"Gehirnzellen-verschwendung"

2. Oktober 2007, 13:17
4 Postings

Der GeWi-Absolvent Jürgen Probst jobbt zeitweilig im KFZ-Bereich, will aber zu einer historischen Karriere ausholen

Wien/Salzburg - "Man kann immer weiterforschen, ohne dass es totale Erkenntnis gibt und das Wissen vollständig gestillt wäre", sagt Jürgen Kornprobst (34). Er ist Feuer und Flamme für die endlose Recherche und das Kramen in Archiven. Im Wintersemester 1993/94 inskribierte er Geschichte an der Uni Salzburg.

Vor allem in seine schriftlichen Arbeiten investierte er seine Energie - seine längste Seminararbeit umfasste 150 Seiten. An seiner Diplomarbeit über die Geschichte der 187. Reservedivision der Wehrmacht arbeitete er drei Jahre lang. Währenddessen absolvierte er das Bundesheer: "Ich wollte so ein System am eigenen Leib erfahren, damit ich bessere Interviews machen kann", erklärt Kornprobst.

Nach Studienabschluss folgte eine Zeit der Jobsuche, dann nahm Kornprobst die Arbeit im Landesarchiv Salzburg auf. "Das hatte ganz exakt mit meinem Studium zu tun." Er setzte sich mit alten Grundbüchern und Katastern auseinander. Der einzige Nachteil: "Man verdient, gemessen an der Verausgabung im Studium, wenig." Als das Projekt im Landesarchiv nicht mehr weiterfinanziert wurde, war Kornprobst bis auf Gelegenheitsjobs erneut arbeitslos und begann schließlich im KFZ-Betrieb seiner Familie zu arbeiten. "Statt wichtige historische Erkenntnisse zu gewinnen, bestelle ich Autoersatzteile", spricht er von "Gehirnzellenverschwendung". Reue bezüglich seiner Studienwahl kennt er aber nicht. Er hat seine historische Karriere keineswegs aufgegeben und bewirbt sich immer wieder für Jobs, die seiner Qualifikation eher entsprechen. Gefallen würde ihm auch, vom Schreiben leben zu können. Neben langen wissenschaftlichen Texten schreibt er nämlich auch gerne Kurzgeschichten. (grill/DER STANDARD Printausgabe, 2. Oktober 2007)

  • Vom Archiv ins Auto hieß es für Jürgen Probst.
    foto: privat

    Vom Archiv ins Auto hieß es für Jürgen Probst.

Share if you care.