Rektor wehrt sich gegen Hahns Vorwürfe

14. Jänner 2008, 10:12
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Warteliste an der Wiener Medizin-Uni soll bis zum Herbst 2009 abgebaut werden - Aufstockung der Studienplätze sei nicht sinnvoll

Wien – Nicht nur Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) ist "verhärmt und verärgert" über die derzeitige Situation an der Wiener Medizin-Universität. Auch deren Rektor Wolfgang Schütz "ärgert" es, dass 233 Studierende nach dem ersten Abschnitt ein Jahr in der universitären Warteschleife hängen – und das, obwohl sie die berüchtigte "Summative Integrative Prüfung" (SIP 1) am Ende des zweiten Semesters bestanden haben.

In einer Leistungsvereinbarung mit dem Wissenschaftsministerium hat die Med-Uni zugesagt, sich zu "bemühen, (...) dem Ziel des vollständigen Abbaus der Warteliste sehr nahe zu kommen", und zwar bis zum Beginn des Studienjahres 2009/10. Schütz ist "optimistisch", dass dieses Ziel erreicht wird, sagte er am Mittwoch zum Standard.

Hahn hatte die Wartelisten an der Wiener Medizin-Uni in einem Standard-Interview scharf kritisiert: "Entschuldige, was ist das für eine Planungsqualität? So geht’s nicht", erklärte der Wissenschaftsminister. Denn: "Kaum, dass sie (die Leistungsvereinbarung, Anm.) zum ersten Mal in Kraft treten soll, sagt man mir schon, sie bringen es nicht zusammen."

Garantieren könne die Uni den Abbau der Warteliste bis 2009 nur, wenn die Zahl der Erstsemestrigen einmalig um von derzeit 740 auf etwa 600 reduziert würde, kontert Schütz – was wiederum das Ministerium nicht wolle. "Mit dieser Maßnahme hat die Medizin-Uni Graz die Warteliste abgebaut, die haben dreimal hintereinander weniger Erstsemestrige aufgenommen", erläutert der Rektor.

Die Aufstockung der Studienplätze, die immer wieder gefordert wird, hält Schütz nicht für sinnvoll: "Wir können im klinischen Bereich die Plätze nicht steigern, wenn das Studium die Qualität haben soll, die es derzeit hat." Bei einer Aufstockung der Plätze käme der "Flaschenhals" einfach später, nämlich spätestens beim praktischen Arbeiten im Krankenhaus.

Seit der Einführung des neuen Curriculums im Studienjahr 2002 sei die derzeitige Situation vorhersehbar gewesen, sagt der Rektor: "Es war klar, dass wir, wenn die Politik nicht in irgendeiner Weise reagiert, ein Platzproblem bekommen werden."

Vorzeitig famulieren

Jene, die derzeit nicht weiterstudieren können, müssen jetzt nicht zwei Semester lang Däumchen drehen: Sie können das verpflichtende Praktikum, die so genannte Famulatur, teilweise vorziehen, erläutert Schütz: "Wir haben diese Möglichkeit eigens geschaffen, damit das Jahr nicht zur Gänze verloren ist. Es gibt eine eigene vorbereitende Vorlesung zur Famulatur für die Wartenden." Zudem können die Studierenden freie Wahlfächer absolvieren. Die Wartezeit, verspricht Schütz, wird maximal ein Jahr dauern: "Das können wir garantieren, so weit haben wir das System schon lange im Griff."

Wissenschaftsminister Hahn forderte die Med-Uni am Mittwoch auf, "Ideen zu entwickeln, wie die Studenten die Wartezeit sinnvoll nutzen können". Sei das nicht möglich, sollte die Uni die Studienbeiträge zumindest teilweise refundieren. Wer Prüfungen in Wahlfächern ablegen wolle, müsse die Studiengebühren ohnehin zahlen, erklärt man dazu an der Med-Uni. Wer dies nicht wolle, könne sich beurlauben lassen. Dass an der Med-Uni Zugangsbeschränkungen notwendig sind, sei mittlerweile "von allen Seiten anerkannt", glaubt Schütz. Die Regelstudienzeit habe sich mit dem neuen Curriculum und den Eingangstests drastisch reduziert, die Drop-out-Rate ebenfalls – der beschränkte Zugang sei also auch für die Studierenden durchaus von Vorteil. (Andrea Heigl/DER STANDARD-Printausgabe, 4. Oktober 2007)

Nachlese

Vizerektor Reibnegger erzählt im derStandard.at-Interview, wie man an der Med-Uni Graz die Wartelisten reduzieren konnte.

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"War klar, dass wir ein Platzproblem bekommen, wenn die Politik nicht reagiert" – Med-Rektor Wolfgang Schütz.
    foto: standard/urban

    "War klar, dass wir ein Platzproblem bekommen, wenn die Politik nicht reagiert" – Med-Rektor Wolfgang Schütz.

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