Ursachenforschung nach der "Schlacht von Bern"

Redaktion, 16. Oktober 2007 17:48

Politologe Longchamp: Die Frage lautet nun: Wer ist verantwortlich für Polarisierung?"

Bern - Im Zentrum von Bern waren am Montag zerborstene Fensterscheiben am Bundesplatz die letzten verbliebenen stummen Zeugen der "Schlacht von Bern". Bern wäre ja nicht Hauptstadt der Schweiz, hätten nicht Reinigungstrupps jegliche Überbleibsel bereits beseitigt. Nun wird aber Ursachenforschung betrieben.

"Die rein emotionale Reaktion ist klar, quer durch alle Parteien. Es geht nicht, dass man vor Wahlen mit Gewalt eine Demonstration stört", erklärte dazu der Meinungsforscher Claude Longchamp, Leiter des Forschungsinstituts gfs.bern, Montag früh gegenüber der APA. Allerdings habe sich seit Sonntag abgezeichnet, dass eine Frage immer virulenter wird: "Wer ist eigentlich verantwortlich für die Polarisierung?"

Umfragen: SVP vorne

Prinzipiell sei die Stimmungslage klar zugunsten der SVP (Schweizerische Volkspartei), analysierte Longchamp, "die SVP versucht natürlich, ihre innere Mobilisierung daraufzusetzen, dass sie attackiert worden ist, was ein Fakt ist und es ist nicht auszuschließen, dass das vor den Wahlen noch einmal hilft."

Nach jüngsten Umfragen von gfs.bern könnte die SVP ihr Rekordergebnis von 2003 wieder erreichen. Sie käme auf 26,7 Prozent, nach den jüngsten Ereignissen sogar darüber. An zweiter Stelle stünde demnach die SP mit 22,3 Prozent. Es folgen die CVP (15,4 Prozent) vor der FDP (15 Prozent). Von den Grünen wird der größte Zuwachs erwartet, sie wollen die Zehn-Prozent-Marke überschreiten.

Die SVP bevorzuge derzeit folgenden Diskurs, meinte der Politologe: "Wer ist verantwortlich für die Polizei? Denn das ist klar, das ist die rot-grüne Regierung in der Stadt Bern. Das ist auch der politische Gegner." Die Frage sei nun aber, "ob die Polarisierung nicht auch von der SVP mitverschuldet oder angeschoben worden ist."

So habe sogar der Präsident der Polizeivereinigung die SVP kritisiert und gesagt hat: "Wer Dreck schmeißt, bekommt ihn zurück." Man werde noch ein bisschen hinschauen müssen, wie sich diese Diskussion auf die Wähler auswirken werde.

"Wo Chaoten regieren"

Die "Neue Zürcher Zeitung" sah die Lage freilich klar. "Wo Chaoten regieren", schrieb die NZZ und kritisierte auch SP-Politiker wie Bundespräsidentin und Außenministerin Micheline Calmy-Rey, die der SVP indirekt eine Mitschuld an den Vorfällen gegeben hatte: "Damit wird auf verhängnisvolle Weise insinuiert, die Krawallmacher handelten "politisch". Davon kann keine Rede sein, auch wenn die Radaubrüder gezielt politische Ereignisse zum Vorwand nehmen, um sich auf Kosten der Allgemeinheit auszutoben."

In einem Wahlkampf müsse es erlaubt sein, mit zugespitzten Botschaften zu provozieren. "Es ist dann an den Wählern, mit ihrer Stimme eine Kampagne abzustrafen oder zu belohnen. Dass die Chaoten das Recht auf freie Meinungsäußerung aufs Gröbste beschädigten und das rot-grün regierte Bern dabei ohnmächtig zusah, dürfte der SVP jedenfalls mehr nützen als schaden.

In Bern hätte am Samstag ein friedlicher Umzug von Anhängern der rechtskonservativen SVP stattfinden sollen, der von einigen Dutzend Mitgliedern des linksautonomen "Schwarzen Blocks" verhindert wurde. Sie verwickelten die Polizei in Straßenkämpfe und zerstörten die auf dem Bundesplatz aufgestellte Festeinrichtung.

Die SVP-Kundgebung wurde kurzfristig zum Bärengraben verlegt, wo Blocher und SVP-Präsident Ueli Maurer in improvisierten Reden die Verletzung der Meinungsäußerungsfreiheit anprangerten. Maurer sprach von einem "Skandal, dass Chaoten die größte Schweizer Partei daran hindern können, ihre Meinung frei zu äußern".

Der Berner Polizeidirektor Simon Hügli (FDP) sprach noch am Abend von "einem schwarzen Tag für die Demokratie" und nahm aber zugleich die Polizei in Schutz. Deren Vorbereitungen seien richtig gewesen, die mehreren Hundert Sicherheitskräfte aus drei Kantonen hätten das "Gröbste an Schäden verhindern können".

Nach Angaben der Nachrichtenagentur sda gab es 21 Verletzte, darunter 19 Polizisten, und 42 Festnahmen. Bei den Randalen entstand Sachschaden von mehreren 10.000 Euro. Seitens der SVP wurde auch der Ruf laut, Bern solle auf die im "Stade de Suisse" der Hauptstadt geplanten Spiele im Rahmen der Fußball-Euro 2008 verzichten, wenn die Polizei die Sicherheit nicht gewährleisten könne.(APA)

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Dowanda 2000
11.10.2007 14:56
Claude Longchamp

Vor allem ist er auch Mitglied der Sozialistischen Partei der Schweiz. Das fehlt noch in der Vorstellung des Herrn, der hier laufend zitiert wird.
Und wer beisst schon in die Wadeln der eigenen Genossen?!

nihil_baxter
09.10.2007 09:12
eine ...

... umfragegefällig: bestand dieser "schwarze block" aus polizisten?

nein - grün (brillant);
ja - rot (unnötig).

danke schon mal für ihre teilnahme!

Adam Markus
09.10.2007 01:25

Solange bei jeder HC Strache Veranstaltung in Wien nur rund ein Dutzend gegendemonstranten sind, sollten wir uns ein Beispiel an der Schweiz nehmen. Weg mit dem braunen Pack vonn der Strasse! Jeder Kampf gegen Rassismus und Intoleranz ist akzeptabel und muss geführt werden, mit Menschen die mich (und millionen andere) umbringen wollen will ich nicht verhandeln.

conmigo
09.10.2007 14:19
braune scheiße...

...gehört nicht nach Österreich, da hast du recht.
nur, mit gewalt?

Sachbearbeiterin Spitzer
09.10.2007 08:32

sind's a bissl paranoid?

oachlkas
09.10.2007 08:31

ojeoje, da will sie wer umbringen?

vielleicht der Milchmann?

seien sie ja vorsichtig!

Die Rentnerin von gegenueber hats auf sie abgesehen, weil sie ein juedischer Christ/schwarzafrikanischer Kolonialherr/glaeubiger Atheist/weisser Schwarzer sind!

gehen sie lieber nicht aus dem Haus und klammern sie sich an ihrer Tastatur fest, jemand vom anti-Fa Stern wird sie sicher abholen kommen, er ist schon unterwegs!

widiwutsch
09.10.2007 10:59
Natürlich nicht der Milchmann!

Der ist nur verkabelt und hat einen Empfänger im Zahn, damit man seine Bewegungen verfolgen kann. Die Geheimdienste sind's - aber er wird nichts verraten...

Mr.Inglis
09.10.2007 08:25
Wo Wiederstand zur Pflicht wird

Also:Gibt´s auch LINKE PFLICHTERFÜLLER oder?

Mr.Inglis
09.10.2007 07:46
@Adam Markus

Ist das jetzt ein Aufruf zu Gewalt von links ?
Heisst das Gewalt ist ok wenns gegen rechts geht?
Also reine Selbstverteidigung?
Na und wer will Sie und Millionen andere umbringen und warum.Fakten bitte!
Gewalt ist von KEINER Seite akzeptabel.
Demokratie= Meinungs u Redefreiheit
Anarchie = Ausredensuche f Strassenkrawalle

Michael Kolhaas
 
09.10.2007 14:03
Korrektur

Wie Demokratie praktiziert wird, sehen wir am Beispiel Österreich. Ein primitives, naziverharmlosendes, auflagenstarkes Käseblatt hält das Land eisern im Würgegriff. Und jeder Politiker überlegt es sich, dort in Ungnade zu fallen. der damalige Innenminister Caspar Einem wurde beispielsweise einfach vom Sessel geschossen - ohne jegliche Gegenwehr seiner blaßrosa Genossen.

Über Anatchie scheinen Sie offenbar auch nicht viel zu wissen. Es bedeutet schlicht Herrschaftslosigkeit. Natürlich ein ganz fürchterliches Wort...!

Max Kahlenberg
09.10.2007 00:51
Da könnt´s ihr jetzt schreiben, was ihr wollt`s, aber

gegen die SVP ist die ehemalige FPÖ ein Eunuchenchor. DIE Typen sind die perfekt demokratiesystem-integrierten Faschisten (im Falle von Blocher: 2./3. Generation deutscher Pastor-Sohn ebendort...)-Mit Mega-Kohle, die u.a. auch von der Zielgebiet 1b-Foerderung der EU lebt (um weitere Chemiebetriebe in ganz EU zu unterhalten...), sich aber nichtdestotrotz militant/faschistisch gegenüber der EU verhält. Deren Anhänger stauen sich z.B. jedes Wochenende bei der Autobahnausfahrt Dornbirn-Süd, um sich möglichst "billig" im ach so verhassten EU-Ausland zu bedienen. Degueulasse !!!

Der Citoyen
 
08.10.2007 23:17
Fluch

Das ist der Fluch der bösen Tat
dass sie fortwährend Böses muss gebären .........

Das fällt einem Beobachter der Schwyzer Szene ein. Der ordinäre Rechtspöbler Blocher ist der Ersttäter mit brachialer Verbalgewalt. Es ist traurig, dass sich in der Schwyz offensichtlich nur gewalttätige Vermummte trauen, dagegen zu halten.

DAS ist - siehe den aktuellen Abschiebefall - in Österreich grundlegend anders. Gewaltlos aber klar protestieren Bürgerinnen und Bürger gegen die analoge Politidiotie in Österreich.

Manchmal gibt es auch Grund für positive Österreichreflexionen.

an kog
09.10.2007 10:40

Im Hochalemannischen allgemein und in der Schweiz auf Schweizerdeutsch im speziellen, wird die Schweiz "Schwiiz" genannt und geschrieben.
Schwyz ist der Kanton.

Siehe unter anderem:
http://als.wikipedia.org/wiki/Schweiz

Max Kahlenberg
09.10.2007 00:35
Im Grunde stimme ich in allem zu: Vor allem inhaltlich !!!

Aber "Schwyz" ist max. ein Kanton/Bundesland unter vielen. Schwizer/Schweizer kommt Ihrer Intension wohl wesentlich näher.
;-)

Der Citoyen
 
09.10.2007 10:35
Wenn

Wenn Sie bitte "in der Schwyz" von "im Kanton Schwyz" unterscheiden wollen.

Das tut man in der Schwyz sogar bei der Rundfahrt um den Vierwaldstättersee mit allen Urkantonen.

an kog
09.10.2007 12:29

Sie können gerne darauf beharren, wahrer wird es trotzdem nicht.

Der Citoyen
 
09.10.2007 16:38
Lieb

Lieb, und andere Sorgen haben Sie wohl nicht.

Meine Schwyzer Freunde aus allen Kantonen diesseits des Röschtigrabens sehen und schwätzen das seit Jahren so wie ich, der es von ihnen gelernt hat.

an kog
09.10.2007 19:39

Komisch, ich sehe nie ein Y wenn ich mit meinen Schweizer Freunden rede...

Eine Kreatur
08.10.2007 18:48
diese reaktion war eine gewalttätige aber auch gerechtfertigte antwort ..

die leute werden für ihre vergehen auch bestraft, das sie so vorgegangen sind, ist absolut gerechtfertigt, wer sich die wahnsinnigkeiten der svp usw. zu gemüte führt .. dieser verein ist 1000mal gefährlicher für die demokratie in der schweiz als dieser krawall ..

insertnamehere
 
09.10.2007 10:59
Absolut gerechtfertigt???

Aha?
WODURCH denn bitte absolut gerechtfertigt?

Erfolg?
Übersteigt denn der Nutzen den Schaden? Eher umgekehrt, nicht wahr?

Zumindest gute Absicht zum Erfolg?
War es der erfolgversprechendste Weg? Um die Schweiz vor der SVP zu retten?

Demokratie?
Wars der demokratischste Weg? In einer Demokratie, überhaupt in einer DIREKTEN, wohl eher nicht, oder?

MEINER Meinung nach war das eine komplett sinnlose Aktion, ein taktischer und strategischer Mehrfachschuss durch BEIDE Knie MIT Nachladen zwischendurch.

Und stinknormale DUMMHEIT find ich NICHT "absolut gerechtfertigt" oder gar bewundernswert!

Der Schweizer
09.10.2007 09:59

Sie meinen aber nicht wirklich im Ernst, dass da engagierte mutige Bürger am Werk waren. Das waren die gleichen Schlägertruppen, wie sie an jedem "Globalisierungsgipfel" auftreten, linksautonome Extremisten eben.

Das Problem in der ganzen Diskussion ist doch, dass viele den politischen Gegner in eine Extrem-Recht/Links-Position reden und dann gewalttätige Exzesse von wirklich radikalen Elementen verniedlichen oder sogar unterstützen, ein echtes Armutszeugnis

Hingegen würde ich mir wünschen, dass die politischen Gegner entschlossen und erfolgreich gegen die SVP antreten, aber eben mit politischen Mitteln. Jegliche Form von Gewalt hat in einer politischen Auseinandersetzung nichts verloren.

senfdazugeber
08.10.2007 17:07
03

Derweil wollen laut 20min.ch auch Neonazis an der Demonstration teilnehmen. Diese berufen sich auf Quellen aus einem “Blood and Honour Forum”. «Sollen die Linken nur kommen» und «Das wird amüsant», schreibt ein Neonazi dort. Die SVP distanziert sich von den Neonazis nicht, stattdessen heisst man sie willkommen, nur friedlich sollen sie bleiben.
http://infovs.blogsport.de/

Eine Konfrontation zwischen einer Gruppe von rund 100 Rechtsradikalen mit Links-Autonomen konnte vorläufig verhindert werden. Die Rechtsradikalen wurden von SVP-Sicherheitsleuten und SVP-Nationalräten überredet, nicht in Richtung Münsterplatz zu marschieren.
http://www.20min.ch/news/bern... y/31987802

die extrem rechte und linke sind trotzdem aneinander geraten.

senfdazugeber
08.10.2007 16:59
02

das die ausserparlamentarische linke immer noch kämpferisch ist (nach jahren) liegt wohl daran, dass sich für sie auch nichts geändert hat. sie kämpft ja auch nicht gegen die rechte, sie verteidigte in diesem fall eher dass die rechte durch ihr bern marschierte und verhinderte auch, dass sie von der extrem rechten attackiert werden konnte. klassenkampf statt wahlkampf.

zur svp:
http://www.spiegel.de/politik/a... 81,00.html

i.CH
08.10.2007 16:00
Politologe Longchamp: Die Frage lautet nun: Wer ist verantwortlich für Polarisierung?"

Also, Herr Politologe, ehemaliges Vorstandsmitglied der SP und lustiger Fliegenträger, Longchamp.

An der Polarisierung im Wahlkampf, Herr Politologe, dürfte evtl das seltsame System namens Demokratie Schuld sein. Herr Politologe, natürlich wissen die meisten Schweizer,die Sie ja wohl oder übel jeweils vor den Kameras unseres "unabhängigen" Staatsfernsehens bewundern müssen, dass Ihnen ein Mehrparteiensystem à la DDR viel lieber wäre...
Ist halt schon noch blöde, kommt da eine Partei und spricht mal klartext,Herr Politologe Longchamps.

Ein anderer Ansatz,Herr Politologe Longchaps, wäre die Schuld vielleicht auch mal ein bisschen bei sich selber zu suchen, anstatt immer nur unterschwellig den politischen Gegner anzuschwärzen. so long..

holodoc himself
 
08.10.2007 15:33
"Volksrecht über Völkerrecht"

... zitierte in der ORF Pressestunde H.C. Strache den schweizer Innenminister.

Wenn dieser also das Faustrecht für den Mob fordert, darf er sich nicht wundern, wenn das auch politisch Andersdenkende für sich in Anspruch nehmen!

Solange rechtsradikale Wahlveranstaltungen gestört werden, fühle ich mich in Europa sicher!

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