Allein gegen die Dorfkaiser

7. April 2008, 16:16
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Nur zwei von 279 Gemeinden Tirols haben eine Bürgermeisterin. Maria Zwölfer in Lermoos hat sich gegen ihren Bruder durchgesetzt

Lermoos - Wenn im Tourismusort Lermoos mit knapp 1000 Einwohnern der Gemeinderat gewählt wird, buhlen nicht ÖVP, SPÖ, Grüne und FPÖ um die WählerInnengunst, sondern "Lermoos für Alle", "Gemeinsam für Lermoos", "Lebenswertes Lermoos" und "Unabhängiges Lermoos". Und alle Listen sind mehr oder weniger schwarz dominiert.

Maria Zwölfer, 53-jährige Hauptschullehrerin für Englisch und Sport im benachbarten Ehrwald, ist seit 1992 im Gemeinderat und seit 1998 auch im Gemeindevorstand. Als sich 2004 nach 18 Jahren der Bürgermeister zurückzog, erwartete Zwölfer von ihrer, der Lermooser Hotellobby nahestehenden, Liste nominiert zu werden. Doch die entschied sich für ihren Bruder Karl Mott, den Obmann des Tourismusverbandes. Denn der trat für die Erweiterung des Golfplatzes im traumhaft schönen Talbecken unterhalb der Zugspitze ein, sie ist eine entschiedene Gegnerin: "Golfplätze gibt es viele, das Lermooser Moos ist einmalig."

Bei der Wahl eroberte die Liste des Altbürgermeisters acht von 13 Mandaten, hatte aber keine/n Kandidatin/en fürs höchste Gemeindeamt nominiert. Zwölfer erreichte mit ihrer kurzfristig aufgestellten Liste zwar nur ein Mandat, kam aber trotzdem in die Stichwahl - mit dem Bruder als Gegner.

Nach dem ersten Wahlgang lag sie zwar hinten, am Ende hatte sie ein Plus von 15 Stimmen. Für die Eltern sei die Situation natürlich nicht einfach gewesen, erzählt Zwölfer. Die Bauersleute, damals 83 und 85 Jahre alt, entschieden sich, nicht wählen zu gehen. "Der Papa interessiert sich sehr für die Gemeindepolitik. Jetzt ist er ist stolz auf mich, aber er würde das nie sagen."

"Wenige Frauen, die sich das zumuten"

Das Regieren ohne eigene Fraktion im Gemeinderat ist nicht einfach. Zwölfer versucht es mit Überzeugungsarbeit, Transparenz und konsequenter Einhaltung rechtlicher Regeln. "Das sind manche Dorfkaiser nicht gewohnt", sagt sie kämpferisch und lächelnd. Kürzlich hat sie einem der größten Hoteliers einen Abbruchbescheid geschickt. Der hat für sein Kinderhotel auf einer Terrasse direkt an der Dorfstraße ein halbes Dutzend hässlicher Holzhäuser hingestellt. Mit dem Versuch, das als nicht genehmigungspflichtigen Kinderspielplatz darzustellen, ist er bei der Bürgermeisterin gescheitert.

"Für dieses Amt braucht man Hausverstand, und man darf sich nicht von jedem etwas einreden lassen", skizziert sie zentrale Anforderungen. "Und es gibt wenige Frauen, die sich das zumuten." Die Politikerkaste nennt sie eine "männerdominierte Gesellschaft, vor allem in der ÖVP" - der Partei, der sie selbst angehört.

Netzwerke gegen Seilschaften

"Frauen müssen doppelt so gut sein, um in der Politik etwas zu werden." Andere Bürgermeister seien zwar nett zu ihr, "reduzieren mich zugleich auf Äußerlichkeiten." Trotz allem macht Zwölfer der Job so viel Spaß, dass sie, aus heutiger Sicht, 2010 wieder kandidieren will. Den männlichen Seilschaften, stellt sie "die Idee weiblicher Netzwerke" entgegen. Was dabei der wesentlichste Unterschied sei? "Es gibt kaum Frauen, die auf der Karriereleiter oben sind und andere Frauen hinaufziehen können." (Hannes Schlosser/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.10. 2007)

  • Maria Zwölfer, ÖVP-Mitglied: "Männerdominierte Gesellschaft."
    foto: standard/schlosser
    Maria Zwölfer, ÖVP-Mitglied: "Männerdominierte Gesellschaft."
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