Mimose in der Macho-Hose

9. Oktober 2007, 07:00
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Netzstrümpfe versus Frauennetze: Letztere seien laut Helmut A. Gansterer verzichtbar, erstere bebildern seine Ergüsse - Zitrone

Helmut A. Gansterer scheint gekränkt zu sein. Und das seit Jahren. Ganz allgemein über die Entwicklung, dass Frauen sich vermehrt in beruflichen Netzwerken austauschen und speziell darüber, von dieStandard.at im Jahre Schnee - es war 2002 - eine Zitrone verliehen bekommen zu haben. Diese aufgrund seiner Äußerung zum selbigen Thema.

In der aktuellen Ausgabe des Magazins "trend" schreibt er in seiner Kolumne unter dem Titel "Macht und Netzwerk", es gäbe "ernste Gründe von reinen Frauen-Netzwerken in höheren Regionen abzusehen". Als solche führt er lediglich an, sie seien erstens mangels Menge der Auswahl schwieriger zu bauen und zweitens "vom menschlichen Faktor mindestens so bedroht wie Männer-Netze. Wer dies anders sieht, weiß wenig vom Leben".

Können oder müssen wir daraus schließen, dass Herrn Gansterer - neben seiner generellen Netzwerk-Skepsis - Zusammenschlüsse von Frauen gelinde gesagt irritieren? Dass nach Meinung eines sich selbst titulierenden Macho-Journalisten nicht sein darf, was er nicht haben will? Denn der Dürftigkeit seiner Kontras nach scheint es sich ganz simpel um psychologisch motivierte Abwehr zu handeln. Würden ihn weibliche Netzwerke nicht bedrohen, könnten sie ihm egal sein und vor allem müsste er sie nicht als "Unsinn" abtun, wie er dies beim von ihm zitierten Journalistinnenkongress getan und dafür die erwähnte Zitrone kassiert hat.

Tatsächlich handelt es sich bei dieser Bedrohung um kein Hirngespinst. Wären Frauen untereinander solidarischer - was sie leider noch zuwenig sind - liefe das ganze Werkl mit Sicherheit um einiges besser. Vielleicht sieht Helmut Gansterer ja schon bange seine fetten Felle davon schwimmen, die männlichen Privilegien den Bach hinunterrinnen und in ferner Weite nicht mehr das vertraute, über alles geliebte strahlende Maskulinum am Horizont, sondern tragische Düsternis in Form von vielen mächtigen Frauen und - als absolute Horror-Vision: Feministinnen in leitenden Funktionen.

Herr Gansterer, so wenig Sie sich trauen, Ihre wahren Gründe gegen Frauen-Netzwerke auszusprechen, umso mehr wagen wir es, die Verleihung einer weiteren Zitrone an Sie zu argumentieren:
Erstens: Nicht die Vernetzung von Frauen ist verzichtbar, sondern ihr Versuch des suggestiven Anschreibens dagegen. Zweitens stellen Sie eine nicht gerade geschmackvolle assoziative Fantasie unter Beweis, indem Sie ihre Kolumne mit dem Bild eines benetzstrümpften Frauenkörpers unterlegen. Und drittens erhalten Sie die Zitrone, um erneut mit diesem "Orden am Hundehalsband", wie Sie das so schön nennen, renommieren zu können.
(dabu/dieStandard.at, 09.10.2007)

09.10.2007
  • Helmut A. Gansterer glaubt mehr über das Leben zu wissen, auch dann wenn es sich um jenes von Frauen handelt.
    foto: diestandard.at/montage
    Helmut A. Gansterer glaubt mehr über das Leben zu wissen, auch dann wenn es sich um jenes von Frauen handelt.
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