferin, die anonym bleiben will.

Beruhigung

Um Haxhi zu beruhigen, habe ihm die Mutter für die Zeit nach dem Wiederauftauchen einen kleinen Hund versprochen: "Jetzt ist er ruhiger." Doch wann - und ob je überhaupt - dieser Tag kommt, ist ungewiss: Eine Lösung ist für die Zeqajs nicht in Sicht - und das erbost die Helferin sehr: "Frau Zeqaj soll wohl aufgrund von Sippenhaft ausgewiesen werden." Immerhin sei der ausgewiesene Ehemann auch wegen Körperverletzung vorbestraft, Körperverletzung an seiner Frau Safete. (bri/DER STANDARD – Printausgabe, 09.10.2007)

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  • "Illegaler" Denis Zeqaj (16). Den Kosovo, in den er zurückgeschickt werden soll, hat er bisher nur einmal für wenige Wochen besucht.
    foto: privat

    "Illegaler" Denis Zeqaj (16). Den Kosovo, in den er zurückgeschickt werden soll, hat er bisher nur einmal für wenige Wochen besucht.

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