Tirol: Verbund gibt es billiger

20. April 2008, 17:54
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Austrian Hydro Power schloss das neue Wasserkrafthaus Gerlos II im Zillertal zwar mit vier Monaten Verspätung ans Stromnetz an, konnte aber eine Unterschreitung der Baukosten vermelden

Rohrberg/Innsbruck - Doppelten Grund zum Feiern hat die Verbund-Tochter Austrian Hydro Power (AHP). Das Kraftwerk Gerlos II in der Zillertaler Gemeinde Rohrberg ging offiziell ans Netz, bejubelt wurde aber auch der rare Fall einer Baukostenunterschreitung. Denn statt 70 Mio. Euro ist man mit 50 Mio. ausgekommen. "Wir haben damit noch eine Zeit erwischt, in der die Unternehmen noch nicht ausgelastet waren" - und entsprechend billig angeboten haben, erklärt AHP-Vorstandsdirektor, Michael Amerer. "Wenn wir das gleiche Projekt heute ausschrieben, wären die 70 Millionen wahrscheinlich nicht haltbar."

Die ausführenden Firmen für Gerlos II kamen bei EU-weiter Ausschreibung ausschließlich aus Österreich (u. a. VA Tech Hydro, VA Tech Elin, ABB)

Eigentlich hätte das Werk schon im Frühjahr ans Netz gehen sollen. Für den Ersatz eines schadhaft gelieferten großen Gussteils suchte man weltweit nach einem Hersteller und war schließlich froh, nur vier Monate Verzögerung hinnehmen zu müssen.

Optimierung vor Neubau

Die AHP wolle der Optimierung bestehender Anlagen den Vorzug vor Neubauten geben, betont AHP-Vorstandsvorsitzender Herbert Schröflbauer. Mit dem neuen Krafthaus, das neben dem 1948 ans Netz gegangenen Kraftwerk Gerlos I errichtet worden ist, wird "wertvollerer" Strom erzeugt. Aufgrund der Konfiguration der Speicherseen konnte Gerlos I mit rund 4500 Betriebsstunden im Jahr faktisch nur wie ein Laufkraftwerk betrieben werden. Mit der Verdreifachung der Leistung von 65 auf 200 MW wird sich die Zahl der Betriebsstunden auf etwa 1500 reduzieren. "Jetzt können wir Spitzen- und Regelstrom erzeugen, der einen dreifach höheren Preis als Bandstrom erzielt", erklärt Schröflbauer. Die erzeugte Strommenge von 320 GWh entspricht der Versorgung von 90.000 Haushalten.

Nicht gegen die Bevölkerung

Für Gerlos II hat das Innsbrucker Architekturbüro Giner & Wucherer einen nüchternen Kubus errichtet.

Schröflbauer bestätigt das Interesse der AHP, auch noch den Märzenbach in das Kraftwerk Gerlos einzubinden, womit weitere 50 GWh Strom erzeugt werden könnten. "Wir bauen aber nicht gegen die Bevölkerung", stellt Schröflbauer in Anspielung auf eine sich konstituierende Bürgerinitiative klar. Insgesamt investiert die AHP bis 2013 rund eine Millarde Euro in ihre Kraftwerksanlagen. (Hannes Schlosser, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.10.2007)

  • Ein Kubus als Krafthaus im Zillertal: Gerlos II bringt dem Verbund im Vergleich mit dem alten Kraftwerk wertvolleren Strom.
    foto: standard/schlosser

    Ein Kubus als Krafthaus im Zillertal: Gerlos II bringt dem Verbund im Vergleich mit dem alten Kraftwerk wertvolleren Strom.

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