Südkorea lehnt Verlängerung des Treffens ab

5. Oktober 2007, 10:19
50 Postings

Roh Moo Hyun: "Offene und ehrliche" Gespräche mit Kim Jong Il - Kühler Empfang am Dienstag nach Über­querung der Demarka­tionslinie zu Fuß - mit Grafik

Seoul/Pjöngjang – Der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun war am Mittwoch zu ersten Gespräche mit seinem nordkoreanischen Amtskollegen Kim Jong Il über eine Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel zusammen gekommen. Roh bezeichnete das Treffen als "offen und ehrlich". "Zu einigen Fagen teilten wir nicht die gleiche Auffassung", sagte er in Pjöngjang. Er könne aber sagen, "dass wir beide fest auf den Frieden und eine neue Richtung für die Zukunft verpflichtet sind".

Die beiden Staatsführer kamen für zwei Stunden zusammen und wollten sich am Nachmittag erneut treffen. Roh sprach sich insbesondere für eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Norden aus. Dies sei von großer Bedeutung für den regionalen Wettbewerb mit Japan und China.

Südkorea lehnt Verlängerung des Gipfeltreffens ab

Kim Jong Il hatte bei den Gesprächen vorgeschlagen, das Gipfeltreffen um einen Tag zu verlängern. Südkorea hat dies jedoch abgelehnt. Präsident Roh Moo Hyun werde wie geplant am Donnerstag nach Seoul zurückkehren, hieß es in Pool-Berichten südkoreanischer Journalisten aus Pjöngjang. Ein Vertreter Südkoreas hatte zuvor gemeint, offenbar gehe es Kim Jong Il darum, mehr Substanz in die Verhandlungen zu bringen.

Zweites Treffen in über 50 Jahren

Die Staatschefs des Nordens und des Südens des geteilten Korea hatten sich am Dienstag zum zweiten Mal in der über 50-jährigen Geschichte getroffen. Roh begann seine erste Nordkorea-Reise mit einem Marsch über die Grenze. Sein gepanzerter Mercedes S600 mit 517 PS stoppte an der schwer bewachten Demarkationslinie, dann überquerte er als erster Präsident zu Fuß den 80 Zentimeter breiten gelben Grenzstreifen auf der Straße, auf dem die Worte „Friede und Wohlstand“ geschrieben sind. Auf der anderen Seite wurde Roh von Vertretern Nordkoreas begrüßt. „Man kann es nicht sehen, aber diese Linie ist eine Mauer, die unsere Nation seit einem halben Jahrhundert teilt. Wegen dieser Mauer hat unsere Nation so viele Schmerzen erlitten“, sagte der Präsident.

Dann fuhr Roh weiter nach Pjöngjang, wo er von einer jubelnden Menschenmenge begrüßt wurde. Der Empfang durch den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-il fiel allerdings unterkühlt aus. Kim zeigte sich zugeknöpft, ein Lächeln kam ihm nicht über die Lippen, als er Roh und dessen Frau per Handschlag begrüßte. Die zurückhaltende Begrüßung stand in deutlichem Gegensatz zu dem herzlichen Empfang, den Kim dem südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung beim ersten Korea-Gipfel im Jahr 2000 bereitete. Allerdings ist der Gipfel auch in Südkorea nicht unumstritten. Kritiker werfen Präsident Roh vor, daraus innenpolitischen Schwung für die Präsidentenwahl im Dezember ziehen zu wollen.

Ein großes Thema des Treffens dürfte das Atomprogramm Nordkoreas sein. Das Land hat sich im Rahmen internationaler Verhandlungen dazu bereit erklärt, im Gegenzug für Energiehilfen seine Atomanlagen zu schließen. Offenbar soll dies bis Ende des Jahres geschehen. Die Führung in Pjöngjang wolle bis dahin auch ihr Atomprogramm vollständig offen legen, berichteten japanische Medien zuletzt. Der nordkoreanische Chefunterhändler Kim Kye-gwan erklärte in Peking, die Vereinbarung sehe auch einen Zeitrahmen dafür vor, wann sein Land von der US-Liste der Terrorismus unterstützenden Staaten gestrichen werde. Der südkoreanische Gesandte Chun Yung-woo bestritt dies allerdings.

Kein Friedensvertrag

Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag auf der Halbinsel. Der Koreakrieg dauerte von 1950 bis 1953. Im Juni 1950 hatten nordkoreanische Truppen die Demarkations_linie auf der nach dem Zweiten Weltkrieg geteilten Halbinsel überschritten. Damit begann ein Krieg, der 4,5 Millionen Tote forderte. Der UNO-Sicherheitsrat beschloss, Südkorea mit UNO-Truppen zu Hilfe zu kommen.

Die Sowjetunion boykottierte damals den Sicherheitsrat; so war kein Vertreter Moskaus zugegen, der sein Veto hätte einlegen können. China unterstützte Nordkorea mit einer großen „Freiwilligen“-Armee. (AP, AFP, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2007)

  • Download
  • Artikelbild
    grafik: standard
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun (vorne rechts) beschrieb die ersten Gespräche mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Il (links) als "offen und ehrlich".

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zwar seien sie in einigen Fragen geteilter Ansichten, doch seien beide fest auf den Frieden und eine neue Richtung für die Zukunft verpflichtet sind, meinte Roh nach dem Treffen.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Beim Zusammentreffen ziwschen Kim Jong Il und Roh Moo Hyun war die Stimmung merklich kühler, als beim Gipfel im Juni 2000. Für den Handshake hat es dann doch noch gereicht.

Share if you care.