Wer wen anschreit und es trotzdem nicht persönlich meint

2. Oktober 2007, 09:38
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Eigentlich wollte GeWi-Absolventin Janina Koster "überhaupt nicht studieren". Doch zwei Jahre Vertragssach-bearbeitung genügten ihr, und sie begann mit Germanistik

Konstanz/Wien - "Einen schlecht bezahlten Scheißjob findet man nach dem Studium genauso wie vorher, und dann hab ich während dem Studium wenigstens genau das gemacht, was mir Spaß macht." Elegant meidet Janina Koster (26) den Umweg der Phrase, wenn sie lachend von ihrem Entschluss zu studieren erzählt, und davon, dass sie sich damals noch nicht allzu viele Gedanken darüber machte, in welcher Form sich dieser Entschluss später ins Erwerbsleben übersetzen ließe.

Nach der Matura wollte sie "erst einmal Geld verdienen" und arbeitete zwei Jahre lang für eine Versicherung in Salzburg als KFZ-Vertragssachbearbeiterin. Nach einem weiteren halben Jahr Mitgliederwerbung für eine Kinderschutzorganisation "hab ich alles hingeschmissen und beschlossen: Ich fang zu studieren an" - Kunstgeschichte und Germanistik auf der Uni Salzburg. Eine große Unruhe, die Koster zu stillen, bestrebt war, drängte sie dazu: "Ich brauchte unbedingt Futter für mein Gehirn."

Als eine Art Erweckungserlebnis gestaltete sich Kosters Teilnahme an einem Praxisproseminar. Darin werden verschiedene Berufsfelder für Germanisten vorgestellt, Drehbuchautoren und Dramaturgen eingeladen und Exkursionen veranstaltet.

Eine Exkursion ins Schauspielhaus Salzburg hinterließ einen so tiefen Eindruck bei Koster, dass sie diesem fortan auch Ausdruck verleihen wollte: "Das ist der Beruf, den ich machen will." Um aber nicht im bloßen Wunschdenken zu erstarren, schickte Koster bald darauf ihre Praktikumsbewerbung ans Schauspielhaus. Für die Aufführung von "Momo" im Juni 2005 bekam sie die Zusage.

Zwischen den Welten

Danach ging es Schlag auf Schlag. Bis Mai 2006 übernahm Koster noch bei vier weiteren Produktionen die Regieassistenz und war jeweils die Person, "die zwischen dem Haus, der Regie, Ausstattung und Kostüm kommuniziert".

In dieser Mittlerposition gerate man schnell in die Rolle des "Buhmanns und Blitzableiters - der Regisseur traut sich nicht die Schauspieler anzuschreien, die Schauspieler trauen sich nicht, den Regisseur anzuschreien - also schreien alle dich an." Versöhnlicher Nachsatz: "Das ist alles nicht persönlich gemeint, die Produktion wächst einem sehr ans Herz."

Im April 2006 schloss Koster ihr Bakkalaureatsstudium ab. Mit dem Rückenwind des Wunsches, ihrem Berufsziel gemächlich näher zu kommen, absolvierte sie zwei Semester der "Werkstätte Kunstberufe" (einer Kooperation zwischen Volkshochschule und Uni Wien) mit Schwerpunkt Dramaturgie. Im Schnellfeuer schickte Koster darauf Bewerbungen in alle Richtungen Österreichs.

Als sie jedoch erfuhr, dass das Stadttheater Konstanz für ein halbes Jahr eine Dramaturgiepraktikantin sucht, "habe ich zugeschlagen".

Mittlerweile ist sie für die folgende Spielzeit fix angestellt, als Assistentin der Leitung des Jungen Theaters Konstanz, wo sie teils dramaturgisch, teils theaterpädagogisch tätig ist. 1000 Euro brutto verdient sie im Monat.

Mit "lebenslanges Lernen" beschreibt Koster den Anspruch dieses Berufs, "zusammenzuarbeiten mit Leuten unterschiedlichster Kreativität, viel lesen und Informationen sammeln". Von Auflösung bedroht ist bei diesem Job jedoch die Grenze zwischen Privat- und Berufsleben: "Ich bin seit Februar hier und kenne niemanden, der nicht am Theater arbeitet." Aber immerhin: "Die kenn ich dafür alle. Gut sogar." (Konstantin Teske/DER STANDARD Printausgabe, 2. Oktober 2007)

  • Derzeit arbeitet Janine Koster im Stadttheater.
    foto: privat

    Derzeit arbeitet Janine Koster im Stadttheater.

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