Integrität in Zeiten der Diktatur

4. Oktober 2007, 22:40
posten

"4 luni, 3 saptamâni si 2 zile" (4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage) vom 39-jährigen rumänischen Regisseur Cristian Mungiu

Erzählt wird in langen ruhigen Einstellungen und Dialogen, die wie improvisiert anmuten, von einer Frauengemeinschaft in den letzten Tagen des Ceausescu-Regimes. Vordergründig geht es um Fragen wie illegale Abtreibung, hintergründig um Strategien, in einer Diktatur menschliche Integrität zu wahren. Es ist einer der ersten Spielfilme, aus Rumänien, der es schafft, den Niedergang der Regimes am Ende des 20. Jahrhunderts frei von anbiedernder Ostalgie zu erzählen - "Geschichten aus dem goldenen Zeitalter", so soll das große, über mehrere Filme sich erstreckende Projekt heißen, das der Autor und Filmemacher mit seinem erst zweiten Langfilm begonnen hat. Bei den 60. Internationalen Filmfestspielen in Cannes wurde dieser im Mai mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Mungiu über seinen Film: "Er basiert auf persönlichen Erfahrungen, die Leute für gewöhnlich nicht miteinander teilen. Ich war verblüfft, wie versteckt und weit verbreitet zugleich die Geschichten waren, die man an mich herangetragen hat. Es ermutigte mich dazu, anders über den Kommunismus in Rumänien zu erzählen - nicht über ,offizielle' Fakten und ideologische Auseinandersetzungen, sondern über alltägliche Erzählungen, in denen Menschen Erfahrung weitergeben und aus denen sie mitunter Mut schöpfen. Dass wir uns keine aufwändigen technischen Spezialeffekte leisten können, ist klar. Aber unsere Geschichten erzählen sich, so wie wir sie erzählen können, auch besser. Ohne alles schmückende Beiwerk erzählt man wahrhaftiger, klarer, näher an den menschlichen Gefühlen. Es geht um Deckungsgleichheit von dem, was man hat, was man will, was man kann." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.10.2007)

Bei der Viennale ist der Film zu sehen am 26. 10. um 20.30 im Gartenbaukino sowie am 25. 10. um 16.00 im Künstlerhaus.
  • Artikelbild
    foto: viennale
Share if you care.