Alternative zum tristen Einerlei

2. Oktober 2007, 17:26
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Bauen am Hang bietet viele Möglichkeiten, die es auszuschöpfen gilt. Ein herkömmliches Haus hinzustellen, wird nicht klappen - Von Heinz Lutter

Flach, rundum nichts als Wald und Wiese, weit und breit kein einziger Nachbar. Ein Traum von einem Grundstück, nicht wahr? Leider reichen die finanziellen Mittel zum Erwerb eines solchen Objektes der Begierde allzu oft nicht aus. Die Mehrzahl der leistbaren Grundstücke ist so parzelliert, dass der einzige Ausblick in Nachbars Garten reicht. Doch aufgepasst: Es gibt eine Alternative zum tristen Einerlei, zum faden Einfamilienhausteppich mit allzu nahem Horizont. Und diese heißt: Bauen am Hang. Mit etwas Glück und mit der richtigen Topografie wird es gelingen, über das Nachbarhaus hinwegzusehen und einen herrlichen Ausblick in die Ferne zu haben.

Vor dem Erwerb eines Hanggrundstücks sind allerdings einige Faktoren zu prüfen, die eine wesentlich größere Rolle spielen als etwa beim Bauen in der Ebene. Überprüft werden sollten die Bodenbeschaffenheit und die Möglichkeiten von Hangrutschungen sowie von drückendem Hangwasser. Diese Probleme löst ein Bodengutachter in Zusammenarbeit mit dem Statiker. Von großer Bedeutung für ein Hanggrundstück sind auch Himmelsrichtung und Erschließung der Parzelle. Letzteres ist nicht unwesentlich für den Transport von Baumaterialien und für die Erreichbarkeit durch Baumaschinen.

Bei der Planung kommen außerdem Überlegungen ins Spiel, die bei einem Hanggrundstück differenzierter anzustellen sind. Für Bauten in der Ebene gilt in der Regel der Aufbau mit Keller, Erdgeschoß und Obergeschoß. Da ein Hang eine schräge Schnittlinie durchs Haus bildet, verschwimmen die Trennlinien zwischen den Stockwerken - und genau darin liegt die Chance für eine gelungene Planung eines Hauses am Hang. Der Planungsprozess kann die simple vertikale Schichtung von Räumen verlassen. Ein guter Entwurf für ein Hanghaus kreiert Räume, die sich nicht nur unter oder über Erdniveau befinden, sondern die sowohl in der Erde stecken als auch aus dem Hang ragen. Es entstehen helle und dunkle, warme und kühle Zonen. Die Raumhöhen wechseln von hoch zu niedrig, halbgeschoßig versetzte Ebenen oder ineinander greifende Räume können entstehen.

Wenn man ein Haus als dreidimensionales Raumkonzept versteht, wird das Bauen am Hang vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Was nicht klappen wird, ist das Rezept Keller, Geschoß und Deckel dauf. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.9.2007)

  • Architekt Heinz Lutter
    foto: jonathan a. lutter

    Architekt Heinz Lutter

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