Metallsäulen für mehr Langlebigkeit

15. Oktober 2007, 13:01
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Die zweite Staffel der STANDARD-Edition "Der Österreichische Film" wurde bei einer Pressekonferenz im Wiener Metro-Kino vorgestellt

Eine in der Form nicht einmal von kühnen Optimisten prognostizierte Erfolgsgeschichte geht weiter.

 

 


 

Wien - "Ich bin kein Wohltäter, aber ich habe das Ziel, österreichische Inhalte in allen Medienarten möglichst groß zu spielen." Wenn Unternehmer Sätze wie diesen sagen, ist normalerweise Zittern angesagt. Wenn der Unternehmer aber Georg Hoanzl heißt und über verlegerische Ambitionen erzählt, mit Projekten wie der Standard-Edition Der Österreichische Film Aufmerksamkeit auf hiesige Kulturprodukte zu lenken, dann ist nachvollziehbar Leidenschaft im Spiel.

Bei der Pressekonferenz am Donnerstag im Wiener Metro Kino, bei der die ab Freitag (Teil 51 bis 75) bzw. ab 25. 10. (76 bis 100) erhältliche zweite Staffel der DVD-Reihe vorgestellt wurde, erinnerte sich Hoanzl, wie die Idee für ein derart raumgreifendes Projekt mit heimischen Laufbildern geboren wurde: "Es waren lange Diskussionen, ob man sich das wirklich antun will." Und es war offenbar mehr der Verleger, der die Kuratoren Claus Philipp (der Standard) und Ernst Kieninger (Filmarchiv Austria) von der Unternehmung überzeugen musste, nicht umgekehrt.

Über 250.000 Einzel-DVDs wurden von der ersten Edition mit einem breiten Spektrum von Filmen wie Nordrand, Radetzkymarsch oder Staatsoperette verkauft. Auch Kulturministerin Claudia Schmied zählte zu den Käufern: "Ich habe als Lektorin an der WU mit Studenten die Dokumentarfilme Megacities und Postadresse: 2640 Schlöglmühl durchgenommen." Für Philipp "eine der schönen Echowirkungen und Resonanzen, die entstanden sind". Es sei auch vorgekommen, dass Filme aus der ersten Staffel der Standard-Edition nun wieder in Programmkinos laufen.

Beim Zusammenstellen der zweiten Staffel taten sich die Kuratoren überraschend leichter als bei der ersten, erklärten sie. Und: "Mir würde sie fast als das populärere Programm vorkommen", so Philipp, der auf den Kottan-Film Den Tüchtigen gehört die Welt, die komplette Alpensaga oder Der Schüler Gerber hinwies. Daneben finden sich aber auch wieder scheinbar periphere Werke wie eine Sammlung von Künstlerporträts von Wilhelm Gaube. Insgesamt entstehe "eine Abbildung dessen, was es im österreichischen Film an Reichtum und Tiefe gibt", meinte Ernst Kieninger.

Das außerdem mit Roland Teichmann vom Österreichischen Filminstitut und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny besetzte Podium wertete die Standard-Edition geschlossen als Erfolg des österreichischen Films. Selten sei es der Fall, dass alle - Filmemacher, Verlage, Medien und Politik - derart an einem Strang ziehen würden. In noch einer Hinsicht bestand Einigkeit: Der heimische Film braucht mehr Unterstützung. Man arbeite an der Erschließung neuer Finanzierungsquellen, so Schmied. Die Standard-Edition mit einem Produktionsbudget von 4 Millionen Euro wurde übrigens zu 5 Prozent mit Mitteln aus öffentlicher Hand gefördert.

Im Grunde handle es sich um "ein Vermittlungsprogramm für den österreichischen Film", so Georg Hoanzl. Es gelte, "der Kurzlebigkeit, die Produkte im Handel normalerweise haben, eine gewisse Langlebigkeit entgegenzusetzen. Wir werden deshalb in den Geschäften diesmal nicht nur Pappaufsteller mit Werbung platzieren", schmunzelte der Verleger, "sondern auch Metallsäulen errichten, um den österreichischen Film im Handel weiter zu festigen." (Sebastian Fasthuber / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.10.2007)

Eine Beilage mit ausführlichen Informationen zu den 50 Filmen der neuen Editionsstaffel lesen Sie am Samstag.

  • Freude über Edition "Der österreichische Film" (v. li.): Standard-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann, ÖFI-Direktor Roland Teichmann, Claudia Schmied und Georg Hoanzl.
    foto: standard/hendrich

    Freude über Edition "Der österreichische Film" (v. li.): Standard-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann, ÖFI-Direktor Roland Teichmann, Claudia Schmied und Georg Hoanzl.

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