Telekom Austria kauft österreichische Mobilfunk-Sparte von Tele2

10. Jänner 2008, 17:13
53 Postings

Kaufpreis rund sieben Millionen Euro - Telekom gewinnt 131.000 Kunden dazu - Schwerpunkt will Tele2 jetzt auf Internet setzen

Die Telekom Austria übernimmt die österreichischen Mobilfunk-Kunden von Tele2. Wie der schwedische Tele2-Konzern am Montag vor Börsenbeginn mitteilte, wird er sich in Österreich aus dem Mobilfunkgeschäft zurückziehen und für 65 Mio. schwedische Kronen (7,08 Mio. Euro) seine 131.000 Handy-Kunden an die Telekom Austria abgeben. Die Verträge sind am Freitag unterzeichnet worden.

TA fürchtet keine Kartellbedenken

Die Telekom erwartet wegen der Übernahme der österreichischen Tele2-Handy-Kunden keine Einwände der Wettbewerbsbehörden. Die Übernahme sei in ihrer Größenordnung "überschaubar", sagte Konzern-Sprecherin Elisabeth Mattes. Außerdem übernimmt die Telekom nur die Kunden und die Wertkarten-Marke "Champion". Eine eigene Mobilfunk-Infrastruktur hatte Tele2 nicht.

Das Unternehmen trat zwar mit eigener Vorwahl und unter eigenem Namen auf, hinter den Kulissen aber nur als Wiederverkäufer - als sogenannter MVNO (Mobile Virtual Network Operator) des drittgrößten österreichischen Mobilfunkanbieters One.

A1 statt One

Künftig werden die 131.000 Tele2-Handy-Kunden - zu 95 Prozent Wertkarten-Telefonierer - nun nicht mehr über das One-Netz, sondern über die A1-Sender telefonieren. Sonst soll sich für die Kunden nichts ändern, verspricht die Telekom. Verträge, Wertkartenguthaben und Tarife bleiben unangetastet. Ob die Telekom auch die Marke "Champion" weiter nutzen wird, wollte die Sprecherin nicht kommentieren.

"Die Übernahme ergänzt unsere Kundenbasis, passt zu unserer Strategie des segmentierten Markteintritts und verbessert die Struktur des überfüllten österreichischen Marktes", erklärte Konzernchef Boris Nemsic am Montag in einer Pressemitteilung.

Für Tele2 ist der Verkauf der österreichischen Mobilfunkaktivitäten Teil einer Neuausrichtung des Gesamtkonzerns. Seit Einleitung seines Sanierungsprogramms 2006 hat der schwedische Telekom-Riese bereits Unternehmensteile im Wert von 1,6 Mrd. Euro abgestoßen. Erst am Wochenende hat der Konzern mitgeteilt, dass er sein Italien- und Spanien-Geschäft komplett - also Festnetz und Mobilfunk - für rund 7,1 Mrd. schwedische Kronen (773 Mio. Euro) an den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone verkauft.

Spekulationen

In den vergangenen Monaten war in der Branche schon spekuliert worden, dass Tele2 auch seine österreichische Tochter komplett abstoßen könnte. Das ist aus Sicht der Wiener Niederlassung jetzt vom Tisch. Dass man sich anders als in Spanien und Italien dazu entschieden habe, nur den Mobilfunk zu veräußern, belege, dass der Konzern an das Potenzial im österreichischen Festnetz und Breitband-Internet glaube, sagte Österreich-Sprecher Jörg Wollmann zur APA.

Zusatzbudget

Ihm zufolge bleiben nicht nur 7 Mio. Euro Kauferlös in der österreichischen Bilanz. Das Unternehmen erhalte aus Schweden auch ein Zusatzbudget, um das Breitbandnetz weiter auszubauen. Über 212 entbündelte Wählämter kann Tele2 derzeit etwa 62 Prozent der österreichischen Haushalte Telefon und Breitband anbieten. Bis Jahresende sollen 243 Wählämter entbündelt sein, das entspricht einer Abdeckung von 65 Prozent. Bis 2008/2009 wolle man dann 80 Prozent erreichen, so Wollmann.

Breitband

Dass das Breitbandinternet im Festnetz durch die Konkurrenz aus dem Mobilfunk zunehmend an Bedeutung verlieren werde, fürchtet man bei Tele2 nicht. ADSL sei immer noch schneller, günstiger und stabiler als UMTS, sagte der Sprecher. Damit die Kunden aber auch unterwegs einen Internetzugang haben, wird das Unternehmen voraussichtlich eine Kooperation mit einem der verbliebenen vier Mobilfunker eingehen. Welcher es sein wird, ist noch unklar. Der Partner soll dann Zusatzangebote anbieten. Tele2 hat damit aber nichts mehr zu tun.

Tele2 selbst will neben Breitband vor allem die Geschäftskunden-Basis weiter ausbauen. Zuletzt kam der größte heimische Festnetzbetreiber nach der Telekom Austria auf rund 50.000 Unternehmenskunden. (APA)

  • Artikelbild
Share if you care.