Smoothie-Kampf um Kühlregal

7. Jänner 2008, 11:11
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Die Getränkebranche hofft mit Smoothies den stagnierenden Markt zu beleben. Nach Chiquita und Pago steigt Rauch in das Geschäft ein. Auch ein Ex-Red Bull-Manager mischt mit

Wien – "Ich will öfters wieder schlecht schlafen und darüber nachdenken, ob wir mit unseren Produkten eine Listung bekommen." Franz Bruckner hat im September seinen Job bei Red Bull aufgegeben. Der 36-Jährige arbeitete zehn Jahre für den Getränkeriesen, seit 2004 leitete er Red Bull in Nordeuropa. Ein Geschäft mit 700 Beschäftigten und 700 Mio. Euro Umsatz.

Bruckner bleibt in der Getränkebranche, künftig aber unter britischer Flagge. Der Weinviertler sattelt auf Obstsäfte um – konkret Smoothies. Die Früchte werden dafür nicht gepresst, sondern als ganzes püriert. Die Drinks verzichten auf Farb- wie Konservierungsstoffe und sind in den Kühlregalen der US-Handelsketten gang und gäbe.

Ausgehend von England schwappen die dickflüssigen Snacks jetzt auch über Deutschland nach Österreich. Und Bruckner versucht hier mit der britischen Firma Innocent den Einstieg. Innocent, 1998 von drei Studenten gegründet, setzt heuer mit Smoothies nach Eigenangaben 200 Mio. Euro um. Die Firmenhistorie berichtet, dass die drei den Fruchtmix auf einem Musikfestival verkauften. Davor zwei Mülleimer und ein Schild mit der Frage: "Sollten wir unsere Jobs aufgeben, um Smoothies herzustellen?" Der Kübel mit der Aufschrift "Ja" füllte sich rasch mit leeren Flaschen. Mittlerweile ist Innocent Marktführer in England und expandiert europaweit.

Starke Konkurrenz

Leicht wird der Start in Österreich für Bruckner dennoch nicht. Denn längst haben große Konzerne auch hier das Geschäft für sich entdeckt. Zusätzlich drängen kleine deutsche Betriebe wie True Fruits und Grand Choice herein.

"Smoothies sind das letzte Segment am Fruchtsaftmarkt, das großes Potenzial hat", sagt Daniel Wüstner, Verkaufschef von Rauch, "es war klar, dass das nach Österreich kommt." Rauch ist mit den Fruchtpürees im österreichischen Handel ab Montag flächendeckend vertreten.

Wenige Wochen voraus ist den Vorarlbergern der Mitbewerber Pago. Auch Chiquita mischt mit. Unilever will sein "Knorr Vie" mit Smoothies nicht verwechselt wissen, spricht aber ähnliche Klientel an. "Wir haben heuer im ersten Halbjahr 4,5 Mio. Fläschchen verkauft", sagt Unilever-Österreich-Chef Ernst Klicka, "das übertrifft unsere Erwartungen."

Innocent-Manager Bruckner schätzt den europäischen Markt für Smoothies auf derzeit 300 Mio. Euro. In Österreich will er mit Innocent über Cafes, Caterer und Tankstellen mittelfristig den Einstieg in den Handel schaffen. Die Briten nehmen nur wenig Geld fürs Marketing in die Hand. Man verlasse sich auf Mundpropaganda. Für die Erzeugung der Säfte sorgen fünf Abfüller rund um Rotterdam.

Ernährungsexperten sehen die Smoothies nüchterner. Sie wären kein vollwertiger Ersatz für frisches Obst und Gemüse und aufgrund des hohen Energiegehalts kein Durstlöscher. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.10.2007)

  • Ex-Red-Bull-Manager Franz Bruckner verkauft jetzt püriertes Obst.
    foto: privat

    Ex-Red-Bull-Manager Franz Bruckner verkauft jetzt püriertes Obst.

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