Eine neue Form des Miteinanders

    1. Oktober 2007, 17:51
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    Ökodörfer verwirklichen nachhaltige Lebens- und Wohnformen: Ihre Vielfalt ist groß, in Form zahlreicher Projekte keimt der Gedanke auch in Österreich

    Was sich hinter dem Begriff Ökodorf verbirgt, ist so vielfältig wie die Projekte, die dahinter stehen: Eine Gemeinschaft mehrerer Familien mit Alternativschule auf einem alten Bauernhof, Generationen übergreifende Wohngemeinschaften, die der Einsamkeit im Alter vorbeugen, kreative Zentren mit Handwerk und Biolandbau oder die Idee eines neu gegründeten Dorfes mit mehreren hundert Einwohnern.

    Allen Projekten gemeinsam ist, dass eine neue Form des Miteinanders gefunden werden soll, eine Alternative zur Anonymität der Großstadt und zu bestehenden ländlichen Lebensformen. Ein neuer, zukunftsfähiger Umgang mit sich selbst, der Gemeinschaft und der Natur soll gelebt werden.

    Auf soziale Beziehungen und Solidarität legt man ebenso Wert, wie auf einen respektvollen Umgang mit der Natur und einen nachhaltigen Lebensstil. Viele Projekte versorgen sich über Biolandbau und Permakultur weitgehend selbst mit Lebensmitteln. Bei anderen sind eigene Handwerksbetriebe integriert. Bei den Wohnungen setzt man auf ökologisches Bauen, bei der Energie auf erneuerbare Energieträger. Die meisten Ökodörfer verfügen über Seminarzentren, in denen kreative Kurse, Coaching oder Lehrgänge in Permakultur angeboten werden.

    Von der Utopie zur Wirklichkeit

    In Österreich haben Interessenten gemeinschaftlicher Lebensformen, wie Ökodörfer oft auch genannt werden, eine Plattform in Form des Netzwerkes Austrotopia. Es vernetzt die einzelnen Projekte, fördert den Erfahrungsaustausch und ist Mitglied im internationalen Global Ecovillage Network. "Die einzelnen Projekte setzten ganz unterschiedliche Schwerpunkte bei Umwelt, Sozialem oder Ökonomie", so Martin Kirchner von Austrotopia.

    Die Geschichte der Ökodörfer begann Ende der 1980er, auch wenn man "früher immer so gelebt hat". In Österreich habe die Idee unter so manchen kommunenhaften Entwicklungen der Vergangenheit gelitten, so Kirchner. Manche der heute in Österreich bestehenden Projekte wurden bereits vor etwa zehn Jahren gegründet. Dem Netzwerk von Austrotopia gehören derzeit zehn Initiativen an.

    "Friedfertigkeit, Nachhaltigkeit, Selbstentfaltung"

    Eines der Projekte, an dessen Realisierung noch gearbeitet wird, ist das Keimblatt Ökodorf. Ein siebenköpfiges "Kernteam" arbeitet mit Hilfe von UnterstützerInnen an der Gründung eines Ökodorfes für 150 bis 300 Personen. Vor fünf Jahren wurde ein Verein gegründet, mittlerweile besteht ein Projektzentrum in Riegersburg.

    Als Gebiet für die zukünftige Heimat kulturell kreativer Menschen wurde die Region Südburgenland-Oststeiermark gewählt. Dort lässt sich an eine Reihe bestehender Initiativen, wie etwa Tauschkreise, Bio-Vermarktungs-Kooperationen oder alternative pädagogische Einrichtungen andocken. Von der Umsetzung des Projekts sind darüber hinaus eine Reihe positiver Effekte für die Regionalentwicklung zu erwarten.

    Dass ein derart großer Wurf gelingen kann, zeigt das deutsche Ökodorf Sieben Linden. Nach über zehn Jahren wohnen dort an die hundert Personen. Laut Kirchner sei das Dorf auf dem besten Weg, auf 300 Mitglieder zu wachsen.

    Wer das Leben in einem Ökodorf ausprobieren möchte, der oder dem sei ein Blick auf die jeweiligen Webseiten empfohlen. Die meisten Projekte laden Gäste für kurze Zeiträume zu sich ein, sei es als zahlende Touristen oder als mitarbeitende Gemeinschaftsmitglieder.

    Zum Autor:
    Mark Hammer arbeitet als freier Journalist in Wien.

    Links:
    • Bild nicht mehr verfügbar

      EcoVillage in Ithaca, New York

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