Akademiker-Endstation: Praktikum

2. Oktober 2007, 09:21
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Seit April hat GeWi-Absolventin Eva Müller ihr Publizistik-Diplom schon in der Tasche - Von einem Job gar nicht zu träumen, bleibt ihr nun auch die Sozialhilfe verwehrt

Wien - "Wenn ich nichts tun würde, würde ich dreimal so viel Geld bekommen, wie mit dem Vierzig-Stunden-Job, den ich jetzt mache", kommentiert Eva Müller trocken ihre Situation. Denn dadurch, dass die 24-Jährige eine Praktikumsstelle angenommen hat, die mit 220 Euro monatlich entlohnt wird, hat sie den Anspruch auf Sozialhilfe verloren und erhält auch sonst keine weiteren Unterstützungen.

Ende April hat Müller ihr Publizistik-Studium in Wien abgeschlossen, seither ist sie auf der Suche nach Arbeit. Von einem Job träumt sie nicht, "ich juble schon, wenn ich zu einem Vorstellungsgespräch für ein Praktikum eingeladen werde - und ich bin nicht die Einzige, der es so geht - wir sind die Generation Praktikum".

Mit ihren Ersparnissen der letzten Jahre, die sie durch Nebenjobs beiseite legen konnte, kommt sie nun noch die nächsten drei Monate durch. "Danach werde ich Kredit bei der Mama beantragen", erzählt die junge Akademikerin. Als andere Alternative bliebe ihr, neben dem Vollzeitjob noch am Wochenende zu kellnern.

Ihre Lage empfindet Müller als symptomatisch für Absolventen der Geisteswissenschaften. Das Problem wären dabei nicht die vielen Studierenden, sondern der Arbeitsmarkt. Da sich große Wirtschaftstreibende "nicht sagen lassen würden, den Leuten mehr Chancen und Geld zu geben", könne der Ausweg nur sein, an der Politik anzusetzen, meint sie. "Doch auch dafür sehe ich schwarz."

Das sechsmonatige Praktikum, das sie jetzt bei einem IT-Magazin absolviert, sollte - wenn alles gut geht - danach in ein freiberufliches Dienstverhältnis übergehen. "Für mich würde sich nichts ändern - außer meinem Gehalt." (Tanja Traxler/DER STANDARD Printausgabe, 2. Oktober 2007)

  • Studienabschluss, aber kein Job: Eva Müller.
    foto: privat

    Studienabschluss, aber kein Job: Eva Müller.

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