Neue "olympische Disziplin"

8. Oktober 2007, 11:17
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Eine Niederländerin ist zu Fuß auf dem Weg nach Tibet, um auf die Menschenrechtslage in China aufmerksam zu machen

Wien - Im Gegensatz zu dem unwirtlichen Wetter, das herrschte, als die Niederländerin Britt Das den Standard besuchte, war ihre Stimmung äußerst sonnig. Denn die blonde Mittdreißigerin ist frohgemut in selbstbestimmter Mission unterwegs: zu Fuß nach Tibet.

Am 8. August brach sie in Amsterdam auf, um 365 Tage und 10.000 Kilometer durch 18 Staaten später, ebenfalls am 8. August, in Lhasa anzukommen. "Footprints for Freedom" heißt ihre Aktion, die sie mit der Hilfe von Sponsoren und Freunden begonnen hat. Das Datum ist nicht zufällig gewählt, es ist der Eröffnungstag der Olympischen Spiele in Peking.

Für den Weltfrieden

Das will mit ihrem Fußmarsch auf die prekäre Menschenrechtssituation in China hinweisen. Es gehe ihr darum, "auf Menschenrechte, den Weltfrieden, persönliche Freiheit und gegenseitigen Respekt aufmerksam zu machen; alles Eigenschaften, die für Tibet stehen". Weder dessen (Exil-)Bewohner noch deren Oberhaupt, der Dalai-Lama, können diese Freiheit in ihrem Land leben. Tibet wurde 1950 von China annektiert. Seitdem lebt der Dalai-Lama in Indien im Exil.

Zurzeit ist die Aktivistin in der Slowakei unterwegs, am 60. Tag wanderte sie die Donau entlang Richtung Rumänien. Fußspuren, "footprints", hinterlässt Britt Das im Internet in Form eines Tagebuchs. Ihre genaue Position ist auf einer Google-Earth-Karte auf ihrer Homepage zu finden.

Bis 35 Kilometer täglich

Britt Das wird von einem Jeep begleitet, der Essen und Kleidung mitführt. Um Visa und um Geld kümmern sich die Sponsoren. Alles überschüssige Geld geht an eine indische Stiftung für Exil-Tibeter. Täglich wandert die Sportbekleidungsdesignerin 35 bis 45 Kilometer, einen Tag pro Woche ruht sie.

"Es ist die friedliche Art, um Aufmerksamkeit zu bitten. Ich will in Europa ein Exempel statuieren, dass man auch als Einzelner etwas erreichen kann." Die Menschen, die von ihrer Wanderung erfahren, reagieren positiv überrascht. Tibeter nehmen die Friedenswanderung zum Anlass, mit ihren Verwandten Kontakt aufzunehmen. "Grüß mir bitte meine Mutter", habe einer Britt Das gebeten. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe, 6./7.10.2007)

  • Britt Das war schon vor einem Jahr beim Mount Everest und beschloss, nun zu Fuß wieder hinzuwandern
    foto: das

    Britt Das war schon vor einem Jahr beim Mount Everest und beschloss, nun zu Fuß wieder hinzuwandern

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