Schwechater Jubiläumsbier

5. Oktober 2007, 16:18
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Brauerei: Brau Union - Brauerei Schwechat
Braumeister: Martin Pozsgay
Typ: Schwarzbier (unfiltriert)
Alkohol: 5,4 % ABV

In der Vorwoche, als die Schwechater Brauerei ihren 375. Geburtstag feierte, gab es natürlich auch ein speziell für diesen Anlass eingebrautes Bier zu kosten. Oder was Brauereien in solchen Fällen eben als Spezialität des Tages anbieten. Kennern der Schwechater Brauerei wird das Jubiläumsbier unter anderem Namen vertraut vorkommen. Es war Mitte der neunziger Jahre, als die BrauUnion entdeckte, dass erstens der Markenname Dreher internternational hohes Ansehen genießt, wenn es um Bier geht - dass aber ausgerechnet die Schwechater Brauerei, wo Anton Drehers Erfolg im 19. Jahrhundert begonnen hatte, mit dem Namen Dreher kaum verbunen wird. Zweitens war damals erkennbar, dass die Köstritzer Brauerei in Thüringen den Schwarzbierstil, der in der DDR ein Nischendasein geführt hatte, bundesweit und später international groß herausbringen würde.

Also kam man auf die ausgesprochen gute Idee, ein österreichisches Schwarzbier zu kreieren - trocken und mit deutlichen Kakaoaromen von den dunklen, gerösteten Malzen und vom Münchner Malztypus. Eine echte Innovation für den österreichischen Markt, auf dem in den vergangenen Jahrzehnten die dunkle Bierfarbe ausschließlich für süße Biere gestanden ist.

Das "Dreher's Schwarzbier" war geboren, eine der echten Innovationen der BrauUnion. Es hatte allerdings von Anfang an ein Problem: Neue Biere muss man aufwendig erklären, gerade konservative Biertrinker sind schwer davon zu überzeugen, dass ihnen ein neues Bier schmecken würde. Und auf das Erklären von Bier verstanden sich die Hersteller nicht so gut wie auf klassische Werbung für die schließlich kaum Geld da war. Und das Personal in der Gastronomie, notorisch unkundig in der Kommunikation über Bier, konnte eigentlich auch nicht recht erklären, warum dieses Bier nicht gezuckert war wie so viele andere dunklen Biere. Also führte der neue Biertyp seinem außergewöhnlichen Geschmack und seinem eleganten Auftritt (mattschwarz lackierte Flaschen) eher ein Schattendasein - bis die BrauUnion den Hahn zudrehte und das Bier vom Markt nahm.

Nur Insider wussten, dass das Drehers Schwarzbier im Geheimen durchaus weiter existierte: Als "Kaiser Dark" ist es weiterhin in Ungarn erhältlich - bis auf Weiteres aus der Schwechater Brauerei. Und wer ein "dunkles Zwickl" im Brauhaus Schwechat (dem Brauereiausschank der Schwechater Brauerei) bestellte, bekam das unfiltrierte Schwarzbier für den ungarischen Markt. Ausgerechnet zum Jubiläum, das mit diesem Bier gefeiert wurde, kommt für das Schwechater Schwarzbier die Drohung mit dem endgültigen Aus: Künftig will die ungarische BrauUnion das Kaiser Dark nach Möglichkeit selber brauen - und wenn österreichische Bierfreunde es haben wollen, werden sie womöglich nach Ungarn reisen müssen. Oder sie überzeugen die BrauUnion Österreich, dass es für Schwarzbier durchaus einen Markt in Österreich gibt... (Conrad Seidl)

  • ...cremig am Gaumen...
    foto: seidl

    ...cremig am Gaumen...

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