Von der "Alpensaga" bis "Schüler Gerber"

4. Oktober 2007, 22:02
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Die STANDARD-Edition "Der Österreichische Film" stockt nach dem Erfolg der ersten beiden Staffeln von 50 auf 100 Filme auf

Wien - Mit über 250.000 verkauften Einheiten (darunter 1.421 Gesamt-Editionen und Einzelverkäufe bis zu 7.500 Stück pro Titel) hat die seit einem Jahr erhältliche, 50 DVDs umfassende erste Staffel von "Der Österreichische Film - Edition Der Standard" die Erwartungen weit übertroffen. Grund genug, weitere 50 DVDs (mit 53 Lang- und 40 Kurzfilmen) aufzulegen. Die ersten 25 DVDs der zweiten Staffel werden ab Freitag (5.10.) im Handel erhältlich sein, die zweiten 25 ab 25. Oktober - "rechtzeitig zum Nationalfeiertag und zum Weihnachtsgeschäft", wie sich STANDARD-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann bei der Pressekonferenz am Donnerstag freute. Der (empfohlene) Verkaufspreis bleibt mit 9,90 Euro gleich.

"Die Edition ist ein sensationeller Erfolg und hat alle Erwartungen übertroffen", freute sich Roland Teichmann, der Geschäftsführer des Österreichischen Filminstituts (ÖFI), das "nicht nur mit vollem Herzen, sondern auch mit vollen Taschen" bei dem Projekt dabei sei. Nach 40.000 Euro für die erste Staffel hat das ÖFI 140.000 Euro für die zweite Staffel locker gemacht. Vom Bund kamen nun zusätzlich 90.000 Euro, die Stadt Wien trug 95.000 Euro für die erste Staffel bei und wird voraussichtlich nun nochmals die gleiche Summe bereitstellen. "Das Geld war sehr hilfreich und zweckgebunden, es durfte nur für Werbung eingesetzt werden", schilderte Herausgeber Georg Hoanzl. 95 Prozent der Investitionskosten seien jedoch nicht von der öffentlichen Hand gekommen.

Teichmann betonte, international habe die Sekundärverwertung die Erstverwertung von Filmen im Kino bereits überholt. "Der österreichische Film hat sich daher auf einem Wachstumsmarkt sehr gut verkauft und einen klaren Beweis erbracht, dass es einen Markt für ihn gibt." Eine Studie, deren Detailergebnisse erst Ende des Jahres veröffentlicht wird, dokumentiere diesen Paradigmenwechsel bereits auch für Österreich: Zwei Drittel der Befragten nutzten DVDs zumindest mehrmals im Monat, auch im Freundeskreis ersetze das gemeinsame DVD-Schauen zunehmend den Kinobesuch: "Da zeichnet sich offenbar so etwas wie ein filmisches Biedermeier ab." Auch die nackten Zahlen belegten, dass man eigentlich mehr von Investitionen als von Förderungen sprechen könne: Der Video-Markt werde in Österreich auf 170 Mio. Euro geschätzt, der "Hebel" der eingesetzten Mittel betrage 1 zu 4: Für 100.000 Euro fließen 400.000 Euro an die Rechteinhaber zurück.

Rechteprobleme und andere Umstände seien dafür verantwortlich gewesen, dass die erste Staffel der Edition Lücken aufgewiesen habe, schilderte "Der Standard"-Kulturchef Claus Philipp, der gemeinsam mit Filmarchiv-Leiter Ernst Kieninger die Edition kuratierte, "bei der zweiten Staffel war es viel leichter". Diese enthält etwa die gesamte "Alpensaga" (Regie: Dieter Berner) auf drei DVDs, Peter Patzaks Kino-"Kottan" "Den Tüchtigen gehört die Welt", "Sonne halt!" von Ferry Radax, Niki Lists "Malaria", Michael Hanekes "Der siebente Kontinent" und "71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls", "Welcome in Vienna" von Axel Corti oder "Der Schüler Gerber" von Wolfgang Glück.

Das allgemeine Glück über Erfolge des österreichischen Films nutzten auch die anwesenden Kulturpolitiker für Statements: Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) kündigte die stufenweise Erhöhung der "kleine Filmförderung" für Avantgardeproduktionen an, Kulturministerin Claudia Schmied (S) betonte, intensiv daran zu arbeiten, "neue Finanzierungsquellen für den österreichischen Film zu erschließen. Es ist mir voll bewusst, dass der österreichische Film ohne finanzielle Unterstützung nicht erfolgreich sein kann." Zu der geplanten Content-Abgabe sei ein Grundsatzpapier bereits ausgearbeitet, dieses werde vorerst aber noch intern diskutiert, ehe man damit an die Öffentlichkeit gehe: "Es ist schon sehr weit fortgeschritten, aber ein paar Wochen geben sie mir noch", so Schmied. (APA)

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