Zitterpartie in Weißrussland

31. Oktober 2007, 13:06
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Die Telekom Austria will auch in Weißrussland funken - Das Rennen um MDC/Velcom blieb bis zuletzt spannend

Wien - Das grundsätzliche "Go" für einen Zukauf in Weißrussland holte sich die Telekom Austria (TA) bereits in der Vorwoche. Und zwar still und eilig in einer von ÖIAG-Chef Peter Michaelis in seiner Funktion als TA-Aufsichtsratspräsident einberufenen Aufsichtsratssitzung. In dieser gaben die TA-Kontrollore grünes Licht für ein verbindliches Angebot für eine mehrheitliche Übernahme des weißrussischen Mobilfunkunternehmens Mobile Digital Communications (MDC).

Und zwar einstimmig - allerdings ohne Preisband, wie Kapitalvertreter dem Standard sagten. Ob TA-Chef Boris Nemsic wie erhofft bereits am Dienstag Nägel mit Köpfen machen konnte, war am späten Nachmittag offen.

Der Grund: Die Gleichung, die es zu lösen galt, enthielt zahlreiche Unbekannte. Eine davon waren die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse der von der Regierung in Minsk mehrheitlich an die zypriotische SB-Telecom des syrischen Geschäftsmanns Id Samawi (mit besten Kontakten in die ehemalige Sowjetrepublik) verschacherten Mobilfunkers.

Einen Minderheitsanteil an MDC - die Rede ist von weniger als 30 Prozent - kontrolliert der Wiener Geschäftsmann Martin Schlaff, zumindest indirekt, wie es in ÖIAG-Kreisen heißt. Ihm hat die TA vor zwei Jahren um 1,6 Mrd. Euro eine "Goldgrube" abgekauft: den bulgarischen Mobilfunker M-Tel. Laut russischen Quellen könnte SB-Telecom auch ganz in Samawis Eigentum stehen. Als valide gilt diese Info aber nicht.

Die zweite Unbekannte in der weißrussischen Gleichung: Der russische GSM-Funker VimpelCom mischt im Rennen um die Kontrolle über MDC auch mit. Das macht den Deal, den Analysten mit 1,2 Mrd. Euro taxieren, spannend - und unberechenbar.

Seit dem Bruderzwist um den Preis für russische Gaslieferungen werden Investoren aus Präsident Wladimir Putins Russland offenbar argwöhnisch beäugt. Wiewohl der weißrussische Staat beim MDC-Verkauf offiziell nichts mitzureden habe, hält man es in TA-Kreisen ganz und gar nicht für abwegig, dass politische Motive eine wichtige Rolle spielen.

VimpelCom mit 4,8 Mrd. Dollar Umsatz und 56,8 Millionen Kunden in Russland, Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan und der Ukraine ist für die TA gefährlich, etwa als Preistreiber. "200 Millionen Euro mehr und die TA ist weg vom Fenster", skizziert ein Insider. Damit ist klar: Von Exklusivverhandlungen mit MDC-Eigner SB ist nicht die Rede. Ebenso wenig von Fristen für verbindliche Angebote für MDC (rund 2,9 Mio. Kunden, 1100 Beschäftigte). (Luise Ungerboeck, DER STANDARD Printausgabe 03.10.2007)

  • Würde gern in Minsk beim Mobilfunker Velcom (MDC) vorfahren: die Telekom Austria.
    foto: velcom

    Würde gern in Minsk beim Mobilfunker Velcom (MDC) vorfahren: die Telekom Austria.

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