Die Ohnmacht vor den Schranken

15. Oktober 2007, 12:49
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Während Wien mit den neuen Zugangsbeschränkungen in Publizistik kämpft und es in Salzburg eine Art Numerus clausus gibt, fand man in Innsbruck Wege, das System geschickt zu umgehen

Wien/Innsbruck/ Salzburg/Graz – Der freie Hochschulzugang ist endgültig für tot erklärt – spätestens nach der Verlängerung der Zugangsbeschränkungen. Doch er findet Wege, sich durch die engen Poren der Eingangstests zu quetschen – jedenfalls an der Innsbrucker Psychologie. Die Taktik ist: in Pädagogik inskribieren, Psychologie als Wahlfach belegen und darin 60 ECTS-Punkte erzielen. So erwirbt man das Recht, regulärer Psychologiestudent zu werden. Diesen Weg seien bisher „45 bis 60“ Leute erfolgreich gegangen, berichtet Michael Bauer von den GRAS, die gemeinsam mit der Plattform für unabhängige Fachschaftslisten diese Idee propagieren.

Noch ein zweites Schlupfloch hat sich aufgetan: Letztes Jahr legte ein Student Berufung gegen den negativen Studienbescheid ein, den er bekam, weil er nicht zum Psychologiestudium zugelassen wurde. Der Senat gab ihm Recht. Er kann nun studieren.

„Das impliziert die Rechtswidrigkeit dieser Verordnung“, spricht ÖH-Innsbruck-Vorsitzender Robert Mäser von der VP-nahen AG die neuerlich durch das Rektorat herabgesetzten Studierendengrenzen an. In Psychologie werden heuer nur noch 240 statt 400, in Biologie 160 statt 200 und in der Pharmazie 70 statt 98 Plätze vergeben. „Argumentiert wurde, dass man sich am Arbeitsmarkt orientieren müsse“, kritisiert er.

Hier sind sich GRAS und AG einig: Sie empfehlen, Berufung einzulegen. Bauer rechnet mit 20 bis 30 Fällen.

Die Hochschülerschaft behauptet sich nur schwer im Kampf gegen die Schranken. Von den Studienrichtungsvertretungen wird erwartet, mit Professoren Lösungen zu finden, die Uni-Vertretungen sollen Rektoren besänftigen und die Bundesvertretung den Minister umstimmen. Dennoch scheint die Keule „Kapazitätsmangel“ jedes Gegenargument zu zerschlagen.

„Nein“, sagt Sophie-Marie Wollner (VSSTÖ) aus dem Wiener ÖH-Vorsitzteam. „Da gehts es um politischen Willen“, spielt sie auf die unterfinanzierten Unis an. Der Kurzfristigkeit wegen sei man nicht auf die Straße gegangen, aber: „Dass es bis jetzt keine Demo gab, heißt nicht, dass es keine geben wird.“ Momentan erhebt die ÖH vor allem in den Medien ihre Stimme. Heuer neu ist die Beschränkung an der Wiener Publizistik. Auch hier will die Studienrichtungsvertretung bald Aktionen setzen: „Wir haben viele unsichere, aber auch wütende Erstsemestrige“, sagt dessen Vorsitzende Nicole Eilenberger. „Wir stehen an der Wand“, sagt hingegen Stefan Röck (AG), ÖH-Vorsitzender der Uni Graz. Er ist im Unklaren, was dagegen getan werden kann. Im ganzen deutschen Sprachraum sei das Fach Pharmazie beschränkt, hebe man dies in Graz auf, würde man überrannt.

Numerus clausus light

An der Uni Salzburg finden sich Numerus-clausus-artige Zustände: Von 100 Punkten, die im Aufnahmetest für Psychologie zu erreichen sind, kann man sich maximal 20 für „Sehr Gut“ in z._B. Mathe, Deutsch und Englisch im Schulabschlusszeugnis holen. Von den angetretenen 350 Personen werden 270 zugelassen.

Christian Altenweisl ist ab nächstem Semester Psychologiestudent in Innsbruck. Er hat den Multiple-Choice-Test geschafft. Unter der „angespannten Stimmung“ beim Test litt das Kollegialitätsgefühl der Studenten. Auf ein nettes „Guten Morgen“ hätte ihm keiner geantwortet. (Julia Grillmayr/DER STANDARD Printausgabe, 2. Oktober 2007)

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