Göttlich essen

8. Oktober 2007, 17:00
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Die Religion hatte schon immer Einfluss auf die Ernährung des Menschen. Es gibt reine und unreine Nahrungsmittel, Rituale und Speisegesetze

Überall auf der Welt gibt es bestimmte Rituale rund um die Ernährung. Und immer spielt der Glaube dabei eine große Rolle. Eine der extremsten Formen stellt wohl der Kannibalismus dar. Hierbei geht es in erster Linie darum, die Kräfte getöteter Feinde durch den Verzehr ihrer Körperteile zu erlangen.

Ein anderes Ziel des Kannibalismus ist der Erhalt der Seele vestorbener Familienmitglieder. Dafür werden Gehirn und Herz gegessen oder die Asche der Verstorbenen wird mit anderen Speisen vermengt und so verzehrt. Vor allem die Ureinwohner Fidschis, die Kariben, die Azteken und einige Stämme in Papua-Neuginea sowie die Yanomami im Amazonas kannten und kennen derartige Rituale.

Abrahamitische Religionen

Die Abarahamitischen Religionen haben ihre gemeinsame Wurzel in der Hebräischen Bibel, der Tora oder dem Pentateuch und beziehen sich auf den dort überlieferten Bund zwischen Gott und Abraham. So unterschiedlich die drei großen monotheistischen Religionen heute sein mögen, haben sie doch gemeinsame Ursprünge und damit auch ähnliche Speisegesetze.

Im Christentum wurden das Essen von Fleisch und das Trinken von Alkohol bis ins 4. Jahrhundert abgelehnt. Die Bibel gibt keine eindeutigen Hinweise darauf, wie sich der Mensch ernähren soll. Gott lehnt zwar das Brandopfer ab (Hosea 6,6) und erklärt ausdrücklich, Pflanzen und Früchte sollen der Ernährung dienen (Genesis 1,29), zu Noah sagt er aber:“ Alles Lebendige soll euch zur Nahrung dienen; ... Nur Fleisch, in dem noch Blut ist, dürft ihr nicht essen.“ (Genesis 9,3). Jesus sagt im Neuen Testament folgendes:“ Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein“ (Matt. 15,11). Das Christentum überlässt es also jedem Gläubigen selber, ob er sich vegetarisch ernähren möchte oder nicht.

Im Judentum gibt es strenge Speisegesetze. Die Kashrut – das sind die jüdischen Speisegesetze – definieren sehr genau, welche Speisen rein sind und welche unrein. Die Torah definiert koschere Tiere als Vierbeiner, die ihre Nahrung wiederkäuen und gespaltene Hufe haben – Schweine sind also unreine Tiere. Geflügel ist ebenfalls koscher, wobei die Ernährungstraditionen je nach Region auch unterschiedlich sein können. Das Essen von Blut ist verboten, das Töten der Tiere übernimmt ein Shohet, ein Schlachter. Im Judentum ist das Schächten die einzige Methode, koscheres Fleisch zu gewinnen. Weiters ist es verboten, Fleisch und Milch gleichzeitig zu verzehren. Es gilt, nach dem Genuss von Fleisch, eine Wartezeit von sechs Stunden einzuhalten – umkehrt beträgt die Wartezeit nur eine Stunde.

Der Islam kennt kein grundsätzliches Verbot, Fleisch zu verzehren. Einzig Schweinefleisch gilt als unrein, ebenso Fleisch von Tieren, die falsch getötet wurden. Beim Schächten, der einzig erlaubten Methode Tiere, die für den Verzehr bestimmt sind, zu töten, werden Speiseröhre, Luftröhre und Halsschlagader des Tieres gleichzeitig durchtrennt. Dabei wird der Name Allahs mit Blick nach Mekka ausgesprochen. Der Koran gibt genaue Anweisungen darüber, was "halal" – also erlaubt – und was „haram“ – also verboten – ist. halal beinhaltet zudem alles, was zum Leben ausreicht, während haram überflüssig ist.

Vegetarische Ernährung

Die älteste Lehre, die sich mit der rein vegetarischen Ernährung auseinandersetzt, ist die Mazdaznan-Lehre, die ihren Ursprung in den Lehren des Zarathustra hat. Seiner Überzeugung nach macht der Genuss von Fleisch den Körper krank und hemmt den geistigen Fortschritt. Der Mensch gehört dem Tierreich an und kann keine höheren Kräfte erlangen, im dem er Mitgeschöpfe tötet und verzehrt.

Hinduismus, Jainismus, Buddhismus

Im Hinduismus besitzen Tiere einen besonders hohen Stellenwert. Ahimsa ist ein zentrales Gebot dieser Glaubensrichtung und bedeutet Gewaltlosigkeit, die nicht nur den Menschen sondern alle Lebewesen mit einschließt. Hindus glauben darüber hinaus, dass jedes Handeln Auswirkungen auf das Karma hat und dass das Verletzen oder Töten von Tieren sowie das Zufügen von Schmerzen an Tieren ein schlechtes Karma zur Folge hat.

Der Jainismus ähnelt dem Hinduismus und dem Buddhismus im Bereich der Ernährung, verfolgt aber die bei weitem strikteste Form des Vegetarismus. Man betrachtet diese Ernährungsform als eine Art des Zusammenlebens mit anderen Lebewesen. Dass das Essen von Pflanzen denselben schadet, wird als Notwendigkeit akzeptiert. Aber auch bei der vegetarischen Ernährung wird versucht, den „Schaden“ auf ein Minimum zu reduzieren.

Der Buddhismus kennt an und für sich keine Speisegesetze. Gewisse Regeln, wie etwa das Alkoholverbot, gelten für Mönche und Nonnen, der Verzehr von Fleisch wird nicht ausdrücklich verboten. Trotzdem verzichtet die buddhistische Küche zum Großteil auf Fleisch, da die vegetarische Ernährung der Grundeinstellung des Nichtschädigens und der Güte entspricht.

In Regionen, in denen die klimatischen Bedingungen eine rein pflanzliche Ernährung unmöglich machen – etwa im tibetischen Hochland – ist der Genuss tierischer Nahrung sogar vorgeschrieben. Die buddhistischen Köche sind ausgesprochen kreativ in der Imitation von Fleischgerichten. Vor allem der Tofu wird in der buddhistischen Küche vielfältig verwendet, die richtige Würzung sorgt dafür, dass eine große Zahl an Fleischsorten ziemlich genau nachgeahmt werden kann. Der Buddhismus ist heute in Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam, Korea Japan, Taiwan, Singapur, der Monoglei, Sibirien und China weit verbreitet. (red)

>>> Zu Artikel und Gewinnspiel: Genießer unterwegs: China.

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    Schweinefleisch gilt im Judentum und im Islam als unrein. Christen haben mit dem Borstentier keine Berührungsängste.

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