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Kunst nach 1970. Aus der Albertina

13. Februar 2008, 09:14

Im Fokus der Ausstellung steht die Gegenüberstellung unterschiedlicher Positionen der Kunstgeschichte ab 1970 anhand von "Künstlerräumen"

DiashowKunst nach 1970. Aus der Albertina

Mit der Ausstellung Kunst nach 1970 präsentiert die Albertina von 12. Oktober 2007 bis 16. März 2008 ausgewählte Schwerpunkte ihrer Sammlung an internationaler Gegenwartskunst. Die erste Schau in einer neuen Ausstellungsreihe zeigt Werkgruppen und Einzelarbeiten von 16 Künstlern, die mit ihren Positionen die letzten dreieinhalb Jahrzehnte nachhaltig geprägt haben. Ein Großteil der Exponate ist erstmals öffentlich zu sehen.

Gegenwartskunst, ein etablierter Sammlungsschwerpunkt
Zeitgenössische Kunst nimmt seit der Gründung der Albertina einen herausragenden Stellenwert in der Sammlungspolitik ein. Noch in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war die Albertina - mit dem 20er-Haus - das einzige Museum Wiens, das regelmäßig Ausstellungen zur Kunst der Gegenwart präsentierte. Auch wenn in der öffentlichen Wahrnehmung des Hauses den Präsentationen zeitgenössischer Kunst von den spektakulären Schauen der Alten Meister und der Klassischen Moderne der Rang abgelaufen wurde: die aktuelle Kunst war seit 1918 ein wichtiges und konsequent verfolgtes Thema in der Sammlungs- und auch Ausstellungspolitik. In den letzten Jahren wurden die gesetzten Sammlungsschwerpunkte Minimal Art, Pop Art, deutsche Kunst ab den 1960er-Jahren und wichtige österreichische Positionen durch zahlreiche Neuerwerbungen erweitert. Anlässlich der Ausstellungen der jüngsten Zeit konnten weitere bedeutende Werke der Gegenwartskunst – von Robert Longo über Georg Baselitz, Alex Katz bis zu Franz Gertsch - erworben werden. Heute besitzt die Albertina mehr als 20.000 Werke an Kunst seit 1970; ein großer Teil davon sind monumentale Formate. Vom Umfang dieser hochwertigen Bestände konnte sich die breite Öffentlichkeit bisher kaum ein angemessenes Bild machen.

Einblick in eine reiche Sammlung an Gegenwartskunst Mit der Ausstellung Kunst nach 1970 gibt die Albertina erstmals Einblick in die Breite ihrer Sammlung an internationaler Gegenwartskunst. Die Schau vermittelt am Beispiel einiger ausgewählter Sammlungsschwerpunkte die Vielfalt maßgebender künstlerischer Konzepte der letzten dreieinhalb Jahrzehnte. 90 Prozent der rund 120 Exponate stammen aus den Eigenbeständen der Albertina. Den wichtigen Werkblöcken an Zeichnungen und Druckgrafik sind punktuell Gemälde gegenüber gestellt, die das Verständnis der künstlerischen Konzepte erleichtern. Die Albertina richtet ihr Programm darauf aus, mit ihren Ausstellungen das Medium Zeichnung vorrangig als autonomes Kunstwerk zu präsentieren. Auch die aktuelle Schau folgt dieser Ausrichtung: Kunst nach 1970 zeigt Künstler, die ihre zeichnerischen und grafischen Arbeiten in erster Linie nicht als Vorstudien verstehen, sondern als ihren Gemälden gleichrangige, aber dennoch zutiefst eigenartige und unverwechselbare Kunstwerke.

Zeichnung und Grafik im Licht der Zeit Im Zentrum dieser Auswahl aus der Sammlung der Albertina stehen Künstler, die mit ihren Arbeiten auf Papier die klassischen druckgrafischen und zeichnerischen Medien radikal neu interpretiert haben. Anselm Kiefer und Franz Gertsch haben – wenngleich auf diametral entgegen gesetzte Weise - den Holzschnitt erneuert, der nach seinem letzten Höhepunkt im deutschen Expressionismus zur kunstgewerblichen Technik abgefallen ist: Kiefer, indem er dem monumentalen Holzschnitt durch die Verwendung von groben Baulatten und Teer als Pigment in seinen Werken eine geradezu existenzialistische Schwere verlieh; Gertsch, indem er seine fotorealistischen riesenhaften Unikate durch die Monochromie und das zarte Gespinst aus Lichtpunkten der Natur gleichsam entmaterialisiert, spirituell deutet. Georg Baselitz und Maria Lassnig haben die Qualitäten und Charakteristika des Aquarells und der Federzeichnung zu einem Leitmedium ihrer Kunst gemacht, das in „gezeichneten“ und „aquarellierten“ Gemälden fortwirkt. Robert Longo und William Kentridge haben der Kohle - fotorealistisch der eine, expressiv der andere – völlig neue Valeurs und Ausdrucksweisen abgerungen und der Kohlezeichnung einen autonomen Kunstwerk-Status verliehen, der auch in einer neuen Monumentalität seinen Niederschlag findet. Alex Katz hat die seit über 100 Jahren in Vergessenheit geratene Gattung des Künstler-Kartons als Vorstufe und Vorzeichnung für Gemälde von ihrer dienenden und ästhetisch „un-eigentlichen“, vorbereitenden Funktion emanzipiert und mit seinen Kartons „gezeichnete“ Gemälde geschaffen, die ein eigenständiges expressives Werk innerhalb seines ansonsten sachlichen, malerischen Werks des Cool-Paintings darstellen. Sigmar Polke und Herbert Brandl haben dem herkömmlichen Pigment der Aquarell- und Gouachefarben in riesigen, das übliche „Aquarellformat“ sprengenden Arbeiten eine geradezu alchimistisch anmutende Pigmentwirkung abgerungen, in einer völlig neuen, gleißenden Farbintensität. Alle 16 hier präsentierten Künstler verstehen ihre Arbeiten auf Papier als autonome, ihren Gemälden oder Skulpturen gleichrangige Kunstwerke. Nicht zufällig begreift sich auch keiner der ausgewählten Künstler von seinem Selbstverständnis her als Zeichner oder Grafiker; Longo und Baselitz, Kiefer und Polke, Kentridge und Rainer begreifen ihre Arbeiten, die sie auf dem Bildträger Papier schaffen, nicht einschränkend als Aquarelle oder Kohlezeichnungen, sondern als Kunstwerke, als Bilder.

Positionen im Dialog
Die Künstler, die sich in den 1960er-Jahren mit starken, höchst individuellen Ausdrucksweisen und Konzepten von den Ismen der Moderne verabschiedeten, schlugen ein völlig neues Kapitel in der Kunstgeschichte auf. Die erste Schau Kunst nach 1970 ist in „Künstlerräumen“ angelegt, in denen Ineinandergreifen und Verwandtschaft, aber auch Autonomien unterschiedlicher Positionen greifbar werden. Markus Lüpertz tritt so ins Zwiegespräch mit Anselm Kiefer, Max Weiler begegnet Per Kirkeby, William Kentridge trifft auf Robert Longo, Herbert Brandl führt einen Dialog mit Mario Merz, Christiane Baumgartner tritt in Austausch mit Franz Gertsch. Anderen Künstlern wie Georg Baselitz, Alex Katz, Maria Lassnig, Sigmar Polke, Arnulf Rainer und Gerhard Richter sind aufgrund des Umfangs der vorhandenen Bestände oder der besonderen Alleinstellung ihres Oeuvre in der Sammlung oder Kunstgeschichte in eigenen Räumen präsentiert.

Die Sammlung Batliner in Kunst nach 1970
In der Schau Von Monet bis Picasso ist die Sammlung Batliner, die als eine der bedeutendsten Privatsammlungen in Europa gilt, derzeit erstmals in den Räumen der Albertina zu sehen. Mit ihrer Integration in die Ausstellung Kunst nach 1970 findet die Präsentation der wertvollen Dauerleihgabe ihre Fortsetzung. Wichtige Werke von Anselm Kiefer, Georg Baselitz, Herbert Brandl, Arnulf Rainer, Maria Lassnig, Markus Lüpertz, Alex Katz und Gerhard Richter stammen aus den Beständen dieser hochkarätigen Sammlung.

Dauerleihgaben, Schenkungen und ihr unverzichtbarer Beitrag
Über Dauerleihgaben der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft, der Oesterreichischen Nationalbank, Leihgaben aus der Sammlung Ernst Ploil sowie die Kooperation mit der Sammlung Rheingold konnte die Ausstellung mit weiteren wertvollen Arbeiten ergänzt werden. Einen unverzichtbaren Anteil an der Dichte des Ausstellungskonzepts haben die Künstler selbst: Georg Baselitz, Alex Katz, Herbert Brandl, Franz Gertsch, Anselm Kiefer, Maria Lassnig, Robert Longo, Markus Lüpertz und Arnulf Rainer haben dem Haus in den letzten Jahren großzügige Schenkungen an Hauptwerken ihrer Kunst gemacht. Dem Hauptsponsor der Ausstellung, AKRON Management Holding GmbH, verdankt die Albertina einen klassisch anmutenden Frauenakt von William Kentridge, der das Ensemble von großformatigen Kohlezeichnungen dieses südafrikanischen Künstlers entscheidend bereichert hat.

Ausblick
Mit rund 120 Exponaten kann diese erste Schau der neuen Reihe von Kunst nach 1970 nur einen kleinen Ausschnitt zeigen. Ansatzpunkt für die Wahl dieses ersten Ausschnitts waren vor allem die Sammlungserweiterungen der jüngeren Zeit; die angemessene Relation zwischen österreichischer und internationaler Kunst war ein weiterer wichtiger Aspekt. In Zukunft wird die jüngere Kunstgeschichte auch in der Albertina noch stärker sichtbar werden. Mit Präsentationen u.a. von Günter Brus (2003), Alex Katz (2004), Neo Rauch (2004), Siegfried Anzinger (2004), Sieben Frauen (2004), Franz Gertsch (2006) und Pop and Minimal: The Serial Attitude (2005) hat die Albertina der zeitgenössischen Kunst in den letzten Jahren regelmäßig Raum gegeben. Die stetig wachsenden Bestände werden in den nächsten Jahren Anlass für weitere große Retrospektiven und Themenausstellungen sein - dem ersten „Schaubild“ von Kunst nach 1970 werden „Szenenwechsel“ folgen. „Der zukünftige Wechsel in den Räumen soll eher Gegenwärtigkeit als geistiges Prinzip von Aktualität veranschaulichen, als die Illusion einer einheitlichen Gegenwartskunst erzeugen“, definiert Klaus Albrecht Schröder seine Zukunftspläne. Nach dem Ausbau der Kahn Galleries ab Herbst 2008 können speziell auch die österreichischen Künstler, die schon in dieser ersten Ausstellung mit Herbert Brandl, Maria Lassnig, Arnulf Rainer und Max Weiler stark vertreten sind, vertiefter und im internationalen Kontext gezeigt werden.

Service:

Ausstellung "Kunst nach 1970. Aus der Albertina"
Albertina, 12. Oktober bis 6. Jänner 2008
Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Mittwoch 10-21 Uhr;

  • Alex Katz - Jessica, 2007
Öl auf Leinwand
© VBK Wien, 2007
Albertina, Wien

    Alex Katz - Jessica, 2007
    Öl auf Leinwand
    © VBK Wien, 2007
    Albertina, Wien

  • Robert Longo, Untitled (Ping), 2007
Kohle 177,8 x 198,1 cm Albertina, Wien © Robert Longo Foto: © Albertina, Wien

    Robert Longo, Untitled (Ping), 2007
    Kohle 177,8 x 198,1 cm Albertina, Wien © Robert Longo Foto: © Albertina, Wien

  • Bildlegende: Maria Lassnig, Kartoffelpresse, 1989
Öl auf Leinwand, Albertina, Wien - Dauerleihgabe der Sammlung Batliner © Maria Lassnig, Foto: © Albertina, Wien

    Bildlegende: Maria Lassnig, Kartoffelpresse, 1989
    Öl auf Leinwand, Albertina, Wien - Dauerleihgabe der Sammlung Batliner © Maria Lassnig, Foto: © Albertina, Wien

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