Arigona in Videobotschaft: "Dann bring ich mich lieber um"

15. Oktober 2007, 19:20
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Die untergetauchte 15-jährige Arigona hat mit einer Videobotschaft erstmals an die Öffentlichkeit gewandt - Mit Video

Linz/St. Pölten – "Es geht mir richtig schlecht." Arigona Zogaj, das 15-jährige Mädchen aus dem Kosovo, das bisher in Frankenburg lebte, sitzt in einem kahlen Raum und wirkt bedrückt. Freitagmittag langte beim ORF Oberösterreich eine Videobotschaft des vor der Abschiebung untergetauchten Mädchens ein.

Am 26. September waren der Vater und vier Kinder von der Polizei abgeholt und tags darauf in den Kosovo abgeschoben worden. Da Tochter Arigona nicht auffindbar war, durfte die Mutter noch bleiben, um nach ihr zu suchen. Die Frau liegt nach einem Nervenzusammenbruch im Spital, der Aufenthaltsort der 15-Jährigen ist nach wie vor unbekannt.

Angst

Ein erstes Lebenszeichen war ein Brief am vergangenen Wochenende, in dem das Mädchen ankündigte, sich "nicht lebend der Polizei stellen" zu wollen. Jetzt folgte die Videobotschaft. Sie habe Angst, dass sie in den Kosovo zurückkehren müsse, dort kenne sie bis auf die Großmutter niemanden, sagt sie: "Ich will einfach, dass ich hierbleiben kann, dass ich eine bessere Zukunft habe. Meinen kleineren Geschwistern geht's unten auch sehr schlecht. Ich würde auch zurückkommen aus meinem Versteck, wenn meine Geschwister zurück nach Österreich kommen", so Arigona in dem Video.

Sie verstehe überhaupt nicht, "warum uns der Herr Platter nicht die Möglichkeit gibt, dass wir weiter hier in Österreich bleiben dürfen. Wir haben nämlich gar nichts gemacht". Die Selbstmorddrohung aus dem Schreiben vor ein paar Tagen wiederholt das Mädchen: "Ich will jetzt niemanden erpressen. Das mit dem Selbstmord habe ich ernst gemeint. Wenn ich zurückmuss, dann bring ich mich lieber um, weil unten habe ich keine Zukunft." In Frankenburg soll am Samstag eine Demonstration für die Familie Zogaj stattfinden.

Pröll unterstützt nicht

"Keinen Kommentar" will Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) zum Fall der seit zehn Tagen mit zwei Söhnen untergetauchten Kosovarin Safete Zeqaj aus Wieselburg, NÖ, (der Standard berichtete) abgeben. "Das Land hat sich in früheren Jahren beim Innenminister für die Familie stark gemacht, jetzt gilt das Prinzip ‚Gesetz ist Gesetz‘", sagte ein Pröll-Sprecher. "Das ist inakzeptabel, Pröll verspielt den familienfreundlichen Ruf des Landes", reagiert Grünen-Landesgeschäftsführer Thomas Huber. (Markus Rohrhofer, Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe, 6./.10.2007)

Lesen Sie weiter:

Die Videobotschaft Arigonas im Wortlaut

Link:

ORF Oberösterreich - mit Audio-Ausschnitt aus dem Video

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