Krähen filmten sich selbst beim Werkzeuggebrauch

15. Oktober 2007, 12:14
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Aufnahmen der "Schwanzkamera" zeigen, dass die Vögel unter anderem Stöckchen verwenden, um an Maden und Käfer zu gelangen

London/Washington - Mit Hilfe winziger an den Federn der scheuen Neukaledonien-Krähen befestigten Kameras gelangten Forscher zu erstaunlichen Aufnahmen: Die Bilder zeigen, wie die Vögel Werkzeuge zur Futtersuche nutzten. Die Wissenschafter um den Deutschen Christian Rutz von der Universität Oxford konnten beispielsweise beobachten, dass die Krähen unter anderem Stöckchen zu Hilfe nehmen, um an Maden und Käfer zu gelangen. Die Ergebnisse der Forschungen wurden im US-Fachjournal "Science" veröffentlicht.

Auch trockene Grashalme, Blattstängel und -stücke kamen beim Stochern im Waldboden und in verrottendem Holz zum Einsatz. Hilfsmittel, die sich besonders bewähren, nehmen die Krähen sogar zum nächsten Futterplatz mit.

Neukaledonien-Krähen (Corvus moneduloides) leben auf der gleichnamigen Insel im Pazifischen Ozean. Dass sie sich lanzettartige Werkzeuge basteln, hatten Biologen vor einigen Jahren bereits im britischen Wissenschaftsmagazin "Nature" berichtet. Auch Versuche im Labor hatten gezeigt, dass die Tiere sehr geschickt mit Werkzeugen umgehen. Die Krähe Betty zum Beispiel verblüffte Beobachter damit, dass sie gezielt einen Draht zu einem Haken bog, um damit einen kleinen Futterbehälter aus einer Röhre zu angeln.

Durchbruch

Als Durchbruch bezeichnen die Forscher die Entwicklung der Mini- Kameras. Damit könnten auch Vögel beobachtet werden, die sehr scheu sind oder in unzugänglichen Gebieten leben. Es sei eine Technologie, die in Zukunft sicher von vielen Verhaltensforschern genutzt werde, betont Rutz, der das Gerät mit seinem Team in zwei Jahren entwickelt hatte. (APA/Red)

  • Mit Hilfe einer kleinen Kamera, an den Schwanzfedern der Neukaledonien-Krähe befestigt (roter Pfeil), gelangten die Forscher zu erstaunlichen Aufnahmen.
    foto: jolyon troscianko

    Mit Hilfe einer kleinen Kamera, an den Schwanzfedern der Neukaledonien-Krähe befestigt (roter Pfeil), gelangten die Forscher zu erstaunlichen Aufnahmen.

  • Die Kameras, die an den Vögeln angebracht waren, konnten rund 70 Minuten lang Ton und Farbbilder aufnehmen.
    foto: lucas bluff

    Die Kameras, die an den Vögeln angebracht waren, konnten rund 70 Minuten lang Ton und Farbbilder aufnehmen.

  • Die Grafik zeigt Position und Aufnahmewinkel der Kamera.
    bild: jolyon troscianko

    Die Grafik zeigt Position und Aufnahmewinkel der Kamera.

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