Die Dominanz der Alten Meister

9. Oktober 2007, 17:20
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Noch bis zum 7. Oktober findet in Florenz die XXV. Biennale statt, die im Palazzo Corsini Erlesenes aus dem Kunst- und Antiquitätensektor durch den renommierten Regisseur und Bühnenbildner Pier Luigi Pizzi in Szene setzt

Florenz – Dass ab kommendem Wochenende nach 2.00 Uhr früh per Gesetz in Italien kein Alkohol mehr über den Tresen wandern darf, erregt die Gemüter in Florenz derzeit weniger als ein durch das Stadtinnere geplantes Straßenbahnnetz. Der von der Gemeinde genehmigte Bau sei eine Gefahr für einige Wahrzeichen der Stadt, Michelangelos David ebenso wie für Brunelleschis Baptisterium samt Duomo.

Der Gesprächsstoff der Teilnehmer der Biennale für Kunst und Antiquitäten ist im Jahr des Jubiläums um lokale Empörung bereichert. Der Bürgermeister selbst verteidigt das Projekt, mehr als 2000 Busse täglich würden die architektonischen Herrlichkeiten mit ihren Emissionen belasten. Was für Mailand die Mode, ist für Florenz die Kunst.

Und von diesem Bonus weiß die toskanische Metropole am Arno auch gut zu leben. Im Herbst trollen sich die unerträglichen Touristenmassen, zwängen sich nur mehr ein paar versprengte Gruppen amerikanischer Europafans und asiatischer Einkaufsjunkies durch die Altstadt. Tagsüber wird die Stadt in warmes Licht getaucht, später findet man sich in Camillos Trattoria auf eine Portion Tagliatelle ein und beschließt den Abend mit in Vino Santo getränkten Cantuccini.

Salute Bruce (Lamarche), auch der Initiator des Salzburg-World-Fine-Art-Fair-Debüts kam – und warb um Teilnehmer für die 2008er-Auflage. 2005 hatten sich knapp 90 Aussteller im Palazzo Corsini versammelt, zur 25. Auflage halten dort jetzt derer 96 Hof, 80 Italiener und 16 aus dem Ausland Angereiste. Stärkeres Crossover? Eine aktuelle Frage, die man sich angesichts der Dominanz Alter Meister untereinander stellt. Und doch sind es Vertreter von Rang, die Glanz in die Räumlichkeiten des Mitte des 17. im Stil des 16. Jahrhunderts mit barocken Elementen errichteten Baus zu bringen verstehen. Allen voran der junge Lokalpatron Fabrizio Moretti – neben Florenz verfügt er über Niederlassungen in London sowie New York und gehört zu den Stammausstellern in Maastricht –, der mit einem besonderen Highlight aufwarten kann.

Sponsorensuche

Lange Zeit galten die acht Tafeln des Flügelaltars von Beato Angelico für die Kirche San Marco als verschollen. Während der Napoleonischen Kriege waren sie aus Florenz entwendet worden. Sechs davon tauchten später in Deutschland und den Vereinigten Staaten auf und kamen in verschiedene ausländische Museen. Zwei Paneelen blieben verschwunden, bis sie im April im Angebot einer Auktion bei Duke’s im südenglischen Dorchester standen.

Eine Vertreterin des italienischen Ministeriums für Kulturgüter steigerte bis auf 1,5 Millionen Pfund, schließlich reizte ein amerikanischer Sammler Fabrizio Moretti bis zu einem Gebot von 1,7 Millionen Pfund aus. Im Rahmen der Messe wird jetzt nicht nur um Käufer, sondern auch eventuelle Sponsoren gebuhlt. Die Hoffnung, wenigstens zwei der ehemals acht Tafeln für ihren ursprünglichen Standort zu sichern, stirbt auch in Florenz zuletzt.

Das Vernissage-Publikum gab sich vorerst zurückhaltend, einen der wenigen offiziellen Abschlüsse vermeldeten Roberto Caiati und Matteo Salamon aus Mailand, sie reichten ein Prunkstück des 17. Jahrhunderts von Joseph Heintz weiter. Im Vergleich zu Kunst- und Antiquitätenmessen Mitteleuropas ist das Charakteristikum hier schnell gefunden.

Abgesehen vom Ambiente, vom Bühnenbildner Pier Luigi Pizzi geschickt in Szene gesetzt, ist es die Wertschätzung für angewandte Kunst: In einem vielfältigen Skulpturenangebot einerseits und gelungenen Standpräsentationen andererseits – die perfekten Stilllebeninszenierungen gleichen, etwa bei Sandro Morelli (Florenz) – werden oftmals exquisite Fundstücke bereitgehalten. Etwa eine Gruppe von sieben Pappmaché-Marionetten der Commedia dell’Arte aus dem 18. Jahrhundert bei Piva (Mailand). Die Scheidungsopfer – ehemals umfasste das venezianische Ensemble 14 Figuren – sind mit 70.000 Euro veranschlagt. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.10.2007)

  • Exquisites Fundstück: 70.000 Euro kostet dieses Commedia-dell’-Arte-Ensemble beim Mailänder Aussteller Piva.
    foto: piva

    Exquisites Fundstück: 70.000 Euro kostet dieses Commedia-dell’-Arte-Ensemble beim Mailänder Aussteller Piva.

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