Blaufränkisch Horitschon 2006 von Franz Weninger
„Er erinnert an früher“, freute sich Franz Weninger über die positiven Reaktionen, als er den Blaufränkisch Horitschon 2006 Mitte Juli erstmals verkosten. Und der Wein beeindruckte sowohl damals als Fassprobe bei 35 ° C im pannonischen Schatten als auch bei der Wieder-Verkostung jetzt Ende September im fertig gefüllten Zustand: und zwar nicht durch Power und übermächtige Schoko-Aromen, sondern durch Ausgewogenheit und angenehmste Süffigkeit, erdig-mineralische Noten und dazu eine alles überstrahlende Fruchtigkeit von dunklen Kirschen, Preiselbeeren und Weichseln, die dem Wein durch die feine Säuerlichkeit sehr frisch machen.
Blaufränkisch Horitschon zählt zu den mittelkräftigen „Davon kann man auch ein zweites Glas trinken“-Weinen und somit eigentlich zu den Vertretern der neuen Blaufränkisch-Generation. Er ist das genaue Gegenteil von den leider oft viel zu „zugeholzten“ Blaufränkischen des Mittelburgenlandes, bei denen die Delikatesse dieser Sorte zu unreflektiert durch heftigen Holzeinsatz und Überextraktion verloren geht. Immerhin gehört das Burgenland global gesehen zu den kühleren Weinbaugebieten, was fruchtbetontere Weine mit eindrücklicherer Säure bedeutet, auch wenn es innerhalb der kühlen Regionen wieder zu einer der wärmeren zählt.
Der Wein ist eine Best-of-Horitschoner-Lagen-Selektion, zählt zu den ersten rein „biodynamischen“ Werken Franz Weningers und wurde sehr traditionell behandelt: Ausbau in Edelstahltank und in großen Holzfässern von 4000 Liter Fassungsvermögen (im Vergleich dazu: Bei 225 Liter Wein im Barriquefass ist das Verhältnis Holz-Wein schon ein weit engeres, ergo auch der Geschmackseintrag des Holzes intensiver, vor allem wenn die Barriquefässer neu sind). Der Wein wurde eher kühler (bei ca 25 ° C) vergoren, wodurch die Fruchtigkeit besonders hervorgehoben wird, nur sparsam gepumpt und umgezogen und nach nicht allzu langer Maischestandzeit abgepresst, was durch die wenig rabiate Auslaugung eine etwas heller Farbe, aber nicht weniger Geschmack mit sich bringt. Er wurde weder mit Enzymen noch mit anderen Hilfsmitteln behandelt, lediglich „ein bissl geschwefelt, was halt notwendig war“, so Franz Weninger. Fazit: Viel und höchst erfreulicher Blaufränkisch um einen guten Preis. (Luzia Schrampf)