FAZ-Manager Manager Trevisan: "Klar, massive Proteste"

17. Oktober 2007, 11:46
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Am Freitag bricht die optisch konservativste deutsche Zeitung mit Tabu: Farbfoto ziert die Bleiwüste auf Seite eins - Mit Ansichtssache

Freitag bricht die optisch konservativste deutsche Zeitung mit einem Tabu: Ein Farbfoto ziert die Bleiwüste auf Seite eins. Manager Tobias Trevisan sagt, warum er Leser verstört.

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Frankfurt/Wien - Tobias Trevisan beschwichtigt: "Das ist nicht die große Revolution", wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ab Freitag aussieht. Von "Evolution" spricht der Geschäftsführer des konservativen Qualitätsblattes lieber.

Farbe ziert das Blattinnere der "FAZ" ja schon länger. Vorne sah man davon alleine ein kleines rotes Feld, das eine Story aus der Zeitung hervorhob und mit dem die Hinweisspalte auf weitere Höhepunkte des Blattes begann. Schon der kleine rote Fleck löste einen Proteststurm ob der "reißerischen Verschnörkelung" aus, referierte der "Spiegel".

"Klar" rechnet Trevisan im Gespräch mit dem STANDARD ab Freitag mit "massiven Protesten". Immerhin kommen zum Farbbild auf Seite eins noch eine neue Titelschrift, die Frakturheadlines über den Kommentaren sind dann auch Geschichte.

"Große Zahl erboster Leser"

"Eine große Zahl erboster Leser wird sich bei uns melden", erwartet der "FAZ"-Mann. Warum das Blatt dennoch umstellt, erklärt er mit umfangreicher Marktforschung, die mehrere Varianten der neuen Seite eins abtestete. Man entschied sich für den Mittelweg der Entwürfe. 80 Prozent der Leser seien für die Neugestaltung, sagt Trevisan. Die Mehrheit der übrigen 20 Prozent gab an, sie könnte sich "leicht daran gewöhnen", wenn's denn sein muss. Blieben ein "paar Prozent übrig", "das ist nicht zu vermeiden".

Hintergrund: Die FAZ-Auflage sinkt, die von Marktführer "Süddeutsche Zeitung" steigt.

Vor der "FAZ" führte Trevisan die Geschäfte der "Neuen Zürcher Zeitung". Das konservative Schweizer Qualitätsblatt schritt am 3. Jänner 2006 zum Relaunch - mit einem Farbfoto auf Seite eins, ein ähnlicher Tabubruch wie nun in Frankfurt.

Die Empörung der Schweizer Leser bekam der Zeitungsmanager nicht mehr unmittelbar zu spüren: Trevisan ist schon seit September 2005 "FAZ"-Manager. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 3.10.2007)

Ansichtssache:
Die neue "FAZ"
  • Mehrheit für Umbau: "FAZ"-Manager Trevisan.
    foto: standard/newald

    Mehrheit für Umbau: "FAZ"-Manager Trevisan.

  • Tabubruch ab Freitag: Farbfoto auf Seite eins.
    bild: faz

    Tabubruch ab Freitag: Farbfoto auf Seite eins.

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