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Betreten darf man ihn nicht, den Bass Rock, aber vom Hafen in North Berwick aus wird er täglich umrundet. Im Vordergrund der Glen Golfe Course - einer von 19 Golfplätzen in East Lothian.
Wirklich außergewöhnlich ist jedenfalls der Stadtrand Edinburghs, genauer East Lothian, mit kantigen Cliffs, "rollenden Hügeln" (bei uns eher liebliche Hügellandschaft genannt) und natürlich - im Geburtsland dieses Edelsportes - der eine oder andere Golfplatz.
Bloß eine halbe Stunde mit der kleinen Lokalbahn braucht man von dieser quirligen Stadt, vollgestopft mit Studenten und witzigen Geschäften, originellen Bars und geschichtsträchtigen Pubs, nach North Berwick ("Berrick" gerufen) an der Küste. Mit Hafen, Promenade und einem Vogelfelsen, auf dem sich hunderttausende Tölpel doch recht geschickt tummeln und vermehren. In weißen Wolken wabern sie über dem Bass Rock hin und her, einem bullig aus dem Meer ragenden einsamen Felsen und zugleich eine der berühmtesten Vogelbrutinseln der Welt. Vom Seabird-Center aus kann man ihnen in die Nester schauen, Videokameras machen's möglich. Papageientaucher landen putzig an der Küste von East Lothian, Robben wälzen sich auf Felsen und dazwischen liegt so manch verschlagener Golfball zwischen den uralten "Steinen": Die sind in Wirklichkeit Fossilien - ihre Sammler kommen somit am Firth of Forth genauso auf ihre Kosten wie die Golfer.
Gar mancher von ihnen behauptet aber, die 19 Golfplätze in East Lothian wären nicht nur schöner, sondern auch traditionsreicher als der Ort, an dem angeblich Golf erfunden wurde: in St. Andrews nördlich von Edinburgh, wo man schon um 1400 Golf spielte, was dann allerdings verboten wurde, um die jungen Männer nicht von ihren Bogenschießübungen abzulenken.
Wo man rollen ließ
Jedenfalls nimmt Musselburgh Links für sich in Anspruch, den ältesten regelmäßig bespielten Golfplatz zu besitzen, wo auch Mary, die danach bald kopflose Königin von Schottland, 1567 die Kugel rollen ließ. Und so begegnet man hier ständig lebendiger Geschichte, im Tantallon Castle etwa, das von Oliver Cromwell zerstört wurde und heute auf Schautafeln von seinen 300 Jahren trutzigen Widerstandes erzählt. Oder im Lennoxlove House, wo ebenfalls Golfgeschichte geschrieben wurde, bloß weil Maria Stuart hier ihre Ferien am Green verbrachte.
Wer sich in East Lothian einquartiert, am besten in einem einfachen Bed & Breakfast, hat in jedem Fall einiges auf dem Programm. Man kann nämlich auch noch dem John-Muir-Pfad der Küste entlang folgen, benannt nach einem der ersten Umweltschützer überhaupt, der 1838 in Dunbar geboren wurde. Oder man wandert ganz einfach durch die Hügel auf dem Hillfoots Trail, entdeckt kleine Ortschaften und wird immer wieder mit einem Ausblick über die "rollenden Hügel" belohnt.
Der Saltire Trail wiederum führt auf historischer Route über Haddington nach Athelstaneford, wo die schottische Flagge "Saltire" ihren Ursprung genommen haben soll, als man dort bei einer Schlacht im 9. Jahrhundert ein weißes Kreuz am Himmel sah, das Mut machte und zum Sieg gegen die Angelsachsen führte. Diese Schlacht wird in einem uralten gemauerten Taubenschlag mit Wandprojektionen nacherzählt, immerhin eine nette Ablenkung bis man dann nach etwa 40 Kilometern Dunbar erreicht hat.
Was an all dem so geheimnisvoll ist? Für die Schotten nichts, sie strömen im Juli und August nach East Lothian wie wir ins Salzkammergut oder an den Wörthersee, denn die Lage ist ideal: fast ein Vorort von Edinburgh und doch mitten am Land, frische Luft und herbe bis liebliche Landschaft, interessante Museen und Parks - das sollte man nicht den Schotten alleine überlassen. Aber keine Angst, im Herbst wird man hier ohnehin eine ruhig Kugel schieben. (Elisabeth Hewson/ Der Standard/ Printausgabe/ 6./7.10.2007)
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