Neugebauer geht in seiner Einlassung aber noch einen Schritt weiter: Nicht nur Israel sei von der Auslöschung bedroht, dem Iran wird sogar die Fähigkeit und die Absicht zugeschrieben, gleichsam die gesamte aufklärerische Moderne hinwegzufegen. Der Gegner wird solcherart immer monströser und der Krieg zu einem selbstverständlichen Akt der Notwehr gegen eine als existenziell imaginierte Bedrohung der westlichen Zivilisation.
Generell gilt: Solange die Debatte über die Sicherheitslage im Nahen Osten unter dem Deutungsvorbehalt des Verzichts auf Kritik an Israel steht, ist sie nicht sinnvoll führbar: Der Vorwurf des Antisemitismus beschneidet die Denk- und Redefreiheit und verhindert so eine differenzierte Auseinandersetzung mit den treibenden Kräften des Konflikts. Kritik an der islamistischen Ablehnung humanistischer Werte ist natürlich berechtigt und notwendig. Aber den Iran gleichsam als dämonische Inkarnation dieser Haltung darzustellen, reduziert die Komplexität der Lebenswirklichkeit in der Region. Weder Islamophobie noch Antisemitismusvorwurf sind gute Ratgeber für den Umgang mit Iran.
Die militärische Nuklearoption des Iran ist eine unglückselige Entwicklung, die es zu verhindern gilt, wenn auch Verhandlungen und gezielte Sanktionen bislang kaum Ergebnisse zeigen. Aber zugleich ist vor der Losung zu warnen, die immer mehr Anhänger zu finden scheint: "Entweder Bomben auf Iran, oder die iranische Bombe." Wenn die nukleare Waffenoption Irans durch zivile Mittel nicht verhindert werden kann, ist dies nicht als automatischer Schrankenöffner für einen Krieg gegen den Iran zu werten.
Die Gegenoption zur vermeintlichen Alternative "'Nuklearverzicht oder Krieg", wäre: Einhegung eines dann allenfalls nuklear bewaffneten Iran durch ein durchdachtes und besonnenes System der regionalen Abschreckungslogik. Zumal dafür die nukleare Bewaffnung Israels und der nukleare Schutzschirm der USA über der Region ausreichende Instrumente sind. Zudem konnten die Kriegsbefürworter bisher kein einziges sachliches Argument liefern, warum das iranische Regime die Atomwaffe, so es über sie einmal verfügt, gegen Israel einsetzen sollte.
Die ständigen Bezüge auf die widerwärtigen Auslassungen Ahmadi-Nejads sind zur Beweisführung untauglich: Sie verkennen die komplexen, sich wechselseitig ausbalancierenden Institutionen der islamischen Diktatur im Iran. Das wirre Gefasel ist kein Drehbuch für die iranische Außenpolitik, der Iran kein irrationales Regime, das seine Selbstvernichtung anstrebt, auch wenn die Aussagen des Präsidenten das manchmal nahe legen.
Wer dennoch beharrlich an der Dämonisierung des Iran als den unausweichlichen atomaren Vernichter des jüdischen Staates Israel arbeitet, missbraucht die Erinnerung an die Shoah - absichtlich oder fahrlässig. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2007)
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Den Artikel im Original halte ich für sachlicher und treffender, als die hier als Kommentar abgedruckte Antwort an Neugebauer.
Eigentlich ist diese nur die umgemodelte Ausgabe, des Originals von Mangotts Homepage vom 3. Oktober (!).
die sachlichkeit wird eher durch kommentare wie diesen eingeschüchtert.
der gute mann hat offenkundig keine ahnung von der realität. damit ist er zwar nicht alleine, doch sollte man sich von universitären wissenschaftern doch erwarten können, daß sie fakten anerkennen.
inhaltlich will ich hier nicht näher darauf eingehen, da das bereits andere zur genüge getan haben (siehe z.b. "el comandante", teil I-III).
vielleicht sollte man ihn darauf hinweisen, daß der iran nicht in osteuropa liegt, auch wenn die bezeichnung "naher osten" irreführend sein mag.
Es geht Herrn Neugebauer i. seinem Kommentar nicht um d. Schutz aller Menschen in d.Region Israel/Palästina vor einem d.Iran unterstellten nuklearen Angriff auf Israel!
Mit keinem Wort erwähnt er dabei, dass bei angenommenen Angriff auch 1000ende nichtjüdische, arabische Menschen (Palästinenser) betroffen wären. Würden die dann nicht auch unter die Kategorie "atomaren Holocaust" fallen? Er erwähnt auch nicht, dass ein angenommener Angriff durch den Iran auch die atomare Vernichtung des Iran durch einen israel. Gegenschlag bedeuten würde. Es geht Neugebauer ja nicht um alle betroffenen Menschen sonder um die Durchsetzung von Ideologie, seiner Ideologie. Er reiht sich so unter die Wegbereiter eines zukünftigen Angriffskriegs ein!
Chomeini, der nach islamischer Lehre nur zwischen Muslimen, Schutzbefohlenen (Dhimmi) und Ungläubigen unterschied, vertrat daneben auch das islamische Harbi-Konzept, das die Tötung von nicht unterworfenen Nicht-Muslimen vorsieht. Chomeini erklärte in einer Rede über den Djihad am 12. Dezember 1984:
Wenn ein Verderber, der Untaten begeht, verhaftet und getötet wird, muss er dafür dankbar sein, denn würde er leben, könnte er noch mehr Untaten begehen und er würde im Jenseits noch größere Strafen erleiden müssen
http://de.wikipedia.org/wiki/Ruho... htmuslimen
...ein Hashemi Rafsanjanin, eine in Europa sogenannte "gemäßigte kraft", davon fantasiert, dass eine einzige atombombe ausreichen würde, um israel zu zerstören, dann sollte man den menschen - und überhaupt das ganze regime - ernst nehmen. - anstatt immer reflexhaftig dem bösen israel vorzuwerfen, wie gemein es schon wieder zum armen iran ist....
...ein Hashemi Rafsanjani, eine in europa sogenannte "gemäßigte kraft", darüber fantasiert, dass eine einzige atombombe ausreichen würde, um israel zu zerstören, dann sollte man die aussage dieses menschen auch einmal ernst nehmen - und nicht als erstes gleich israel wieder fragen, warum es denn nun schon wieder so gemein zu dem armen iran ist....
...und der lage der frauen- oder auch arbeiterInnenrechte wird lieber nicht gesprochen...
wenn also ein fundamentalistisches regime, das sich als legitmation auf gott beruft (!!), an nuklearwaffen bastelt, dann ist das erstbeste, was man zu tun hat - dem juden unter den staaten seine dunklen pläne (israel und die usa suchen ja nur einen grund...) und weltweiten verschwörungen vorzuwerden (Das bezieht sich jetzt auf die meisten poster weiter unten. ein wunderbares zitat dazu von "BobDuke": "Das ganze heißt dann Geostrategie.")...welch schöner antisemitischer stereotyp...
in einem punkt muss ich gerhard mangott allerdings recht geben: die fokussierung auf ahmadinejad ist völlig fehl am platz. wenn beispielsweise [Fortsetzung]
"eine differenzierte Auseinandersetzung ... Kritik an der islamistischen Ablehnung humanistischer Werte ist natürlich berechtigt und notwendig. Aber..."
hauptsache immer schön differenziert sein, dann ist man auf jeden fall mal aus dem schneider, besonders wenn man sich einen hippen links-alternativen touch geben will..."kritik ist natürlich berechtigt, aber..."
es erstaunt mich immer wieder, wie "linke", die sich ja angeblich der befreiung der geknechteten menschheit verschrieben haben, über die angriffe auf die werte der aufklärung (die zwar den menschen nicht befreit, aber ihm immerhin freiheiten gebracht hat) gütlich hinwegsehen, wenn sich damit nur gegen israel argumentieren lässt....von todesstrafe für homosexuelle [Fortsetzung]
ein wissenschaftler der das (un)wort islamophobie verwendet ist ohnehin nicht ernst zu nehmen
http://www.youtube.com/watch?v=08EYqwyns-k
appeasement bis zuletzt...
die ideologie der iranischen mullahs:
http://de.wikipedia.org/wiki/Harbi
stimmt nicht: dar al harb...das haus des kriegens alles was nicht unter islamischer herrschaft steht
sie bedienen sich aber offensichtlich der Tagiyya http://de.wikipedia.org/wiki/Taqiyya
das ist nicht islam
allerdings kann mir vorstellen das solche hirngespinste von wahabiten stammen könnten
die wahabiten z.b. betrachten die shiiten als ungläubige und neuerlich hat ihr mofti sein "fatwa" widerholt shiiten umzubringen
wer die wahabiten sind und wie sie in der saudi arabien an der macht gekommen sind solltest du mal durch glaubwürdige quellen heraus finden
die wahabiten werden von allen moslime verhasst
Na klar, das muss ja gefallen, wenn Mangott den reale, antisemitische Politik des Iran zum Antisemitismusvorwurf von, seiner Assoziation nach, Islamophoben verkehrt. Eine eindeutigere proiranische, antiisralische Stellungnahme kann man von ihm nicht verlangen, die hat er ja somit abgeliefert. Vielleicht leitet er nach diesem Leugnen der dreißigjährigen antijüdischen Propaganda der Mullahs und Khomeinis die nächste Holocaust-Konferenz in Teheran.
Ständige Panikmache vor dem angeblich bevorstehenden neuen Holocaust. Undifferenzierte "Analysen". Mit angeblichen Holocaust-Verhinderung läßt sich alles begründen, und natürlich auch Bomben auf Teheran, egal, ob das Ahmadinedschad stärkt und die Moderaten im Iran schwächt oder nicht.
Die "Linke" bedeutet allzuoft: zuviel ideologische Blindheit, zuwenig pragmatisches Hinschauen.
Aber Intelligenz und Pragmatismus sind eben nicht gefragt, Hauptsache, man überbietet sich gegenseitig in Panikmache vor dem angeblich bevorstehenden neuen Holocaust oder in Radikalität im Kampf gegen den angeblichen neuen Rechtsextremismus oder Antisemitismus.
Gerade in der Haltung zu Israel gibt es die wildesten Ueberkreuzungen "linker" und "rechter" Ansichten. Da kommt man mit diesen Begriffen nicht weit. Da kann es schon passieren dass man ideologische Blindheit vermutet weil man selbst nicht differenziert und pragmatisch hinschaut.
Natürlich wird der Begriff "Antizionismus" in Österreichs Linker manchmal als Chiffre für "Antisemitismus" verwendet: weil man ja nicht antisemitisch sein darf, tobt man sich halt antizionistisch aus.
Das ist die eine Seite: die Panikmache vor dem angeblich erneut bevorstehenden Holocaust ist die andere Seite der Medaille.
Undifferenziert mögen sie beide sein. Kümmert aber keinen.
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