Interview: "Zielpunkt braucht Partner"

7. Jänner 2008, 11:11
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Zielpunkt-Chef Johann Schweiger im Gespräch über die Qual der Partnersuche und einen möglichen Verkauf an Rewe

Tengelmann will sich aus dem Diskonter Plus zurückziehen. Auch Zielpunkt ist betroffen. Johann Schweiger, Chef der Handelsketten in Österreich, sprach mit Verena Kainrath über Zusammenschlüsse und den Weg zum Harddiskonter.

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STANDARD: Das deutsche Handelshaus Tengelmann sucht einen Investor für den Lebensmitteldiskonter Plus. Die Kette ist das Herzstück des Konzerns. Ist die Lage für Plus so prekär?

Schweiger: Auch Obi und Kik zählen zu den Herzstücken. Es ist schwierig, in dieser Phase darüber zu reden. Es gibt eben in Industrie und Handel immer mehr Zusammenschlüsse. Tengelmann sucht für Plus starke europäische Partner, es wird in der Branche nicht die letzte Vereinigung bleiben.

STANDARD: Die deutsche Presse berichtet, dass der Verkauf an Rewe kurz bevor steht.

Schweiger: Das kann ich weder bestätigen noch dementieren. Wir wissen nur Bescheid, dass es Gespräche gibt. Es geht zudem um Anteilsverkäufe. Tengelmann könnte ja auch Mehrheitseigentümer bleiben.

STANDARD: In Österreich sollen Plus und Zielpunkt nicht verkauft werden - heißt es offiziell.

Schweiger: Das kann ich nicht bestätigen, das wird nur in der Presse vermutet. Es ist auch für Österreich sehr wichtig, einen strategischen Partner zu finden. Das bringt Vorteile bei Logistik, im Einkauf. Wir sind am Markt nur an fünfter Stelle. Es wäre gut für Österreich.

STANDARD: Es hat bereits die Beteiligung der Rewe bei Adeg für Wirbel gesorgt. Lässt der Lebensmittelmarkt überhaupt eine weitere Konzentration zu?

Schweiger: Dass die Situation in Österreich nicht einfach ist, wissen wir alle. Die Frage ist, was bei den Gesprächen herauskommt. Es kann ja auch einer werden, der noch nicht in Österreich vertreten ist.

STANDARD: Spar hat den Rewe-Adeg-Deal aufs Schärfste kritisiert. Wie beurteilen Sie ihn?

Schweiger: Ich sehe das nicht so dramatisch.

STANDARD: Plus hat seine Strategie oft geändert, Investitionen fehlten. Werden Zielpunkt und Plus nicht auch in Österreich von der Konkurrenz zerrieben?

Schweiger: Wir haben schon 1997 angesetzt und die Löwa-Märkte in Zielpunkt integriert. 2000 haben wir uns von Magnet getrennt. Wir sind mit Zielpunkt gut gefahren. Letztendlich sind wir aber nur an fünfter Stelle am Markt. Um uns weiter behaupten zu können, brauchen wir einfach Partner.

STANDARD: Es war geplant, alle Zielpunkt-Geschäfte rasch auf Plus umzustellen. Wie weit sind Sie nach zwei Jahren damit?

Schweiger: Wir haben heute 90 Plus- und 270 Zielpunkt-Filialen. Das weitere Vorgehen ist offen, wir warten jetzt ab.

STANDARD: Geht das Konzept des Harddiskonters Plus auf?

Schweiger: Wir sind mit Plus preisgleich mit Hofer und Lidl, haben zudem über 1000 Markenartikel. Die Filialen waren im Zuge der Umstellung bis zu einigen Wochen zu, das spürt man im Umsatz. Und Plus hat 2200 Artikel weniger als Zielpunkt. Das lassen uns die Kunden im ersten Jahr spüren. Im zweiten Jahr haben wir jedoch zweistellige Zuwachsraten.

STANDARD: Zielpunkt hat Umsatz verloren. 2005/06 gab es 1,7 Millionen Euro Verlust.

Schweiger: Es war so einkalkuliert, dass wir aufgrund der Ladenumstellung an Geld verlieren. Das darauf folgende Geschäftsjahr ist ähnlich verlaufen. Heuer sind wir deutlich besser unterwegs. Ich hoffe für 2007/08 wieder auf Gewinne.

STANDARD: Passt Feinkost-Spezialist Schirnhofer noch in das Konzept des Harddiskonts?.

Schweiger: Schirnhofer passt zu uns, da gibt es langfristige Verträge. Feinkostabteilungen sind einer unserer Vorteile gegenüber anderen Diskontern.

STANDARD: Diskontern gehört über 30 Prozent des Lebensmittelgeschäfts. Experten räumen ihnen maximal 35 Prozent ein.

Schweiger: Ich sehe das Potenzial bei 40 Prozent, also ähnlich wie in Deutschland

STANDARD: Ist das Geschäft mit Aktionsware ausgereizt? Etwas Neues aus dem Hut zu zaubern wird ja immer schwieriger.

Schweiger: Es hat sich etwas abgeschwächt, aber nach wie vor für alle große Bedeutung. Wer hätte früher gedacht, dass Hofer und wir einmal Golfsets verkaufen? Auch unser Reiseangebot entwickelt sich gut.

STANDARD: Wie halten Sie es mit der längeren Ladenöffnung?

Schweiger: Es wäre in Fremdenverkehrsgebieten wichtig, mehr zu liberalisieren. Wir werden pro Woche in allen Filialen zwei bis drei Stunden länger offenhalten, bei ausgewählten noch etwas länger.

STANDARD: Die Lebensmittelpreise steigen. Wo sehen Sie die Schmerzgrenze der Kunden?

Schweiger: Wir mussten wie alle anderen die Preise erhöhen. Verteuern sich Rohstoffe, wird sich auch die Schmerzgrenze nach oben verlagern. Das Ende der Fahnenstange ist nicht erreicht. Aber es steigen ja nicht nur Lebensmittelpreise. Schauen Sie sich die Energie- und Treibstoffkosten an. Nicht nur wir sind die Bösen. (DER STANDARD Printausgabe, 5.10.2007)

Zur Person
Johann Schweiger (54) startete 1975 als Löwa-Filialchef, leitete später Plus in Tschechien und Ungarn. Seit 1996 ist er Zielpunkt-Österreich-Chef
  • Johann Schweiger, Chef von Plus und Zielpunkt, hat in Österreich zwei harte Geschäftsjahre mit Verlusten hinter sich. "Das war im Zuge der Ladenumstellung auf Plus einkalkuliert." Für 2007/08 rechne er wieder mit Gewinnen
    foto: standard/hendrich

    Johann Schweiger, Chef von Plus und Zielpunkt, hat in Österreich zwei harte Geschäftsjahre mit Verlusten hinter sich. "Das war im Zuge der Ladenumstellung auf Plus einkalkuliert." Für 2007/08 rechne er wieder mit Gewinnen

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