Rauchzeichen zum Bier

1. Oktober 2007, 16:55
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Den fortschreitenden Rauchverboten zum Trotz: Zigarren finden immer mehr Freunde. Weil die Brauereien das nicht erkennen, gehen ihnen Kunden verloren

Ehrlich gesagt bin ich für gewöhnlich Nichtraucher. Meinen gelegentlichen Besuchen im Zigarrenklub verdanke ich jedoch die Erkenntnis, wie angenehm hin und wieder eine gute Zigarre schmeckt. Aber so richtige Freude machen mir Zigarren nur dann, wenn ich dazu das Richtige zu trinken bekomme. Cognac passt und Whisky natürlich auch – aber ich trinke von Berufs wegen weder noch. Auch privat ziehe ich ein Bier vor. Und das passt eben nicht; zumindest nicht die gängigen hellen, untergärigen Biere, die nicht nur den Weltmarkt, sondern leider auch die heimische Bierszene fast vollständig beherrschen. Um nicht missverstanden zu werden: Es gibt wahre Kunstwerke von Pilsbieren, selbst aus sehr großen Brauereien – man denke etwa an das Zipfer Pils aus Oberösterreich oder das Jever aus Friesland. Doch auch das beste Pils würde neben der Cohiba wässrig und fade schmecken.

Da müsste ein viel kräftigeres Bier zur Hand sein. Ein Bockbier vielleicht. Besser noch: Ein dunkler Bock. Oder ein obergäriges Starkbier. Oder ein Bier mit starken Röstmalz- und Röstgersten-Aromen. Es gibt immerhin ein paar Brewpubs, die sich trauen, derartige Biere anzubieten – 1516 Brewing Company hat derzeit wieder ein Stout. So ein Bier, ja das würde zu meiner Zigarre passen.

Was aber sollen zigarrenrauchende Biertrinker machen, die kein so spezielles Brewpub mit so speziellen Bieren in der Nähe wissen? Sie tun das Nächstliegende: Sie kosten das gerade verfügbare Märzen oder Pils zur Zigarre, finden es nicht überzeugend und entscheiden sich dann mehr oder weniger schweren Herzens, lieber auf ein anderes Getränk umzusteigen als die Zigarre sein zu lassen.

Das ist sehr bedenklich. Man braucht sich nämlich nur umzusehen, um zu erkennen, dass Zigarre rauchen voll im Trend liegt. Wenn selbst Kaffeehandelsketten preisgünstige Humidore anbieten, dann sind das Zeichen dafür, dass die edlen Tabakerzeugnisse rapide neue Freunde finden. Und wenn diese neuen Zigarren-Freunde die Erfahrung machen, dass „Bier und Zigarre einfach nicht zusammenpassen“, dann gehen sie mittelfristig als Bierkonsumenten verloren.

Dabei müsste das nicht sein. Denn natürlich gibt es Biere, die sich hervorragend mit dem Zigarrenrauch vertragen. Und solche Biere kommen glücklicherweise nicht nur aus innovativen Brewpubs – es gibt sie durchaus auch in Flaschen. Generell lässt sich sagen, dass ein Bier umso besser zur Zigarre passt, je kräftiger es ist. Märzen also besser als Pils, Bock besser als Märzen. Dunkle Biere eher als helle, obergärige besser als untergärige. Alt besser als Kölsch, und Stout besser als Alt.

Eine besonders interessante Kombination ergibt sich mit einem vor dem Ersten Weltkrieg sehr populären, heute aber fast vergessenen Bierstil, nämlich dem Deutschen Porter. Das ist ein schwarzes, sehr kräftig eingebrautes Bier, das mit einer Brettanomyces-Hefe nachvergoren wird. Ein schönes Beispiel kommt aus Sachsen, genauer: Aus der Meissner Schwerter Brauerei, deren Porter sich in vielen Verkostungen bewährt hat. Oder, wenn man die Gelegenheit hat, diese Rarität aufzutreiben: Der Schlenkerla-Rauchbock aus der Brauerei Heller in Bamberg, der eine leichte Süße mit einem kräftigen Raucharoma verbindet. Wer so ein Bier zur Zigarre trinkt, merkt rasch, dass es gar nichts gibt, was besser passt als Bier. Man müsste es den Zigarrenrauchern aber auch nahe bringen. (Bierpapst Conrad Seidl)

  • Der Bierpapst beim Zigarren rauchen.
    foto: seidl

    Der Bierpapst beim Zigarren rauchen.

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