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Weit geöffnet hat die Auster keine Überlebenschance. In ihrer Reproduktionstasche findet man mit etwas Glück eine der begehrten schwarzen Südseeperlen.
>>> Zur Ansichtssache:
Schwarze Perlen im Pazifik
vergrößern 492x728Die Lagune von Fakarava ist seit Ende 2006 ein Unesco-Biosphären-Reservat, das sich MAB nennt - Man and Biosphere. Ziel der MAB-Nationalkomitees ist es, Konzepte zu nachhaltigen Wirtschaftsweisen in Biosphären-Reservaten zu erarbeiten, die den speziellen Gegebenheiten der Umweltsituation in den verschiedenen Ländern angepasst sind. Aufklärungsarbeit und Training sollen den Bewohnern diese neue Form der Landnutzung nun in Fakarava verständlich machen. Und der Einsatz von Ato, der für das Projekt mit verantwortlich ist, zeigt Wirkung: Die Sensibilität steig, und heute landet nicht mehr jede Meeresschildkröte, die gefangen wird, im Suppentopf.
Ato hat die Aufgabe eines Verwalters, der darauf achtet, dass die Regeln eingehalten werden. Dazu gehört, dass nur ausgewachsene Fische an dafür vorgesehenen Stellen der Lagune gefangen werden und dass man seinen Müll nicht überall fallen lässt. Das Biosphären-Reservat in Fakarava besteht aus drei Zonen: In einer davon leben die Menschen, betreiben Fischfang und Perlenzucht. Die zweite ist eine Übergangszone mit eingeschränkter Nutzung, und die dritte ist eine reine Schutzzone.
"Den Menschen beizubringen, dass ihre Umwelt zu ihrem eigenen Vorteil geschützt werden muss, ist manchmal ein mühsamer Prozess", erklärt Ato. "Wir beginnen damit schon in der Schule bei den Kindern, die oft von ihren Eltern völlig falsche Verhaltensweisen erlernen. Es ist frustrierend, wenn man eine Exkursion in die Lagune macht, um Schildkröten zu beobachten, und die Kinder wollen sie fangen und grillen."
Ato weiß die Lagune zu seinem Vorteil zu nutzen. Er war früher, wie viele andere, Perlenzüchter. Heute besitzt er nur noch wenige Austernnetze, hat aber das Geschäft mit den begehrten Schmuckstücken aufgegeben und betreibt die kleine Pension "Paparara". Und auch hier legt er viel Wert darauf, dass das Konzept zur nachhaltigen Nutzung der vorhandenen Ressourcen umgesetzt wird. Dass das durchaus sehr genussvoll sein kann, stellt er auch gleich unter Beweis. Beim Öffnen einer Kokosnuss aus dem hauseigenen Kokospalmenhain beispielsweise. Der Saft ist prickelnd und erfrischend, das Fleisch der noch nicht ganz reifen Nuss weich wie Pudding. "Mit einem Schuss Whisky und etwas Eis ist das richtig gut", erläutert er sein Rezept.
Shopping am Meeregsgrund
Oder aber bei einer Fahrt in die Lagune mit seinem Motorboot, um das Abendessen "einzuholen", das dort im endlosen Blau, gut versteckt unter den Korallen, gerade selbst auf der Jagd ist. Wie hypnotisiert starrt ein Zackenbarsch auf die Harpune und bewegt sich nicht, als Ato ruhig auf ihn zu schwimmt. Sekunden später zappelt der Fisch an der Metallstange. Mit einem weiteren Fisch ist dann der "Einkauf" erledigt, und es bleibt Zeit, um die Schildkröten zu besuchen, die kleinen, bunten Korallenfische zu bestaunen und die Riffhaie bei ihrem eleganten Gleitflug durch die Unterwasserwelt zu beobachten.
Atos Tauchkünste sind tatsächlich atemberaubend, und während er in immer dunkleren Blaunuancen verschwindet, erfassen den kurzatmigen Beobachter Beklemmungsgefühle und Atemnot. Zwei oder drei Minuten später taucht er wieder auf, fröhlich lachend und mit dem Angebot, doch mit hinunterzukommen - da unten sei es so still und friedlich.
Atos Schwester Hinano ist dem Beruf der Perlenzüchterin treu geblieben. Hinano und ihr Mann Günter, ein deutscher Architekt, der seit zwanzig Jahren in Fakarava arbeitet und lebt, betreiben seit zehn Jahren die Farm "Hinano Pearls". Sie bietet den Einwohnern eine der wenigen Möglichkeiten, neben dem Tourismus Arbeit zu finden. Die schwarzen Perlen aus der Südsee sind legendär, begehrt und teuer. Zwischen 20 und mehreren hundert Euro kosten die Schmuckstücke, je nach Größe und Qualität. Bis zu 18 Millimeter große, matt schimmernde Kostbarkeiten mit grünem, blauem oder rotem Glanz, in reinem Schwarz oder sanftem Grau sind im Verkaufsraum ausgestellt, und man wagt kaum, sie zu berühren. Der Respekt vor den edlen Stücken ist berechtigt. Die Perlen mit den Fingern anzugreifen ist ein Fauxpas - man verwendet dafür spezielle Holzzangen, um die empfindliche Oberfläche nicht durch Fett und Säure der Haut zu zerstören.
Der Prozess der Perlengewinnung erfordert vor allem eines - Geduld. Die Austern brauchen zwei Jahre, um für die Zucht heranzureifen. Dann erst kann man sie präparieren - ein Vorgang, der sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert. Das verwendete Werkzeug erinnert an Chirurgenbesteck. Beim Implantieren werden der Auster in ihren Reproduktionsbeutel eine Mutterperle aus Muschelschale - der Nukleus - und ein Stück Austernmantel, ein so genannter Creffon, eingesetzt. Der Creffon ist für die spätere Farbgebung der Perle verantwortlich. Aber so ganz genau lässt sich das nicht vorhersagen, erklärt Günter, und so ist der Moment des Öffnens immer ein spannender. Die Form der Perle ist reiner Zufall, und die Palette reicht von rund über tropfenförmig und oval bis zu barocken Formen, die keiner Geometrie folgen. Nach achtzehn Monaten kann "geerntet" werden. Dann hat die Perle einen Durchmesser von etwa 10 bis 10,5 Millimetern.
Eine Auster lässt sich bis zu dreimal präparieren, ehe sie für die Produktion von Perlen nicht mehr geeignet ist. Die Schale wird am Ende noch für die Schmuckproduktion verwendet, das Austernfleisch weggeworfen. Die feinsten und kostbarsten Perlen reifen zwei Jahre in kühlen Gewässern wie jenen der Gambier-Inseln.
Heute hat die Perlenzucht wieder einen höheren Stellenwert in Fakarava. Noch vor wenigen Jahren war die Situation eine völlig andere. Damals sind viele Menschen abgewandert, um in Neuseeland oder Papeete, der Hauptstadt Tahitis, ihr Glück zu versuchen. Nun kehren sie zurück und arbeiten daran, die beiden wichtigsten Wirtschaftszweige - Tourismus und Perlenzucht - aufzubauen.
Luxus contra Herzlichkeit
Der Tourismus ist relativ jung in Fakarava und erst vor etwa fünf Jahren so richtig angelaufen. Atos Pension ist einer von mehreren kleinen Familienbetrieben, die neben dem einzigen Hotel auf dem Atoll - dem Maitai Dream - Unterkünfte für Besucher anbieten. Die Betreiber der kleinen Pensionen legen viel Wert auf persönlichen Kontakt, und Gäste erleben hautnah das pazifische Lebensgefühl. Gemeinsam zu essen, zu beten und zu plaudern ist im Paket inkludiert.
Im Hotel zählt vor allem der Luxus der Exklusivität. Serviert werden französische Küche und europäische Weine. Die Abgeschiedenheit der Bungalow-Anlage ist Garant für absolute Ruhe, das Publikum ist anspruchsvoll. Es entsteht allerdings bald der Eindruck der Gettoisierung, und der Luxus der Einsamkeit schlägt bei manchem Gast in einen Lagerkoller um.
Dass Qualität ihren Preis hat, aber Preis nicht immer Qualität bedeutet, wird beim Frühstück deutlich: Unreife Mangos, vertrockneter Käse und neuseeländische Äpfel lassen vergessen, dass man sich eigentlich im Südsee-Paradies befindet.
Die Exklusivität eines Fünf-Sterne-Hotels kann und will Ato in seiner Pension mit drei Bungalows nicht bieten. Ein Bett, ein Waschbecken, eine Toilette und zwei Meter Fußweg bis zum Meer - das ist alles, was man hier erwarten kann. Das Wasser aus den Duschen ist kalt, die Einladung zum Abendessen und gemeinsamen Verzehr von Zackenbarsch und Co umso warmherziger, die Preise sind nachvollziehbar. "Ich liebe diese Insel und das Leben hier. Wenn ich Hunger habe, gehe ich zum Meer und hole mir meinen Fisch. Habe ich Durst, gehe ich zu den Palmen und pflücke mir meinen Drink", erklärt Ato und schaut mit einem Lächeln hinaus aufs Wasser.
Am Abend sitzen wir dann in einer Runde mit Einheimischen. Jede Bewegung, die man macht, und jeder Satz, den man sagt, wird mit lautem, brüllendem Lachen quittiert, dem man sich nicht entziehen kann, und am Ende lacht man selbst und weiß nicht, warum. Bis einem dann einfällt, dass das Leben ein Vergnügen ohne Ende ist, weil es immer Kokosnüsse und Fisch geben wird und weil die Natur dafür sorgt, dass genug für alle da ist. (Mirjam Harmtodt/Der Standard/RONDO/5.10.2007)
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Das Atoll von Fakarava ist das zweitgrößte Polynesiens. Die Perlen, die dort gezüchtet werden sind heiß begehrt auf dem internationalen Markt
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Noch ist die Natur dort halbwegs intakt, aber schon dieser Artikel wird sein Scherflein dazu beitragen, dass dem in Bälde nicht mehr so ist.
Andererseits ist mir klar, dass über die ewig gleichen Reiseziele ein Reisemagazin auch nicht berichten will.
Auf gehts, foa ma nach Fakarava...
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