Musikrundschau: Neue Lieder von Joni Mitchell, Kate Nash und Imani Coppola

12. Oktober 2007, 15:42
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Das heißt: Unterkühlte, kammermusikalische Jazzballaden, fröhlich im Cockney-Slang dargebrachten Popmusik und harmoniegeladenen, gefälligen Autorinnen-Poprock

Joni Mitchell: "Shine" (Hear Music/Universal) Eigentlich wollte die kanadische Musikerin nach ihrem letzten, 2002 erschienenen Album Travelogue, einer Neusichtung alter eigener Songs, keine Musik mehr veröffentlichen und sich ganz der Malerei zuwenden. Zu sehr wurden ihr über die Jahrzehnte die Begleitumstände des von ihr als "Jauchegrube" geschmähten Musikgeschäfts verhasst. Nun also unerwartet neue Lieder. Zwischen den alten Koordinaten Folk und Jazz entstanden auf Basis ihrer schon etwas älteren Arbeit für das Ballett The Fiddle And The Drum neue komplexe Songs, die nahtlos an alte Großtaten anschließen. Unterkühlte, kammermusikalische Jazzballaden, mit wenigen Gastmusikern weitgehend im Alleingang entworfen, die voller gerechtem Zorn vom Waldsterben ebenso berichten wie von Börsenwirtschaft, der bösen Mutter Kirche und dem heiligen Krieg. Ein Saxophon klagt, eine Hawaiigitarre greint: "If I had a heart, I'd cry." Die Erde ist kein angenehmer Ort. Das aber war er in der Welt von Joni Mitchell nie.

Kate Nash: "Made Of Bricks" (Fiction/Universal) Die junge und in ihrer Heimat derzeit heftig abgefeierte britische Sängerin lässt unter der Regie von Paul Epworth (Bloc Party, Maximo Park, The Futureheads...) in ihrer fröhlich im Cockney-Slang dargebrachten Popmusik für frühreife Teenager nicht nur geschichtsbewusst die Synthie-Punk-Pioniere Suicide samplen (Foundations). Auch der Rest dieses charmanten, mit konventionelleren, piano- und akustikgitarrenlastigen Songs gestalteten Debüts kann sich hören lassen. This years Lily Allen: "Why you being a dickhead for? Stop being a dickhead!"

Imani Coppola: "The Black & White Album (Ipecac/Trost) Die zuletzt in Mike Pattons samplelastigem "Dancefloor"-Projekt Peeping Tom aktive Sängerin entdeckt für dessen extremistisches US-Label den harmoniegeladenen, gefälligen Autorinnen-Poprock im Stile Neneh Cherrys. Die derbe Sprache mag dabei zwar Branntweinstuben entliehen sein. Die Arrangements drängen allerdings eindeutig Richtung Mainstream-Charts. (schach / RONDO/DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2007)

  • Kate Nash
    albumcover: universal

    Kate Nash

  • Joni Mitchell
    albumcover: universal

    Joni Mitchell

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