der schönste Tag der Woche: Sekundärrohstoffverwertung

12. Oktober 2007, 13:23
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Liebe Tuttendörflerinnen und Tuttendörfler! Es gilt, ein Missverständnis aufzuklären

Die in meiner vorletzten Kolumne gemachte Bemerkung, dass ich weder dem 1400 Lichtjahre entfernten Planeten TrES-4, noch dem nicht ganz so weit entfernten Tuttendörfl jemals einen Besuch abstatten werde, ist keineswegs pejorativ zu verstehen. Insofern freut es mich natürlich, wenn mich eine Leserin nach Tuttendörfl einlädt, um mir sämtliche Schönheiten dieses Ortes zu zeigen.

Trotzdem ändert dieses verlockende Angebot nichts an meinem Entschluss, denn ich muss ja nicht überall hin, wo es schön ist. Womit wir nun doch wieder auf dem Planeten TrES-4 gelandet wären, dessen Oberfläche ich in o. e. Kolumne als "flauschig" bezeichnet habe. Ein Leser schreibt nun, dass das völliger Blödsinn wäre und ich von der Materie offensichtlich keine Ahnung hätte.

Junger Mann, das Adjektiv "flauschig" stammt nicht von mir, sondern von Georgi Mandushev, einem der Entdecker dieses Planeten vom Lowell-Observatorium in Arizona. Aber wenn Sie es besser wissen, dann schreiben Sie bitte einen Brief an Dr. Mandushev, der unter folgender Anschrift zu erreichen ist: Lowell Observatory, 1400 W Mars Hill Rd, Flagstaff, AZ 86001, USA. Halten Sie uns aber auf dem Laufenden. Wofür die Abkürzung TrES-4 steht, weiß ich übrigens sehr wohl, aber wissen Sie eigentlich, was TdA bedeutet? Wenn nicht, dann sage ich es Ihnen: TdA ist die Abkürzung für "Tag der Aktivisten", der bis 1989 am 13. Oktober in der DDR gefeiert wurde. An diesem Tag wurde jenen Werktätigen, die bei der Erfüllung der Pläne außerordentliche Leistungen im Wettbewerb vollbrachten, der Titel "Aktivist der sozialistischen Arbeit" verliehen.

Der Tag sollte an den "verdienten Bergmann" Adolf Hennecke erinnern, der am 13. Oktober 1948 als Häuer 24,4 Kubikmeter Steinkohle, das waren 387 Prozent seiner Tagesnorm, förderte und damit zum "ewigen Vorbild einer neuen Einstellung zur Arbeit" wurde. Na ja, das mit dem "ewig" hat sich zwischenzeitlich ein bisschen relativiert, aber immerhin hat die Vorbildwirkung 40 Jahre lang gehalten.

Überhaupt war die DDR ein Land der sonderbaren Abkürzungen: Die Rettung hieß beispielsweise SMH (Schnelle Medizinische Hilfe); die AIST war die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung und Entwicklung des internationalen Straßenverkehrs in der DDR und der KAD war der Kartoffelkäfer-Abwehrdienst.

Meine absolute Lieblingsabkürzung war aber SERO, was so viel heißt wie Sekundärrohstoffverwertung und vergleichbar ist mit unserem Recycling. In den sogenannten SERO-Läden konnte man Altpapier, Glasbehälter, Blechdosen, Batterien und Plastik abgeben und bekam dafür sogar ein paar Pfennige. Und wenn die DDR-Führung wieder einmal der Meinung war, dass die Leute zu wenig Altstoffe sammelten, schickte sie die Jungpioniere aus, die dann – ähnlich wie die Heiligen Drei Könige – an die Türen der Leute klopften und sangen: "Haben Sie nicht noch Altpapier,/liebe Oma, lieber Opa,/ klingelingeling, ein Pionier,/klingelingeling, steht hier, ein Roter,/ haben Sie nicht noch Altpapier,/ Flaschen, Gläser oder Schrott,/ klingelingeling, schnell geben Sie’s mir,/sonst holt sich’s die FDJ." Ich finde, dass man alleine schon wegen dieses Liedes den Anschluss der DDR an die BRD hätte überdenken sollen. (Kurt Palm, ALBUM/DER STANDARD/Printausgabe, 13.10/14.10.2007)

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    foto: michaela mandl
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    illustratrion: derstandard.at
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