Kaufhaus Tyrol: Trick mit Knick

8. Oktober 2007, 11:18
3 Postings

Chipperfield-Fassade in der Innsbrucker Maria-Theresienstraße gefällt allen - Frühere Entwürfe waren auf heftige Kritik gestoßen

Innsbruck – Der Streit um die Fassade des neuen Kaufhauses Tyrol in der Innsbrucker Maria-Theresienstraße hat ein glückliches Ende gefunden. Der Londoner Stararchitekt David Chipperfield hat am Donnerstag eine Entwurf vorgestellt, der rundum auf Zustimmung stößt. Nachdem sich ein Siegerentwurf eines Wettbewerbs als politisch nicht durchsetzbar erwiesen hatte, stieß im Frühjahr ein Kompromiss des Wieners Heinz Neumann auf heftigen Widerstand, wobei "anspruchslose Kulissenarchitektur" noch zur milde formulierten Kritik zählte.

Obwohl Investor René Benko für die Neumann-Fassade bereits alle Genehmigungen hatte, machte er sich über den Sommer auf die Suche nach neuer Qualität und fand sie bei Chipperfield. Dieser hat auf große Gesten verzichtet und bringt mit einem leichten Knick im linken Teil der Fassade die Dimensionen der historischen Bausubstanz der Umgebung ins Spiel.

Chipperfield selbst spricht von einem "menschlichen Maßstab" und davon, nicht bloß an eine Fassade, sondern auch an das Haus dahinter gedacht zu haben.

Architekt Rainer Köberl, der mit an der Spitze des Widerstands gegen das Neumann-Projekt gestanden war, freut sich über den Erfolg der Anstrengungen "in der Rapidviertelstunde". Am Chipperfield-Entwurf gefalle ihm die klare Aussage und die Radikalität, mit der "in einem großen Regal die Waren in Innsbrucks Prachtstraße gestellt werden".

Das Projekt mit 60 Geschäften auf 30.000 Quadratmetern soll planmäßig Ende 2009 aufsperren, auch an den Baukosten von "über 120 Millionen Euro" nichts ändern, hofft Benko. (Hannes Schlosser, DER STANDARD - Printausgabe, 5. Oktober 2007)

  • Die leicht geknickte Fassade von David Chipperfield wird bis 2009 realisiert.
    foto: signa

    Die leicht geknickte Fassade von David Chipperfield wird bis 2009 realisiert.

Share if you care.