So die sicherlich von den nackten Fakten her zutreffende Darstellung dreier Spitzenbeamter des Innenministeriums, die Minister Platter am Sonntag ausrücken ließ, um die "rechtliche Seite darzustellen" (er selbst hatte keine Zeit, musste vermutlich in Tirol in die Frühmesse gehen).
Dass man den Fall auch anders hätte lösen können, nämlich humanitär, und ohne zwei kleine Kinder ohne Mutter in den Kosovo abzuschieben und eine 15-Jährige in den Untergrund zu treiben, ist die eine Sache.
Ein anderer, vermutlich weniger populärer Aspekt ist aber: Leute wie Herr Zogaj sollten eher willkommen sein.
Wirtschaftsflüchtlinge sind, in der Begrifflichkeit von vielen Politikern, Medien und Wählern, Menschen, die aus armen Gebieten zu uns kommen und an unserem Wohlstand teilhaben wollen. Ja, und?
"Wirtschaftsflüchtlinge" sind meistens die mit der größten persönlichen, oft auch unternehmerischen Energie. Es bedarf einiges an Mut, Umsicht, Durchsetzungskraft, die Brücken abzubrechen, vieles zu riskieren, um anderswo eine Existenz aufzubauen. Man braucht Ausdauer, Sparsamkeit und Arbeitswillen, um irgendeinen unangenehmen Job im fremden Land zu übernehmen.
Herr Zogaj arbeitete auf einer Geflügelfarm. Das ist schmutzige, schlecht bezahlte Arbeit, für die der Unternehmer im reichen Oberösterreich unter den "echten Österreichern" vermutlich gar nicht so leicht jemand gefunden hat. Herr Zogaj arbeitete hart, um seinen Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Aber er war ein "Wirtschaftsflüchtling".
"Wirtschaftsflüchtlinge" sind auch die philippinischen, chinesischen und südkoreanischen Krankenschwestern, die den Krone-Lesern im AKH die Leibschüssel drunterschieben. "Wirtschaftsflüchtlinge" waren die Ostblock-Insassen, die bei jeder Gelegenheit zu uns flüchteten.
Die USA sind eine Nation von Wirtschaftsflüchtlingen, von Iren, Schotten, Deutschen, Russen, Polen, usw., die im 19. Jahrhundert aus den tristen Verhältnissen Europas flohen. Im 20. Jahrhundert kamen die Italiener, die Asiaten, die Latinos dazu. Ohne Asiaten keine kleinen Geschäfte, ohne Latinos keine Landarbeiter.
Die türkischen Obst- und Gemüsehändler auf den Märkten Wiens sind "Wirtschaftsflüchtlinge". Attila Dogudan, bzw. seine Familie waren Wirtschaftsflüchtlinge. Die Slowakinnen, ohne die die Pflege unserer Alten unleistbar wäre, sind ebenfalls Wirtschaftsflüchtlinge.
Der Kosovo ist eine trostlose Gegend. Normale Arbeit wird es dort auf Jahre nicht geben. Eine Folge ist eine enorme organisierte Kriminalität, die durch das Clan-Denken der Albaner noch befördert wird. Aber die positive Seite ist eben der enge Familienzusammenhalt.
Selbstverständlich müssen wir - auch - nach unseren Interessen aussuchen, wen wir aufnehmen (meint zu Recht Gusenbauer). Aber wir können eben nicht nur Molekularbiologen brauchen (und die werden von unserem famosen Fremdenrecht auch schikaniert). Familien wie die des Herrn Zogaj sind in zweiter Generation meist schon Mittelschicht - wenn sie bleiben dürfen. So ist das nämlich meist mit den "Wirtschaftsflüchtlingen". (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 9.10.2007)
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Mit derStandard.at/Mobil sind Sie unterwegs immer top-informiert - mit Liveberichten und Postings!Danke RAU für den umsichtigen Kommentar, der eben alle Aspekte der zu uns kommenden Menschen berücksichtigt.
Bei den oberflächlichen Hetzpostern, die diese Umsicht dank Mangel an Information (und Desinteresse, oder Kleinformat-Lektüre) nicht haben und es eben gerade mal für Wörter wie Asylkrimineller oder Systemausnutzer reicht.
Vater und Mutter haben seit November 2003 auf dieser Geflügelfarm gearbeitet und bis vor der Abschiebung Netto, also das bleibt übrigen, über Euro 90.000,- verdient. Ist das schlecht bezahlt?! das sind in Schilling 1.238.427 und zusätzlich Sozialleistungen (Wohnung, Zuschüsse für Strom etc.) vom Staat Österreich als Asylant erhalten. Ist es dieser Familie schlecht gegangen in Österreich? Den meisten Österreicher geht es viel schlechter.
Objektive Darstellung von Einkommen in Österreich kann nur heißen:
Bruttojahreseinkommen in Euro
(also alle 14 Gehälter, plus weitere Prämien etc).
Dies muss selbstverständlich auf 1 Person bezogen sein.
Alles andere, so wie die hier angewandte Aufsummierung, leistet nur einer manipulierenden Darstellung Vorschub.
Woher will Alan L die 90 TEUR als Faktum kennen?
Übrigens sind das pro Person, also durch zwei und anschließend durch vier Jahre dividiert und sodann die geschätzten Steuern und Sozialabgaben wieder dazugerechnet, ein durchschnittliches Jahresbruttoeinkommen von ca 14-15 TEUR, also etwa ein guter Tausender Monatsbruttogehalt. "Den meisten Österreicher geht es schlechter"? Hm. Warum schreibt Alan L das?
-Peter Prischl-
In der Kleinen Zeitung wurde ein Leserbrief von dem Arbeitgeber der Familie veröffentlich wo genau diese Zahlen angegeben wurden. Also keine Spekulation sondern diese Auskünfte stammen direkt vom Geschäftsführer der Putenzuchtfirma. Also 90.000 bar, hier sind die Abzüge schon weggerechnet. Wenn man Ihren Rechnung folgt sind das November 2003 bis August 2007, 45 Monate und ein Jahreseinkommmen bar auf die Hand von 24.000,- also 330.247 Schilling. Familienbeihilfe, Zuschüsse für die Wohnung vom Staat Österreich sind hier aber noch nicht dazugerechnet.
Selten habe ich Hans Rauscher so uneingeschränkt zugestimmt. Ja, der Staat hat die Pflicht sich um eine sinnvolle Zuwanderung zu bemühen und Migrantenströme ein zu dämmen. Dem Einzelnen muss man aber zugestehen, dass er das Beste für sich und seine Familie zu erreichen trachtet. Was würden wohl jene Menschen machen, die sich aus der bequemen Position in Österreich über die bösen Wirtschaftsflüchtlinge mockieren, wenn sie in deren Situation wären?
Wo Rau auch Recht hat ist, dass nur die Engagiertesten sich auf den Weg machen. Dass sie in Österreich dann zur Zwangs-Arbeitslosigkeit verdonnert werden ist eher ein Versäumnis des Staates als der Zuwanderer.
UND Österreichern. das sollte man nie vergessen!
die "flucht" aus wirtschaftlich miserablen verhältnissen in ein land, wo es bessere möglichkeiten gibt, ist verständlich und legitim - und jenen, die so eine strapaze auf sich nehmen, sollte man das eher hoch anrechnen, als sie zu diskriminieren und zu drangsalieren!
herr Rauscher hat - wieder einmal - vollkommen recht!
bis auf die 5000 Menschen die pro Woche (!) illegal allein über die mexikanische Grenze kommen
(Quelle: CNN),
die insgesamt 275.000 pro Jahr illegal Einwandernden
(http://usa.usembassy.de/gesellschaft.htm),
und die 6-10 Mio Menschen aus Lateinamerika, die sich bereits illegal in den USA aufhalten.
(http://mexiko-lexikon.de/mexiko/in... igration).
Sie haben also völlig Recht!
...und jeder, der sich ungerecht behandelt fuehlt, behauptet gerne, es sei unmenschlich.
witzigerweise liegt die wahrheit wahrscheinlich irgendwo zwischen platter und der familie.
mangels klarer richtlinien und effizienter verwaltung werden in diesem fall beide verlieren. das ist jetzt bereits abzusehen.
Im akademischen Umfeld sind Wissenschafter seit 1.1. 2006 von arbeitsrechtlichen Schranken ausgenommen.
Mit 1.1.2008 wird das generell der Fall sein und außerdem den Angehörigen ein Sonderstaatus eingeräumt, der ihnen freien Zugang zum Arbeitsmarkt gewährt. Aufenthaltsgenehmigungen werden im wesentlichen ebenfalls erteilt.
Im Gegensatz zu Hilfsarbeitern, die nicht einmal genug Steuern zahlen um die nötigen Staatsausgaben für die eigene Familie zu begleichen, tragen Molekularbiologen vom Tag 1 positiv zum Österreichischen Sozialsystem bei. Außerdem sind Hendelzüchter als Wirtschaftsfaktor weniger attraktiv als Pharmaunternehmen und letztere brauchen nun mal Molekularbiologen und zwar Heute und nicht erst in einigen Generationen.
der von dem ich weiss, arbeitete für ein doktorrandengehalt obwohl er schon doktor war.
den doktorranden im selben labor wurde mitgeteilt sie wuerden doch wohl nicht erwarten den vollen lohn zu bekommen wo doch der herr dr. für 1/3 weniger pipettiert hat.
=> der slowak. postdoc €980 statt €1450
doktorranden statt netto €980 nur rund €600.
und um €600 kann man in wien nicht wirklich überleben....
Jeder Mensch hat das Recht, soll das Recht und muss das Recht haben dort zu leben, wo er oder sie es will. Das "Wir" des States oder der Nation ist stets eine repressive künstliche Einheit. Ich kann es nur immer wieder wiederholen, wenn jemand in Österreich von "wir" oder "uns" spricht, so wird ein Phantasma angerufen. Teile und Herrsche, war immer das Kalkül der Mächtigen. Die Teilung in StaatsbürgerInnen und Nicht-StaatsbürgerInnen ist die aktuelle Form des Rassismus. Also für eine WeltstaatsbürgerInnenschaft ohne wenn und aber!
Das Problem ist nur, dass man dann ausser diesem von ihnen beschworene "Recht zu leben wo man will" sonst keinerlei Rechte mehr haben wird.
Recht (z.B. Sozialrecht) lässt sich nur unter wohldefinierten Bedingungen definieren (bzw. finanzieren). Kommt jetzt jeder noch so bedauernswerte Arme (und davon gibts Milliarden) nach Ö, dann haben wir nicht einmal mehr ein Recht auf einen Lutscher.
Manche wollen oder können es eben nicht kapieren: schrankenloser Zuzug schafft letztlich Verhältnisse wie in New York und so etwas wollen die meisten Ösis eben nicht und das wissen auch unsere Politiker sehr genau. Deshalb werden sie auch dieser inszinierten Kampagne einiger NGOs auch nicht nachgeben, sonst hat Strache bei der nächsten Wahl die Absolute.
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