Ab heute gilt Alkoholverbot am Grazer Hauptplatz

4. Oktober 2007, 19:15
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Dass sich alle daran halten, wird von Magistratsbeamten und Polizei kontrolliert

Graz - Grazer Hauptplatz, vormittags gegen neun Uhr: "Ist schon recht. Bei den wirklichen Alkoholikern gehört richtig durchgegriffen", sagt Manfred T. bestimmt. "Na ja", hält er inne und blickt hinunter zu seiner ausgebeulten Sakkotasche, aus der der Aluverschluss einer Dose blitzt, "I trink a ganz gern, aber dass man uns das jetzt ganz verbietet? Wir tun doch niemandem was, wir sitzen z'samm, schauen und tratschen."

Höchststrafe 2000 Euro

"Wir", das sind der 55-jährige Frühpensionist Manfred und seine Handvoll Freunde, die sich hier täglich am Hauptplatz auf die Stufen des Erzherzog-Johann-Brunnens setzen, sich die eine oder andere Dose vom Billa gegenüber holen und den Tag Tag sein lassen. Seit heute, Donnerstag, ist Schluss. Mit 4. Oktober tritt ein Alkoholverbot auf dem Hauptplatz in Kraft. Außer in Schanigärten und bei Würstelbuden darf hier vor dem Rathaus kein Alkohol getrunken werden. Höchststrafe: bis zu 2000 Euro. Die Stadtregierung hatte befunden, das Stadtbild leide unter dem Alkoholnebel am Brunnen. Das Land griff helfend ein; mit einem "Aufsichtsorgangesetz", das der Stadt nun die Überwachung mit einer eigenen Magistrats-Alko-Wache erlaubt.

Manfred und seine Runde hat jetzt kurz an ein Ausweichen an die Würstelbuden-Freizone gedacht. Aber: "Ich sage nur: beim Billa 42 Cent, beim Standl zwei Euro fuffzig bis drei. Da kann ich mir fünf Bier dafür kaufen."

Natürlich existiere ein Problem am Hauptplatz, gibt Manfred zu. Das seien die "wirklich harten Tschecheranten und die Rauschgiftsüchtigen".

Dealen am Tag

Die Standlerin, die einige Schritte vom Denkmal entfernt ihre Würstelbude betreibt, ist "sehr froh über das Verbot". Es habe sich hier schon "zu viel abgespielt". "Bitte, die haben sich Spritzen gesetzt, wissen Sie das nicht? Da wird am Tag gedealt." Das sei das eigentliche Problem.

Für Manfred ist der ganze politische Aufwand - eigene Alkohol-Stadtverordnung, eigenes Landesgesetz, extra Alkoholwache - eigentlich nicht wirklich von Bedeutung. Die Runde hat längst einen Plan B. Man werde einfach eine Ecke weiterziehen, zum Jakominiplatz, zum Eisernen Tor oder zum Schlossbergplatz. Manfred T.: "Bitte, warum sollen wir uns nicht treffen dürfen, auf ein Bier - oder zwei?" (Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe, 4.10.2007)

  • "Warum sollen wir uns nicht auf ein Bier treffen können?", fragt Manfred T. - Auf dem Grazer Hauptplatz gilt ein Alkoholverbot
    foto: mue

    "Warum sollen wir uns nicht auf ein Bier treffen können?", fragt Manfred T. - Auf dem Grazer Hauptplatz gilt ein Alkoholverbot

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