der schönste Tag der Woche: "Ferngas-Marsch"

7. Oktober 2007, 14:01
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Wenn Pühringer und Gusenbauer Ferngaswerken und Alkohol-produzierenden Betrieben gratulieren müssen, bleibt für den Fall Zogaj wenig Zeit

Die Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck, die für die Abschiebung der Familie Zogaj aus Frankenburg in den Kosovo verantwortlich ist, betreibt eine Homepage, auf der in der Rubrik "BH von A bis Z" 110 Stichworte aufgelistet werden. Was fehlt, ist das Stichwort "Abschiebung", das eigentlich nach "Abfallbeseitigung" kommen müsste, was auch der Logik des Gesetzgebers entsprechen würde. Schließlich heißt es im "Leitbild" der BH auch: "Wir haben gesetzliche Aufgaben zu vollziehen und sind in diesen Fällen an die rechtlichen Normen gebunden. (...) Unseren Kunden gegenüber sind wir entgegenkommend, freundlich, hilfsbereit, korrekt und unparteiisch und betrachten diese als gleichwertige Partner." Außer, sie sind Flüchtlinge, sollte man hinzufügen.

Überhaupt ist die BH Vöcklabruck dafür bekannt, dass sie es mit dem Gesetz genau nimmt. Ich erinnere mich, dass ich als Redakteur der Schülerzeitung PLOP von der BH Vöcklabruck angezeigt wurde, weil wir ein Belegexemplar unserer Zeitung um eine Stunde zu spät abgeliefert hatten. Das Bezirksgericht Wels war aber gnädig und verurteilte mich nur zu einer bedingten Strafe, wobei es in der Begründung hieß: "Wenn Sie durch rechtschaffenes und pflichttreues Verhalten in der auf drei Jahre festgesetzten Probezeit den Beweis erbringen, daß sich das Gericht in Ihnen nicht getäuscht hat, wird von der Verhängung einer Strafe endgültig abgesehen."

Aber kehren wir zurück in die Gegenwart. Zum Fall Zogaj hat Landeshauptmann Pühringer gemeint, dass er "betroffen" sei, aber erst den Akt studieren müsse. So was kann dauern, vor allem, wenn man so wichtige Termine wahrzunehmen hat wie die Gala zum 50. Geburtstag der oberösterreichischen Ferngas AG. Im Zuge dieser Feierlichkeiten im Stift St. Florian wurde von der Militärmusik nicht nur der von Oberst Bauer komponierte "Ferngas-Marsch" uraufgeführt, sondern auch - und das ist kein Witz - das oberösterreichische Ferngas gesegnet, vom Probst des Chorherrenstiftes Johannes Holzinger höchstpersönlich. Das erinnert an die skurrilen Autosegnungen von früher, wo die Leute ins Auto stiegen und mit 100 km/h gegen den Baum krachten, weil sie dachten, es könne ihnen nichts mehr passieren.

Aber nicht nur der Landeshauptmann hat einen vollen Terminkalender, auch den Bundeskanzler reißt es herum. Kaum hatte er in Wels dem Reisebürounternehmer Gausch "für dessen Verdienste in der Wirtschaft" den Titel Kommerzialrat verliehen, musste er schon weiter nach Attnang-Puchheim, um dem Fruchtsaft-, Spirituosen- und Likörproduzenten Spitz zu dessen 150. Geburtstag zu gratulieren (der Firma, nicht dem Herrn Spitz). Kein Wunder, dass Gusenbauer angesichts dieser Leistungen aus Anlass des ersten Jahrestags der NR-Wahl kampflustig bilanzierte: "Niemand traute mir den Kanzler zu." Die Frage ist nur: Ist das heute anders?

Bei all dem wollen wir nicht vergessen, dass am 5. Oktober Hermes Phettberg seinen 55. Geburtstag feierte. Vielleicht stattet der Niederösterreicher Gusenbauer seinem Landsmann einen Überraschungsbesuch ab und bringt ihm statt eines Eierlikörs einen Eier-Weinbrand von Spitz mit: "Ein Partyklassiker mit Kultcharakter." (Kurt Palm, ALBUM/DER STANDARD/Printausgabe, 6./7.10.2007)

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    foto: michaela mandl
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